Mafia-Thriller 

Noch einmal ein epischer Mafiafilm von Martin Scorsese: „The Irishman“ im Kino

In Scorseses Amerika ist alles und jeder käuflich. Und falls nicht: Bei ungeklärten Todesfällen fragen sie bitte ihren Mafia-Killer von nebenan

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Hallo, hier ist der Film-Seniorentreff! Martin Scorsese (77) und seine Cutterin Thelma Schoonmaker (79) haben sich mit Robert De Niro (76), Al Pacino (79), Joe Pesci (76) und Harvey Keitel (80) zusammengetan, um noch einmal das zu produzieren, was man mit den Namen dieser Herrschaften sowieso als Erstes verbindet: den großen Mafiafilm, der Antwort gibt auf letzte Fragen. Und ohne jetzt etwas vorwegzunehmen, die Antwort lautet: Die Mafia war’s. Denn in Scorseses Amerika ist alles und jeder käuflich. Und falls nicht: Bei ungeklärten Todesfällen fragen sie bitte ihren Mafia-Killer von nebenan.

Wie etwa Frank „The Irishman“ Sheehan (Robert De Niro). Der sitzt inzwischen im Pflegeheim und erzählt uns seine Geschichte: Wie er in den 50er-Jahren vom schlitzohrigen Lastwagenfahrer in den Rängen der Mafia immer weiter aufstieg, bis er zur rechten Hand des kriminellen Gewerkschaftsbosses Jimmy Hoffa (Al Pacino) avancierte. Jener verschwand im wahren Leben 1975 spurlos. Hier kann allerdings von spurlos keine Rede sein, denn mit Geheimniskrämerei hat es „The Irishman“ nicht so. Die Wunder elliptischen Erzählens bleiben Scorsese weitgehend fremd. Weshalb sich in dieser epischen Neuauflage von „Good Fellas“ nicht nur bei Frank gewisse Ermüdungserscheinungen zeigen. Interessanter wird es dann gegen Ende: Dann spielen die Mafiosi im Gefängnishof Boccia. Und denken angesichts des nahenden Lebensendes über Reue, Vergebung und die Beziehung zu ihrer Familie nach. Alles sehr katholisch. Und offenbar das, was Scorsese jetzt im Alter bewegt.

The Irishman USA 2019, 210 Min., R: Martin Scorsese, D: Robert De Niro, Al Pacino, Joe Pesci, Harvey Keitel, Start: 14.11.