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So war es bei tip Backstage präsentiert von Mastercard Priceless Berlin

„Das Ganze lässt mich nicht los“ – Ulli Wegner

Bei der tip-Backstage-Tour präsentiert von Mastercard Priceless Berlin hinter die Kulissen des Sauerland-Boxstalls im Max-Schmeling-Gym erleben die Besucher mit Ulli Wegner eine gleichermaßen unermüdliche, wie emotionale Trainer-Legende

Mit hinter den erhobenen Unterarmen und Fäusten leicht gesenkten Köpfen tänzeln Leon Bunn, 26, und einer seiner beiden heutigen Sparringpartner, ein Armenier, im Boxring des Max-Schmeling-Gyms von Angesicht zu Angesicht. „Tschumm-tschumm-tschumm!“, zischt Bunn leise, als er eine Salve an Haken und Geraden loslässt. „Go-go-go!“ raunt es zwischen den mundschutzbewehrten Zähnen des Trainingspartners hervor, der einen kurzen Moment der Unaufmerksamkeit Bunns nutzt, um ebenfalls ein paar Treffer zu landen. Es ist definitiv kein „Fallobst“ mit dem sich Bunn, immerhin Deutscher Meister im Halbschwergewicht, in Berlin bei seinem Trainer Ulli Wegner auf den Kampf gegen seinen Vornamensvetter Leon Harth Anfang Mai in Frankfurt am Main vorbereitet.

Die Teilnehmer der tip-Backstage-Tour hinter die Kulissen des berühmten Sauerland-Boxstalls schauen dem aufstrebenden Profiboxer bei seinem Training zu. Sie sitzen nur etwa eineinhalb Meter von den Ringseilen entfernt und können jede Finte, jeden Clinch – und jeden Schweißtropfen – detailgenau aus einer VIP-Nähe erkennen, für die man bei dem Profi-Box-Abend im Mai sonst über 200 Euro berappen muss.

Doch es ist auch nicht Leon Bunn, der sie in das Boxzentrum des Olympiaparks gelockt hat. Vielmehr wollten sie einer Legende begegnen: dem Meistermacher Ulli Wegner, dem Trainer, der Box-Stars wie Sven Ottke, Oktay Urkal, Markus Bayer oder Arthur Abraham zu ihren Siegen verholfen hat. Und Wegner, bald 77, hat immer noch gut zu tun: „Lass‘ Dir was einfallen“, fordert er seinen Schützling in einer Rundenpause flüsternd auf.

Für seine Besucher hat Ulli Wegner während des Sparrings natürlich keine Zeit. Dazu beobachtet er „seine“ Boxer von der Ring-Ecke aus viel zu genau: Wo ist die Deckung noch zu schwach, wo die Koordination verbesserungswürdig? Wegner trainiert mit den Athleten punktgenau zum Kampftermin hin. Wie das geht, das erklärt den tip-Backstage-Besuchern in den Rundenpausen immer wieder Andreas Lorenz, Boxexperte, Journalist und Autor der Wegner-Biografie „Mein Leben in 13 Runden“.

Andreas Lorenz ist es auch, der nach dem Training das Gespräch mit dem unermüdlichen Coach moderiert. Ulli Wegner, das wird schnell klar, ist eine echte Type. „Herz mit Schnauze“ würde der Berliner sagen. Frei von der Leber weg erzählt der Trainer auch von den weniger glamourösen Zeiten in seinem Werdegang. Der Fall der Mauer, die Wende, sei da so ein Knackpunkt gewesen: Als das im Osten erlangte Wissen und Expertentum im wiedervereinigten Deutschland plötzlich nichts mehr gelten sollte. „Ich war auch mal arbeitslos“, gibt Wegner unumwunden zu.

Um so wichtiger ist es ihm, das betont er, die Boxer, seltener Boxerinnen, nicht nur als Sportler und Sportlerinnen, sondern auch als Menschen wahr zu nehmen. Vor allem die ganz Jungen kämen oft mit hochfliegenden Träumen. Denen müsse er immer mal wieder beibiegen, dass eine Karriere Zeit brauche, viel Training – und den disziplinierten Lebenswandel von Spitzensportlern. Das große Geld locke nach dem Abflauen des letzten Box-Booms derzeit zwar weniger. An tollen Talenten aber mangele es nicht. Die möchte er weiterhin fördern. „Das Ganze lässt mich nicht los“, bekennt Wegner. Die Tour-Teilnehmer nicken mitfühlend. Und lassen sich zum Ende des Gesprächs die Wegner-Biografie, die sie als „Goodie“ mitbekommen haben, vom Meistermacher höchstpersönlich signieren.

Text: Eva Apraku
Fotos: Lena Ganssmann

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