Stadtleben und Kids in Berlin

Will Felix Herzog Wowereit stürzen?

Er hat den Tempelhof-Volksentscheid mit durchgesetzt. Jetzt will er Wowereit stürzen. Was aber will Felix Herzog wirklich?

Vielleicht verliert Klaus Wowereit irgendwann seinen Job, weil Felix Herzog für 24 Stunden nicht auf das Tempelhofer Feld durfte. Wäre das nicht eine bizarre Pointe?

Felix Herzog, nur echt mit dem roten Anorak. Den trägt er bei jedem Medientermin, davon gibt es derzeit besonders viele. Vor allem, seit der Vorstand und Sprecher des Vereins Demokratische Initiative 100 % Tempelhofer Feld, kaum dass dieser 185?000 gültige Stimmen für einen Volksentscheid gegen jegliche Randbebauung – dazu gehören auch knapp 5000 Wohnungen – sammelte, gleich das nächste Volksbegehren-Fass aufmachte: den Regierenden Bürgermeister Klaus Wowereit abzulösen.

Für einen 28-jährigen Bayern, der erst seit gut drei Jahren in Berlin lebt, in einem 25-Quadratmeter-Zimmer einer Vierer-WG am Hermannplatz, ist das eine ganz brauchbare Zwischenbilanz. Die Frage ist nur: Was will dieser Felix Herzog eigentlich wirklich?
Die Umstände, wie das Volksbegehren für Neuwahlen des Abgeordnetenhauses zustande kam, sind womöglich ein guter Anhaltspunkt dafür. Dort, wo der tip Felix Herzog vergangene Woche trifft, am Schillerkiez-Eingang des Tempelhofer Feldes, macht sich Herzog an einem Tag Anfang Februar, so erzählt er es, daran, auf einer Infotafel die Worte „Arche Metropolis“ durchzustreichen. Dazu schreibt er „31.12.2013“, und „R.I.P.“. Jenes Datum, an dem der Zwischennutzungsvertrag dieses Kunstprojektes ausgelaufen war. Sicherheitsleute des Areals befanden die Korrektur als Sachbeschädigung. Herzog sollte sich zur Strafe 24 Stunden nicht auf dem Tempelhofer Feld blicken lassen.

Am nächsten Tag, der Steuerbetrugsfall des Kulturstaatssekretärs Andrй Schmitz entwickelte sich gerade zu einem Selbstgerechtikeitsproblem für dessen Chef, Klaus Wowereit, hätte Herzog eigentlich auf dem Feld spazieren gehen wollen. Durfte er aber eben nicht. Da schaute Herzog einfach mal nach, ob die Internet-Domain Wowereit-ruecktritt.de noch frei war. War sie. Na dann.

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Der Rest ist keine Hürde für jemanden wie ihn, der schon vor Jahren in Bayern Netzwerke für Proteste gegen Studiengebühren knüpfte, bei der Demokratische Initiative 100 % Tempelhofer Feld unter anderem auch für Social Media zuständig ist, nach eigenen Angaben um die 30 Facebook-Seiten kontrolliert und anderen bekannten Ex-Politikern im Spätherbst ihrer jeweiligen Amtszeit Seiten wie Guttenberg-ruecktritt.de und Wulff-ruecktritt.de gewidmet hat. Jetzt will er gemeinsam mit Martin Wittau, übrigens dem Mann hinter dem Arche-Metropolis-Projekt, das Volksbegehren für vorgezogene Neuwahlen des Abgeordnetenhauses auf den Weg bringen. Rund 500?000 Berliner müssen letztlich unterschreiben. Anfang März soll die erste Unterschriftensammlung starten.

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