Dark Folk

Timber Timbre im Huxleys

Befreiungsschlag: Auf ihrem sechsten Album betreten Montreals Timber Timbre Neuland

Zuletzt hatten Timber Timbre einhellig Lob und Bewunderung geerntet. Für den schwarzen Folk ihres Albums „Hot Dreams“ wurde die Band 2014 für den renommierten kanadischen Juno-Award nominiert, das Publikum war gewachsen. Das Klangbild des Trios um Crooner Taylor Kirk war an einem Reifepunkt angelangt, das Album so kohärent wie ein dicht komponierter Neowestern für die große Leinwand. So hätte alles bleiben können – doch im Nachgang des kleinen großen Albums erlebte Songschreiber Kirk eine persönliche Krise, von einem „Bruch in meiner Beziehung zur Musik“ sprach er in Interviews.
Der Drang, sich selbst künstlerisch auf den Prüfstand zu stellen, führte zu einer Band-Exkursion nach Frankreich. Dort nistete sich das Trio im verwunschenen „La Frette“-Studio nahe Paris ein, einem alten Schloss voller betagter Instrumente. Die Distanz zur Heimat Montreal und die Vielfalt an kurioser Elektronika führte zu Songs, die etwas von dem inneren Aufruhr erzählen, der die Band erfasst hatte. „Sincerely, Future Pollution“, heißt das Album, auf dem betagte Drum-Maschinen und Synthesizer aus den Siebzigern ungewohnte Klangfarben ins Spiel bringen. Teils implodieren Songs in psychedelische Wachträume, während Kirks Stimme so nah wie noch nie klingt. Für eine Band, von der man glaubte, sie habe sich in ihrer nostalgisch getränkten Folkpalette längst bestens eingerichtet, markiert das Album einen radikalen Schnitt. Es dürfte genau der Befreiungsmoment sein, den Kirk für seine Band gesucht hat.

Huxleys Hasenheide 107, Neukölln, Di 11.4., 20 Uhr, VVK 27 €