So war es beim Kiezgourmet präsentiert von Mastercard Priceless Berlin

Kiezgourmet entlang der Hermannstraße

Hätte ja auch keiner geglaubt, dass die Hermannstraße einmal zur Flaniermeile taugt. Aber dann wartet unsere Reisegruppe Kiezgourmet präsentiert von Mastercard Priceless Berlin an der Fußgängerampel neben dem Gebrauchthandyladen und es ist doch wieder alles beim Alten. Besser gesagt: Das Neben- und Durcheinander der im besten Sinne diversen Berliner Lebensentwürfe, dass wird hier zwischen Hermannstraße und Schillerkiez plastisch erfahrbar. Die Stadt als lebender, lebendiger Organismus. Apropos lebende Organismen, gerade steht Peter Duran vom Isla Coffee in seinem kleinen Gastgarten und erklärt interessierten Kiezgourmetgängern seine Kompostkiste. Im Isla Coffee wird nämlich nichts weggeschmissen.

Kreislaufwirtschaft nennt es sich, wenn aus der übrig gebliebenen Milch vom Cappuccino Ricotta gekäst wird und wenn auf dem Kaffeesatz Speisepilze wachsen. Für dieses Konzept hatte das Café Ecke Flughafenstraße im vergangenen Jahr den deutschen Gastropreis bekommen. An diesem Abend servieren Peter Duran und seine Köchin Sophia Hoffmann, die man auch als Bloggerin und Autorin veganer Kochbücher kennt, etwa Brotaufstriche, in die alles von der Pflanze kommt. Oder einen wunderbar scharf-frischen Radieschensalat und Bratkartoffeln mit Mangold. Fermentation oder Einwecken, auch die Konservierungstechniken aus Omas Küche, sind im Isla Coffee wieder en Vogue.

Und derart naturnah sollte es weitergehen. Nach einem kurzen Abendsonnenbad über dem Tempelhofer Feld. Palsta heißt die nordische Weinbar, die die Finnin Viivi Haussila-Seppo mit ihrem dänischen Küchenchef Filip Sondergaard im Schillerkiez führt. An diesem Abend hatten sie Besuch aus den finnischen Wäldern. Dort sammelt der Food-Aktivist Jirki allerlei Essbares und stellte es uns zum Teilen auf den Tisch. Ein im Ganzen gegarter Sellerie mit fermentiertem Apfel und geräucherter Buttermilch. Oder frittierter Zander auf Lauchpüree. Das Palsta, die Riviera von Neukölln, sei derweil auch allen empfohlen, die spontan einen richtig guten, fair ausgepreisten und süffg gekühlten Wein für einen Abend auf dem Tempelhofer Feld suchen. Lieblingsort.

Auf der anderen Seite der Herrmannstraße liegt derweil der Berliner Berg. Also die gleichnamige Mikrobrauerei. In einer Remise im Hinterhof wird ein Bier gebraucht, das für Berlin einmal sehr typisch war. Und dann sehr vergessen. Berliner Weiße, also richtige Berliner Weiße und nicht dieses Fruchtsirupzeugs. Dieses Bier mir einer geringen Stammwürze (daher auch der trinkfreudige Alkoholgehalt von rund 3 Promille) wird mit einer obergärigen Ale-Hefe und Lactobacillus-Bakterien vergoren. Ein fermentiertes Bier quasi, sommerlich-säuerlich-frisch. Im Bergschlösschen, der Brauereikneipe im Vorderhaus, gab es aber auch ein wunderbar süffiges Pils.

Zum Abschluss wurde es dann morbide. Aber nur ein kleines bisschen. Denn dass seit Anfang des Monats auch Abends geöffnete 21 Gramm auf dem St. Thomas-Kirchhof war mal eine Aussegnungshalle, wovon etwa die Bibelsprüche an den Wänden erzählen. So gut umgesetzt, weil gleichzeitig die Würde dieses sakralen Ortes bewahrend und dennoch ein ganz der Stadt zugewandte Atmosphäre schaffend, ist aber bis dato keines der Berliner Friedhofcafés. Ein würdiger Ort, um, nun ja, den Tag zu beenden.

Text: Clemens Niedenthal
Fotos: Lena Ganssmann

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