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Thomas Schildhauer über das Weiterbildungs-Konzept „Heldenprinzip“ der UdK

Mit dem "Heldenprinzip" startet die Universität der Künste Berlin eine neu entwickelte Weiterbildung. Thomas Schildhauer vom Career College der UdK über mythische Wege, Bedenken und Entscheidungen

Visuelles_Protokoll_Heldenprinzip_Workshop_Foto_Sergej_HorovitzSie schicken Ihre Kursteilnehmer auf eine Heldenreise. Wie sieht das genau aus?
Vor drei Jahren haben wir an der UdK ein Forschungsprojekt gestartet, bei dem die Erfahrungen der darstellenden Künste mit dem antiken Heldenprinzip und die heutige Innovationsforschung zusammengehen sollten. Uns war aufgefallen, dass Innovationen, gerade bei mittelständischen Unternehmen, oft etwas mit Heldentum, Abenteuer und Risiko zu tun haben. Und großem Gewinn, falls die Heldenreise gelingt. Wir haben daraus ein dreistufiges Weiterbildungsmodell entwickelt.

Das klingt nicht nur antik, sondern auch mythisch.
Ja. Wir versuchen genau diesen mythischen Weg, den wir alle aus Geschichten kennen, zu übertragen auf einen für Unterneh­­­­men nachvollziehbaren Prozess. Eine Person macht sich auf den Weg, steht vor großen Schwierigkeiten, löst diese, kommt mit etwas Neuem zurück und muss dies dann im Unternehmen verteidigen.

Wie läuft das ab? Sie schicken ja wohl niemanden zum Drachentöten?
Im übertragenen Sinne schon. Dieser Ruf nach einem Drachenbesieger kann in einem Unternehmen der Ruf nach etwas Neuem sein. Etwa nach einem neuen Produkt. Nun fühlt sich der Held berufen, sich diesem Drachen zu stellen, also für sein Unternehmen innovative Lösungen zu finden. Er sucht nach Mitstreitern wie Mentoren im eigenen Unternehmen. Ein Selbstständiger könnte auch nach einer finanzierenden Bank für sein Projekt suchen. Das ist die erste Stufe.

Was passiert dann?
Nachdem sich der Held – oder die Heldin – bereit erklärt hat und Unterstützer um sich geschart hat, bricht er auf ins Land des Abenteuers, wo zuvor noch niemand aus dem Unternehmen war. Und damit steht er natürlich wieder vor Schwierigkeiten. Das ist die zweite Stufe unseres Heldenprinzips.

Thomas_Schildhauer_Foto_Matthias_FischerWelche Schwierigkeiten sind das?
Eigene Bedenken und die Bedenken des Unternehmens. Denn natürlich spielen auch die finanziellen Ressourcen des Auftraggebers eine große Rolle. Zum Beispiel könnte jetzt alles viel teurer werden als gedacht, man muss also während des Weges nach Lösungen suchen. Oder es gibt Probleme mit dem Patentschutz für ein neues Produkt. Helden müssen viele Fragen lösen, befinden sich also lange im Ungewissen.

Wie können Sie Ihren Helden dabei helfen?
Als Erstes muss die Heldin oder der Held mit den Bedenken fertigwerden. Wir geben unseren Teilnehmenden dafür Instrumente an die Hand, um zum Beispiel mit speziellen gestalterischen Methoden behindernde und fördernde Strukturen erkennbar zu machen.

Und wenn die Finanzierung geklärt oder das Patent angemeldet ist?
Im Idealfall gelingt es dann, ein sogenanntes „Elixier“ zu gewinnen. Das heißt, die Heldin oder der Held erlegt den Drachen und bringt eine „Drachenschuppe“, also zum Beispiel ein neues Produkt mit zurück.

Und wird dann daheim gefeiert?
Nicht unbedingt. Dann kommt das vielleicht Schwierigste an der Sache. Es geht zurück ins richtige Leben, und da können in der Zwischenzeit ganz andere Dinge wichtig geworden sein. Auch im eigenen Unternehmen wird man kämpfen müssen für seine Erkenntnisse. Das ist die dritte Stufe unseres Heldenprinzips.

Richtet sich Ihr Kurs konkret an Führungskräfte?
Nicht nur. Diese zertifizierte Weiterbildung ist auch für Trainer und Berater gedacht, die das Heldenprinzip erlernen und in ihrer beruflichen Praxis anwenden wollen. Wir richten uns damit an Personalchefs und Personalentwickler ebenso wie an selbstständige Trainer und Coaches.

Haben Sie nach der neuen Methode bereits mit Unternehmen zusammengearbeitet?
Ja. Wir haben während der Forschungsphase mit Unternehmen wie Modulor, Hotelsys und Akzon zusammengearbeitet. Aus diesen Erkenntnissen haben wir dann die Heldenprinzip-Weiterbildung entwickelt und bieten sie jetzt das erste Mal an.

Wie lange dauert diese Heldenschulung?
Es sind im Basis- und Aufbaukurs insgesamt 27 Tage mit über 120 Unterrichtseinheiten.

Ganz umsonst ist die Heldenwerdung nicht, gelinde gesagt. Übernehmen die Unternehmen die Kosten für ihre Mitarbeiter?
Auch. Aber auch wer als Selbstständiger kommt, zum Beispiel als Unternehmensberater, wird aus diesen Kursen viel mitnehmen für seine tägliche Praxis. Das kann sich schnell amortisieren.

Interview: Iris Braun

Foto: Sergej Horovitz (oben), Matthias Fischer

Heldenprinzip – Kompass für Innovation und Wandel Weiterbildung am UdK Berlin Career College, der Basiskurs beginnt am 30.5., Anmeldungen bis 30.4. unter: kontakt@heldenprinzip.de, Infos: www.innovation-heldenprinzip.de

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