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so war es beim kiezgourmet präsentiert von mastercard priceless berlin

Kiezgourmet-Spezial: Craft Beer in Friedrichshain

Berlin war mal auf Bier gebaut, damals im ausgehenden 19. Jahrhundert. Gerade war der Prenzlauer Berg entstanden, ein neues, modernes Industriequartier, das seine Existenz einzig den Brauereien zu verdanken hatte. Willner, Engelhardt, Schultheiß oder Bötzow waren ihre Namen. Gebraut wurde nun zu zunehmend ein untergäriges Lager nach Pilsener Art, das länger haltbar und somit auch exportierbar war. Es sollte die obergärige Berliner Weiße, ein Sauerbier, ablösen. Berlin war die Stadt mit der höchsten Brauereidichte und auch der höchsten Kneipendichte der Welt.

Das mit der Kneipendichte scheint, mindestens in Friedrichshain, auch heute noch so zu sein. Das mit dem Bier auch. Zumindest hat sich eine junge, genauso radikal lokale wie selbstverständlich internationale Szene daran gemacht, dem handwerklichen Bier wieder eine Wertschätzung entgegen zu bringen. Friedrichshain ist ein Zentrum dieser lokalen Bewegung. Hier also trafen wir uns zu unserem Kiezgourmet Craft Beer Spezial präsentiert von Mastercard Priceless Berlin.

Den Anfang machte Hops & Barley, ein englischer Name für eine Brauereikneipe, die sich doch auch den klassischen deutschen Braustilen und der Berliner Nachbarschaft verpflichtet fühlt. Auf dem Teller: Schmalzstullen. Mit Schmalz, das zwei Jungs aus dem Kiez nach dem Rezept ihrer Großmutter machen. Und mit Brot, dass mit dem Treber, den Brauabfällen, gebacken wird. Philipp Brokamp hat Hops & Barley bereits 2008 gegründet. Mit einem Hellen im Glas führt uns sein Brauer Ben Owens durch den engen Gärkeller, in dem die Biere viel länger reifen dürfen als in einer modernen Industriebrauerei. Das perfekte Trinkalter: „Vier bis zwölf Wochen.“ Auch deshalb gibt es die Bier von Hops & Barley vor allem im eigenen Laden. So hat man eine bessere Kontrolle über die handwerkliche Qualität.

Wer die Entwicklung der Berliner Craft-Beer-Landschaft nachverfolgen möchte, sollte unseren Weg wählen. Vom Hops & Barley ein paar hundert Meter weiter ins 2015 eröffnete Straßenbräu. Auch hier wird, gleich hinter den bodentiefen Fenstern, tagsüber gebraut und abends getrunken. Die Bierstile aber fallen experimenteller und internationaler aus. Auch weil der Braumeister, ein Belgier mit Wurzeln im Weinbau, seine Liebe zu wilden Hefen und belgischen Sauerbieren eingebracht hat. Eine Kuriosität am Rande: Straßenbräu braut auch ein offizielles Klosterbier, das etwa in den Klöstern Chorin, Ziesar oder auch bei Manufactum verkauft wird. Das junge Unternehmen hatte sich in einer Blindverkostung durchgesetzt. Mit einem Bier, das nicht dem deutschen Reinheitsgebot entspricht. Auch wir trinken an diesem Abend wilde Sachen. „Homelsap“ etwa, ein Hafer-Weizen IPA, oder „Schokorange“. Oder „Solenya“, ein Sauerbier mit Gurke und Rauchmalz, das in der BBQ-Küche von „The Bird“ im Prenzlauer Berg geröstet worden ist.

Nach so viel Extravaganz: einfach mal ein ganz normales Bier. Handwerklich gebraut von Schalander auf dem RAW-Gelände, ebenfalls eine Friedrichshainer Mikrobrauerei.

Apropos RAW-Gelände: So langsam hatten wir Hunger. Und so kam das thailändische BBQ Khwan gelegen, das wir im Tip Magazin ja mal als „Fine Dining mit Fettfingern“ gefeiert hatten. Ein Street-Food-Lokal, dass es bereits in die Süddeutsche geschafft hatte, und in die New York Times. Es wurde ein vollmundiges Vergnügen, Schweinbauch und Hühnerflügel, angekohlte Aubergine mit wachsweichen Eiern, Gewürze, viel Gewürze, ein intensives Erlebnis und der Beweise, dass Thai-Küche mehr als nur Curry kann.

Wir hatten anfangs von der Internationalität der Berliner Craft-Beer-Landschaft gesprochen. Unser Kiezgourmet präsentiert von Mastercard Priceless Berlin endete dementsprechend an einem internationalen Ort: dem Protokoll Taproom in der Grünberger Straße, der auch ein Showroom der russischen Craft-Brauerei Zagovar ist. Gastgeber Vadim Kamkalow, Politikwissenschaftler, IT-Profi und nun Craft-Beer-Profi, erzählte mit viel Witz von den regionalen Eigenheiten eines globalen Getränks. Er ließ uns Hopfen schnuppern und beschloss den Abend angemessen: mit einem belgisch inspirierten Sauerbier, bei dem auf 3000 Liter 400 Kilo Himbeeren vergoren worden sind. Wer es indes traditioneller mag: Jetzt, zur Oktoberfestsaison, hängen auch rare Handwerksbiere aus Franken und Bayern an den 24 Hähnen der Protokoll Bierbar.

Text: Clemens Niedenthal
Fotos: Lena Ganssmann

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