So war es bei Bar Time präsentiert von Mastercard Priceless Berlin

Bar Time entlang des Kurfürstendamms

Manche trinken, so sagt man, um zu vergessen. Aber wir trinken lieber, um uns zu erinnern. Wobei das nun auch die falsche Fährte wäre. Denn diese Bar Time präsentiert von Mastercard Priceless Berlin führte zwar mitten hindurch durch den Alten Westen, durch diese historische und mithin charmant melancholische Nachbarschaft. Geschmeckt aber hat dieser Abend doch sehr kontemporär. Was schon bei Viniculture begann, bekannt als Berlins profundeste Naturweinadresse. Diesmal aber ging es nicht um Wein, sondern um die Wurzel jeder hervorragenden Cocktailkultur: handwerkliche Spirituosen. Vorweg ein Wermut, der Merwut heißt und von Stefan Dorst in der Pfalz gemacht wird. Wobei der Destilleur hier auch der Winzer ist. Danach zwei Kornbrände zum fränkischen Speck. Korn? Tatsächlich hat sich Holger Schwarz von Viniculture mit dem Berliner Freimeisterkollektiv und etwa der traditionsreichen Brennerei Sasse aus dem Münsterland zusammengetan, um zu zeigen, dass ein im Fass gereifter deutscher Brand herrlich ehrlich und gleichzeitig sehr tief und raffiniert schmecken kann. Eine Erkenntnis für jene, die Korn nur als Bückware an der Supermarktkasse kannten.

Danach und zu Tisch in einer Legende: Dem Bristol am Kurfürstendamm, Berlins dienstältestem Grillrestaurant. Nicht ganz so lange aber auch schon ewig ist Dirk Hoffmann dort Mâitre. Und erzählte, während er am Tisch die Zwiebeln zum Fleischspieß flambierte, Geschichten einer Restaurantinstitution. Heinz Rühmann? Ein Grantler. Pierre Brice und Mario Adorf Seele von Menschen. Und die Knef hatte immer die Suite, was Curt Jürgens des öfteren erzürnen sollte und dem Hotel dem Spitznamen „Knefinski“ bescherte. Geschichten von früher? Nicht, wenn sie so charmant gegenwärtig aufgetischt werden.

Die Bar am Steinplatz wiederum steht so sehr im Hier und Jetzt, dass sie – ein Novum – gleich zweimal zur Hotelbar des Jahres gekürt worden ist. Und das immer auch für ihre so klaren wie kühnen Konzepte. Etwa die Idee, die Trendspirituose Gin aus der Bar zu verbannen. Stattdessen gibt es holländischen Genever und westfälischen Doppelwachholder. Zudem sehen alle Drinks in der Bar am Steinplatz exakt genauso aus: Glasklar und unprätentiös, keine Zierkirsche, kein Flamingo, kein Kitsch. Der Gast soll wieder schmecken lernen, was derweil ganz undidaktisch und angenehm gesellig passiert. Wer es indes doch farbig mag im Glas: eine so gute, eigenständige Bierauswahl hat keine andere Cocktailbar der Stadt.

In der Bar Zentral, herrlich weltläufig und doch mitternachtsgemütlich eingepasst in die S-Bahnbögen am Bahnhof Zoo, gibt es nur ein Bier. Und dieses hervorragende Meckatzer wird nonchalant als Zwischenbier gereicht. Schließlich braucht es zum Mixen Muse. Und Gastgeber Torsten Bender normalerweise keiner, der größere Gruppen bedient. Dass wir an diesem Abend nicht als solche auffallen, ist ein Kompliment, das ich an alle Teilnehmer*innen dieser Bar Time präsentiert von Mastercard Priceless weitergeben darf.

Text: Clemens Niedenthal

Fotos: Kasper Jensen

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