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Schritt für Schritt: Wie ihr einen Therapieplatz in Berlin findet

Die Dinge anzupacken ist schwer, vor allem, wenn man psychisch krank ist oder sich so fühlt. Wenn die Frage im Raum steht, welchen Sinn das Aufstehen oder Duschen ergibt, ist die Suche nach einem Therapieplatz ungleich schwerer. Die vielen Schritte, Telefonate und bürokratischen Hürden stellen für die meisten eine große Überwindung dar. Wir haben eine Liste für euch zusammengestellt, die euch zur Seite steht und die Suche vereinfacht. Wie findet man eine/n Therapeut*in? Was gilt es zu beachten?

Wissenswertes & Erste Schritte: Wie fängt man an?

Googelt man Therapieplätze in Berlin, wird einem angezeigt, es gäbe über 1500 Therapeut*innen in der Hauptstadt – von denen nur wenige freie Therapieplätze haben. Es gibt niedergelassene Psychotherapeut*innen und private Psychotherapeut*innen. Erstere haben einen Kassensitz, sodass die Behandlung für gesetzliche Versicherte über die Krankenkasse abgerechnet wird und ihr für diese nicht selbst aufkommen müsst.

Der erste Ruck ist vielleicht am Schwersten. Vom eigenen Sofa zum Therapiesofa in fünf Schritten. Foto: Imago Images/agefotostock

Bei privaten Psychotherapiepraxen müsst ihr selbst für die Kosten der Behandlung aufkommen, hier gibt es jedoch Ausnahmen, sofern ihr nachweisen könnt, keinen Therapieplatz bei eine*r/m Therapeut*in mit Kassensitz gefunden zu haben (hierzu Schritt 5). Der erste Schritt zur Therapie ist die Vereinbarung einer psychotherapeutischen Sprechstunde. Im Folgenden werdet ihr durch die Schritte bis zum Therapieplatz geleitet – die hier aufgelisteten Websites vereinfachen euch die Suche.

1. Schritt: Die psychotherapeutische Sprechstunde

Die psychotherapeutische Sprechstunde (PT) ist obligatorisch, ihr benötigt keine Überweisung. Die PT ist ein Erstgespräch zwischen Patient*in und Psychotherapeut*in, das zunächst abklärt, ob eine sogenannte seelische Erkrankung (z. B. Depression) vorliegt. Anschließend werden die nächsten organisatorischen Schritte geklärt, eine vorläufige Diagnose gestellt und eine Empfehlung über das Therapieverfahren gegeben (gewöhnlich Verhaltenstherapie, Tiefenpsychologie oder Psychoanalyse). Ihr müsst also nicht selbst entscheiden, welche Therapieform ihr wählen wollt.

Die anfängliche Suche wirkt schnell erschlagend. Wenn ihr euch nicht mehrere Stunden durch die Therapiepraxen telefonieren und auf Anrufbeantworter sprechen wollt, lohnt es sich, die Suche nach einem Therapieplatz über vermittelnde Institutionen anzugehen, die euch bei den ersten Schritten helfen und euch an die Hand nehmen.

Grauer Himmel, grauer Gefühlsschleier. Schritt für Schritt zum Therapiepatz. Foto; Imago images/agefotostock

Wichtig: Die PT könnt ihr bei x-beliebigen Therapeut*innen machen, auch wenn diese keine freien Therapieplätze haben, denn Therapeut*innen sind offiziell dazu verpflichtet, PT’s anzubieten. Ihr könnt mehrere PT’s in verschiedenen Praxen vereinbaren und euch auf Wartelisten für einen Therapieplatz setzen lassen. Im besten Fall ergattert ihr so bereits einen Therapieplatz ohne allzu lange Wartezeit.

  • Kassenärztliche Vereinigung (KV) Die Terminservicestelle unterstützt euch dabei, einen schnellen Termin für einen Ersttermin bei eine*r/m Psychotherapeut*in zu bekommen, um eine psychotherapeutische Sprechstunde zu vereinbaren. Dies ist telefonisch, per Kontaktformular oder per Online-Terminvereinbarung möglich. Die Online-Terminvereinbarung listet euch übersichtlich freie Termine für psychotherapeutische Sprechstunden bei Therapeut*innen auf (Datum & Uhrzeit). Tel. 11 61 17, mehr Infos online oder über das Merkblatt der Terminservicestelle. Die KV vermittelt ebenfalls psychotherapeutische Akutbehandlungen. Wichtig: Die angeführten, freien PT-Termine sind nicht gleichbedeutend mit einem freien Therapieplatz. Hierfür gibt es möglicherweise Wartelisten.
  • Berliner Institut für Psychotherapie und Psychoanalyse (BIPP) Die Ambulanz- und Vermittlungsstelle BIPP bietet psychologische Vermittlungsgespräche an, die in der Regel per Videosprechstunde stattfinden. Ihr werdet von Psychotherapeut*innen beraten, die euch eine diagnostische Einschätzung geben und Behandlungsmethoden vorschlagen. BIPP vermittelt intern und extern an behandelnde Psychoanalytiker*innen und analytische Psychotherapeut*innen. Bei Bedarf an Verhaltenstherapie erhaltet ihr die Kontaktdaten der Institutionen, die diese Therapieform anbieten. Vermittlungstermine vereinbaren: Tel. 030/21 47 46 78, Mo-Do 9.30-11.30 Uhr oder per Mail, mehr Infos online.

2. Schritt: Therapeut*innensuche

Wenn ihr bei einer psychotherapeutischen Sprechstunde wart, bekommt ihr ein Formular mit dem kryptischen Namen PTV11. In diesem wird durch den/die Therapeut*in das Datum der Sprechstunde vermerkt, eine Verdachtsdiagnose gestellt und Maßnahmen zum weiteren Vorgehen notiert. Es wird ebenfalls festgelegt, ob eine Therapie in der Praxis, in der die PT stattgefunden hat, möglich ist. Sollte es aufgrund von langen Wartelisten keine Möglichkeit zur Therapie geben, habt ihr den ersten Schritt dennoch bewältigt und könnt euch auf die Suche nach freien Therapieplätzen in anderen Praxen begeben.

Die Suche nach einem freien Therapieplatz kann auch erstmal aus dem eigenen Bett vorgenommen werden. Foto: Imago Images/Panthermedia

Hier findet ihr übersichtliche Website, die Therapeut*innen-Suchmaschinen auflistet. Wichtig: Die hier gelisteten Suchmaschinen bieten eine Übersicht aller jeweils registrierten Therapeut*innen, ihr könnt nicht nach freien Therapieplätzen suchen. Also anrufen, auf den Anrufbeantworter quatschen und nicht aufgeben. Irgendjemand wird einen freien Platz haben und euch zurückrufen. Schildert beim Anruf kurz euer Anliegen und hinterlasst Namen und Telefonnummer.

  • Psychotherapeutenkammer Berlin Die Website Psych-Info listet übersichtlich Berliner Therapeut*innen. Ihr könnt über eine interaktive Karte innerhalb eures Bezirks nach Therapeut*innen suchen oder eure Suche berlinweit ausdehnen. Ihr habt verschiedene Filteroptionen, z. B. Sprachen und Methoden. Vorab könnt ihr das Service- und Beratungstelefon der Psychotherapeutenkammer nutzen. Tel. 030/88 71 40 20, Di 14-17 Uhr & Do 10-13 Uhr.
  • Kassenärztliche Vereinigung Die KV bietet ebenfalls die Option einer übersichtlichen Online-Praxissuche. Auch hier könnt ihr Praxen in eurer Nähe finden oder berlinweit suchen.
  • Psychotherapie-Informationsdienst (PID) Über die Therapeutensuche könnt ihr alle beim PID registrierten Therapeut*innen einsehen und anschließend kontaktieren. Es gibt ebenfalls die Möglichkeit einer telefonischen Beratung. Tel. 030/209 166 330, Mo & Di 10-13, 16-19 Uhr, Mi & Do 16-19 Uhr oder ihr schreibt eine Mail.
  • Deutsche Psychotherapeuten Vereinigung (DPtV) Möglichkeit der gut filterbaren und übersichtlichen Therapeutensuche.
  • therapie.de Über therapie.de lassen sich Therapeut*innen direkt anschreiben (Anrufen ist aber besser), ihr erhaltet außerdem ausführliche Informationen zum Profil des/der jeweiligen Therapeut*in.

3. Schritt: Probatorische Sitzungen

Fast geschafft. Vor Beginn einer Therapie finden Probesitzungen statt, sogenannte probatorische Sitzungen. Diese dienen in erster Linie dazu, die zwischenmenschliche Beziehung zwischen Patient*in und Therapeut*in auszuloten und festzustellen, ob eine vertrauensvolle Beziehung aufgebaut werden kann. Außerdem wird die Vorgehensweise, die Therapieziele, der Behandlungsplan und die voraussichtliche Therapiedauer besprochen.

Die ersten Sitzungen dienen zunächst dem gegenseitigen Kennenlernen. Foto: Imago Images/Ikon Images

Wenn ihr vielen Therapeut*innen auf den Anrufbeantworter gesprochen habt und sich mehr als eine Person zurückmeldet, ist das super. So habt ihr die Möglichkeit mehrere Therapeut*innen kennenzulernen und eure bestmögliche Wahl zu treffen. Ihr dürft bis zu vier probatorische Sitzungen pro Therapeut*in besuchen, bevor ihr euch festlegt.

4. Schritt: Therapie beantragen & Konsiliarbericht ausstellen lassen

Im Anschluss an die probatorischen Sitzungen, stellt ihr einen Antrag auf Kostenübernahme bei eurer Krankenkasse, dieser wird geprüft und fast immer genehmigt. Parallel dazu könnt ihr euch von eurer/eurem Hausarzt*in einen Konsiliarbericht ausstellen lassen. Dieser dient dazu medizinische Ursachen eurer Beschwerden auszuschließen und zu notieren, dass aus medizinischer Sicht nichts gegen eine psychotherapeutische Behandlung spricht. Nach Eingang und Prüfung der Anträge kann die Therapie beginnen.

5. Schritt: Kostenübernahme/Privatpraxen

Wenn ihr bei eurer Suche nach Therapeut*innen mit Kassensitz erfolglos wart, da keine freien Therapieplätzen zu vergeben sind, könnt ihr bei Privatpraxen anfragen, die meistens mehr Kapazitäten haben. Um die Therapie nicht aus eigener Tasche bezahlen zu müssen, könnt ihr einen Antrag auf Kostenübernahme stellen. Jede Psychotherapie ist bei allen gesetzlichen Krankenkassen eine versicherte Leistung, auf die psychisch Erkrankte einen Anspruch haben. Wenn ihr wegen zu langer Wartezeiten trotz dringenden Bedarfs keinen Therapieplatz bekommt, ist eure Krankenkasse dazu verpflichtet die Privatpraxiskosten zu übernehmen. Hierfür muss ein Nachweis mehrerer Absagen von Therapeut*innen mit Kassensitz erbracht werden.

Wie man als Freund*in oder Angehörige helfen kann

Die Suche nach einem Therapieplatz ist nervig. Vielen psychisch Erkrankten fehlt die Kraft zum Einleiten der erforderlichen Schritte. Alle nahestehenden Personen mit stabilerem Gemüt sollten also unterstützend zur Seite stehen und die Organisation übernehmen, wenn Betroffene Hilfe benötigen. Außerdem helfen Respekt, Akzeptanz und Unterstützung sehr viel mehr, als die ständige Frage, was denn los sei. Nicht jede Traurigkeit hat einen benennbaren Grund oder lässt sich wegschlafen.


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In Notlagen und bei akuten seelischen Beschwerden solltet ihr euch beim Berliner Krisendienst melden. (24h/Tag, kostenlos, Tel. 030/390 63 80) Dieser kann auch von Angehörigen genutzt werden, die sich Sorgen um Menschen in Krisensituationen machen. Außerdem gibt es zahlreiche weitere Berliner Anlaufstellen bei Krisen jeder Art sowie Tipps zum Umgang mit Einsamkeit.