Dystopie

„The Circle“ im Kino

Die dümmste aller Optionen: „The Circle“, die Verfilmung des gleichnamigen Bestsellers von Dave Eggers, bleibt trotz des hochaktuellen Themas weit hinter ihren Möglichkeiten zurück

Foto: Universum

Die Frage, wer unsere Daten aus welchen Gründen abgreift, ist ­eines der wichtigsten Themen der Gegenwart. Denn dass ­unsere Daten gesammelt und ausgewertet werden, ist längst kein ­Mysterium mehr. Die interessante Frage ist, warum wir die Daten über unser Konsumverhalten und unser Privatleben so widerstandslos ­weggeben. Unwissenheit ist keine Antwort: Auch wenn wir die Technologie vielleicht nicht im Detail begreifen, ist uns doch allen klar, dass ­jedes „like“ auf Facebook und jede Suchanfrage auf ­Google mindestens ­einen ­Haufen Werbung nach sich zieht. Es ist wohl vielmehr so, dass vor allem die bereits mit Laptop, Tablet und Smartphone aufgewachsene Generation den Handel mit ihren Daten im Tausch für den praktischen Nutzwert dieser Geräte einfach akzeptiert: Es ist den Leuten schlicht egal. Doch das ist gefährlich. Je mehr Wissen und Macht die großen Internetkonzerne anhäufen, je besser sie ihre Techno­logie vernetzen, umso ­größer wird die soziale Kontrolle über den gläsernen Menschen werden.

Viele dieser Themen behandelt der US-amerikanische Schriftsteller Dave Eggers in seinem 2013 erschienenen Roman „The Circle“. Darin entwickelt Eggers eine Dystopie, in der ein mächtiger Internetkonzern an der totalen Überwachungstechnologie und der völligen Abschaffung der Privatsphäre arbeitet. Die College-Absolventin Mae, die für The Circle zu arbeiten beginnt, versteht den totalitären Aspekt dieser Firmenideologie nicht, sie bleibt bis zum Schluss ­gefangen in einer Welt von Image, Lifestyle und hehren Sprüchen von der ­Verbesserung der Welt.

Von einer Verfilmung dieses Stoffes sollte man in unserer schnelllebigen Zeit eigentlich ein Update dieser Themen verlangen, zumal Dave Eggers auch als Koautor des Drehbuchs fungiert. Tatsächlich ist „The Circle“ von James Ponsoldt eher ein Rückschritt. Zum einen, weil der Film die düstere Geschichte in ein maues Happyend umbiegt: Die Firmenbosse werden von der emotional angeschlagenen Mae (Emma Watson) öffentlich entlarvt und dürfen sich schnell noch ein „Jetzt sind wir am Arsch“ zuraunen, bevor dann offenbar alles gut wird. Damit ist die Verantwortung personalisiert, die Motivation der Bad Guys wird höchst schwammig auf pures Gewinnstreben reduziert.

Zum anderen kann der Film die Motivation Maes, die Firmenphilosophie ihres Arbeitgebers zunächst für die tollste Sache der Welt zu halten, nicht schlüssig darstellen. Verstehen könnte man vielleicht, wenn die neue Situation die junge Frau mit einer Wucht überrollen würde, der sie nichts entgegenzusetzen hätte. Doch der zähe Film fährt eine andere Strategie: Mae bekommt in jedem ­Moment ihres Lebens alle Zeit der Welt zum Überlegen. Und entscheidet sich dann stets für die dümmste aller Optionen. Da „The Circle“ dem Zuschauer die Dubiosität des Unternehmens („Wissen ist gut, alles wissen ist besser“) jedoch geradezu mit dem Holzhammer beibiegt, entsteht eine ständig wachsende Distanz zur Hauptfigur, die sich nicht auflösen lässt.
Spaß machen eigentlich nur die Auftritte von Tom Hanks als Firmenmitinhaber Eamon Bailey. Wenn er im legeren Pulli und mit Kaffeepott in der Hand vor seine begeisterten Angestellten tritt, um ihnen und der Welt mit lockeren Scherzen und vermeintlichem Sendungsbewusstsein eine neue Technologie zum angeblichen Wohl der Menschheit vorzustellen, glaubt man fast an eine Parodie von Steve Jobs und Co. Das ist jener Teil der Geschichte, in der „The Circle“ wirklich ganz nah dran ist an der Realität.

The Circle USA 2017, 110 Min., R: James Ponsoldt, D: Emma Watson, Tom Hanks, Bill Paxton, Ellar Coltrane, Start: 14.9.

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