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So war es bei tip Backstage präsentiert von Mastercard Priceless Berlin

Hinter den Kulissen der Königlichen Porzellanmanufaktur

Zum Auftakt der Tour durch die Königliche Porzellan-Manufaktur Berlin begrüßte KPM-Geschäftsführerin Martina Hacker die Gäste vor dem hauseigenen Café. Diese trauten für einen Moment ihren Augen nicht: Hielt die Leiterin des seit 1751 in Berlin existierenden Traditionsunternehmens tatsächlich einen profanen Coffee-To-Go-Becher in der Hand? Natürlich nicht! Denn statt des liederlichen Wegwerfproduktes handelte es sich um ein erlesenes Double: den erst 2018 bei KPM kreierten To-Go-Becher aus feinstem, geschmacksneutralen Porzellan. Verschließbar mit einem thermoplastischen Deckel.

Was hätte wohl der Alte Fritz zu dem hippen Statement-Becher gesagt, fragte man sich beim Betreten des hauseigenen Porzellanmuseums für einen Moment? Dort begegnet den Besuchern Friedrich II als Porzellanbüste oder Portrait Gemälde nicht nur in mehrfacher Ausführung. Claudia Tetzlaff, die Leiterin der Ausbildungsmalerei und nun Führerin sowohl durch die Ausstellung als auch, später, durch die Porzellanmalereiwerkstätten, berichtet auch, wie es dazu kam, dass der preußische König die Manufaktur 1763 kaufte. Und wie detailreich er größten Wert auf ein perfektes Interieur legte: Die Farben und Formen der von dem Regenten bei seiner eigenen Manufaktur bestellten Vasen oder Geschirrs hatten mit den Farben und Formen der jeweiligen Raumausstattung zu korrespondierten.

Über die in den Vitrinen ausgestellten Tischfiguren, Porzellanschalen oder Kaffeetassen entfaltete Claudia Tetzlaff mit ihren Erläuterungen nicht nur eine Vorstellung von der Entwicklung der Formen und Dekore vom Rokoko bis zum Bauhaus-Stil. Gleichzeitig erfuhren die Gäste auch spannende Einzelheiten über gehobene, historische Tafelsitten, beispielsweise damalige Menüabfolgen. Nebst Informationen zu den dafür benötigten Porzellangefäßen.

Damals wie heute werden Porzellangefäße und -figuren bei der KPM immer noch per Töpferscheibe geformt beziehungsweise in Gipsformen gegossen. Wie aufwendig das ist, zeigte sich beim Gang durch die Manufakturabteilung „Masse, Dreherei, Gießerei“, die von dem Produktionsleiter Carsten Glitzky begleitet wurde. Stück für Stück, das konnten die Besucher bezeugen, entstehen hier in aufwendiger Arbeit Vasen, Tassen, Teller und Figuren. Einige davon, vor allem die Figuren, aber auch Gefäße zum Beispiel mit Henkeln, aus zusammengesetzten Teilen. Solange diese noch nicht gebrannt sind, müssen sie wie rohe Eier behandelt werden, da sonst Verformung – und der Ausschuss – droht.

Doch auch das Brennen ist ein kniffeliger Akt. Zwar müssen dafür nicht mehr Feuer angeheizt werden, wie einst in der historischen Ringkammerofenhalle, deren Besichtigung ebenfalls Teil der Führung war. Dennoch durchläuft das Porzellan von der Stapelung auf äußerst hitzefesten Regalen über den Verglühbrand bis hin zum Blautauchen, einer farbmarkierenden Qualitätskontrolle, dem Vorglasieren und dem zweiten Brand eine längere Prozedur. Womit das meiste Porzellan aber noch lange nicht die Endstufe seiner Bearbeitung erreicht hat.

Denn es ist insbesondere die Malereiwerkstatt, wo die Veredelung der KPM-Produkte stattfindet. Zusammen mit Claudia Tetzlaff durften die Gäste einigen Porzellanmaler*innen dabei zuschauen, wie sie erst Glasurgrundierungen, außerdem Details wie Goldränder und, mit am beeindruckendsten, Pinseltupfer für Pinselstrich florale Muster oder ganze Bildszenen frei Hand aufmalten. Bis Porzellanmaler*innen dieses fortgeschrittene Stadium ihres Berufes erreichten, so Claudia Tetzlaff, dauere es in der Regel zehn Jahre.

Fragen nach der Preisgestaltung für KPM-Porzellan erübrigten sich deshalb selbst beim anschließenden Get-together der Gäste mit ihren Gastgebern im KPM Café. Eher beherrschte ein Staunen die Stimmung: Dass so ein aufwendiges Kunsthandwerk, wie es in der Königlichen Porzellan Manufaktur realisiert wird, auch heute noch möglich ist. Und das mitten in Berlin.

Text: Eva Apraku
Fotos: Anthea Schaap

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