so war es bei tip backstage präsentiert von mastercard priceless berlin

tip Backstage im Atelier der Hutmacherin Rike Feurstein

Die Berliner Modistin hat uns in die Geheimnisse des Hutmachens eingeweiht bei tip-Backstage präsentiert von Mastercard Priceless Berlin im Oktober

Gut, dass sie die Juristerei irgendwann langweilig fand und sich auf die Familientradition besann. Ihr Großvater hatte eine Textilmanufaktur. Und weil sie Hüte faszinierten, beschloss Rike Feurstein, das Handwerk des Hutmachens zu erlernen.

New York und London waren die Stationen, wo sie alle nötigen Fähigkeiten erwarb, um in Berlin einen eigenen Laden aufzumachen. Alle Hüte, Kappen und Mützen, die man in dem extrem charmanten Laden sieht, hat sie selber entworfen. Alle sind handgemacht, viele davon fertigt sie selber, aber es gibt auch einen Stab von bis zu zehn Mitarbeiterinnen, die in Stoßzeiten mithelfen. Dann, wenn Rike Feursteins Kollektion ausgeliefert wird, beispielsweis ans KaDeWe aber auch an Geschäfte in Paris und  New York.

Bilder

Für ihre Mützen, erzählt Rike Feurstein, hat sie einen eigenen Häkelstich erfunden, der locker für Schals und fest für Kopfbedeckungen gearbeitet werden kann. Wie Skulpturen wirken ihre Stirnbänder, Kappen und Mützen durch den festen Stich. Und es war tatsächlich auch das Skulpturale, das sie zur Hutmacherei gebracht hat. Dabei ist sie eine Meisterin der Reduktion. Am deutlichsten wird das bei einer Kappe, mit der sie 2013 den RedDot  Design Award ausgezeichnet wurde. In dem minimalistischen Design und der ganz präzisen Linienführung erinnert diese ans die Ästhetik des Bauhaus. Und an japanische Maßstäbe von Manufakturarbeit.

„Der Hut ist ein wunderbares Accessoire, denn er verändert die Aussage der Gesamterscheinung, viel mehr als jede Tasche“,  erklärt Rike Feurstein. Und man kann durchaus sagen, dass jeder ihrer Hüte ein Statement ist. Auch wenn ihre Designs durchweg minimalistisch sind, sind die Farben ihrer monochromen Entwürfe oft stark: leuchtendes Blau, Signalrot, Türkis, Orange.

Und bei der Wolle legt Rike Feuerstein größten Wert auf Qualität. So sehr, dass sie seit ein paar Jahren sogar eine eigene Schafherde hat. Nicht irgendeine Rasse, sondern die vom Aussterben bedrohten Rotkopfschafe – ca. 150 Tiere gibt es noch in Deutschland, sie hat 80 davon. Und in diesem Jahr wurden 17 Lämmer geboren. Die aus den Pyrenäen stammenden Rotkopfschafe sind für ihre besonders feine Wolle berühmt. Doch viel Wolle ist es nicht, die man von ihnen bekommen, ein Kilo pro Jahr. Bewundernswert, wie Rike Feurstein sich in die unterschiedlichsten Metiers hereinarbeiten kann. Von der Schafzucht spricht sie mit gleicher Faszination und Sachkenntnis wie von der Hutmacherei.

Und so führt sie uns mit Enthusiasmus an ihrer Werkbank vor, wie der Filz-Stumpen (eine Art formloser Hotzenplotz-Hut aus gefilzter Wolle) zunächst mit Wasserdampf feucht und heiß gemacht wird, um danach mit einer Kombination von Kraft und Feingefühl über die Holzform gezogen, in Form gedrückt und mit vielen kleinen Nägeln fixiert werden. Wenn man sieht, wie kompliziert das Handwerk ist, wie viel Erfahrung, Wissen und Talent dafür notwendig ist, staunt man schon, dass Rike Feurstein ihre Hüte schon ab 160 Euro anbieten kann. Und weiß sie noch viel mehr Wert zu schätzen.

Text: Stefanie Dörre
Fotos: Lena Ganssmann

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