Stadtleben und Kids in Berlin

Telefonzelle: Lesen statt labern

"Ohne Handy, ab in die Zelle" war um die Jahrtausendwende ein Werbeslogan, mit dem die Telekom auf riesigen Plakaten für ihre Mobiltarife und -telefone warb

BookCrossingDie Telefonzelle war durch diesen Spruch von ihren eigenen Betreibern quasi zu einem Ort für Verlierer erklärt und damit zum Abschuss freigegeben worden. Tatsächlich verschwand sie in den folgenden Jahren zunehmend aus dem Straßenbild: Im Mobiltelefonzeitalter rentiert sich das Aufstellen und die Wartung der Häuschen nicht mehr. Umso frappierender, wenn die gute alte Telefonzelle plötzlich wieder – mit neuer Nutzung – auftaucht. Seit Anfang September überrascht eine zur Miniatur-Bibliothek umgebaute und mit Graffiti besprühte gelbe Telefonzelle die Passanten am Rüdesheimer Platz in Wilmersdorf.

„Bring ein Buch – nimm ein Buch – lies ein Buch“ steht dort auf einem Zettel, auf dem die Funktion der Zelle als – kostenlose – Büchertauschbörse erklärt wird. Initiiert hat das Ganze das „Institut für Nachhaltigkeit in Bildung, Arbeit und Kultur“ (INBAK) und technisch umgesetzt wurde es unter Einbeziehung von Jugendfortbildungsprojekten. „Eigentlich sollte unsere BücherboXX,
wie wir die Zelle jetzt nennen, als eine Art Pilotprojekt nur kurze Zeit am Rüdesheimer Platz stehen“, sagt INBAK-Leiter Konrad Kutt. Weil sich um die Zelle aber regelmäßig eine Traube von Nutzern bildet und immer wieder Bitten kamen, die Standdauer zu verlängern, bleibt sie jetzt bis Ende Oktober stehen. Konrad Kutt hofft nun auf die Telekom, ihm weitere Häuschen für andere Standorte zu überlassen. Über mangelnde Nachfrage aus anderen Bezirken jedenfalls kann er sich nicht beklagen. 

Text: Eva Apraku

Foto: Rhonda Repotente

Institut für Nachhaltigkeit in Bildung, Arbeit und Kultur Konrad Kutt, Trabener Str. 14b, Zehlendorf, www.inbak.de

Mensch Telefon Ausstellungskatalog des Museums für Kommunikation Frankfurt, von Margret Baumann und Helmut Gold, Wachter-Verlag 2001, 232 Seiten, Preis: 35 Ђ

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