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So war es beim Kiezgourmet präsentiert von Mastercard Priceless Berlin

Kiezgourmet Spezial in der Markthalle Neun

Wenn, irgendwo in Deutschland, derzeit von Berlin und vom Essen die Rede ist, so ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass diese Rede auf die Markthalle Neun kommen wird. Da ist das junge, internationale Berlin am Street Food Thursday. Oder die Bäuerinnen und Produzenten auf dem Wochenmarkt, deren regional-saisonale Erzeugnisse von einer neuen Stadt-Land-Beziehung erzählen und von einer ethischen Aufrichtigkeit gegenüber der Natur. Esse Gutes und rede darüber. Und dann steht das Philipp Reichelt, der Kaffeeröster vom Kaffee Neun, und sagt zunächst mal, dass wir alle viel zu viel Kaffee trinken. Also global betrachtet. Und dass dieser Kaffee einfach viel zu billig ist.

Das Kaffee Neun steht dabei exemplarisch für die Idee der Markthalle Neun im Kreuzberger Eisenbahnkiez, die vor acht Jahren aus einer Nachbarschaftsinitiative entstanden war. Die Berliner Großmarkt GmbH wollte einer ihrer defizitären Markthallen loswerden. Und die drei heutigen Betreiber hatten die Idee diese drei Dinge zusammenzubringen: die Lust auf gute, handwerkliche Lebensmittel, die Rahmenbedingungen für kleine, inhabergeführte Unternehmen und einen Ort, der für alle Berliner*innen zugänglich ist. So gibt es heute im Kaffee Neun eben ziemlich perfekt gerösteten Bohnen, für die die Kaffeebauern in Brasilien oder Kenia eben ein paar entscheidende Dollar mehr bekommen haben und der ganz bewusst nicht mehr in den Einwegbecher „to go“ gefüllt wird.

In der Halle dann erzählt der charismatische Matthias Becker – ein Quereinsteiger, wie so viele in dieser Branche –, warum weniger ganz unbedingt mehr sein kann. Seine Käsehandlung Alte Milch konzentriert sich auf wenige, engagiert kuratierte Rohmilchkäse. Das taugt als Erzählung und hilft kleinen Produzenten, die keine Marge an den Großhandel verlieren. Auch nebenan bei Menze Delikatessen gibt es nur direktimportierte Produkte, diesmal aus einer spezifischen Region, dem Bregenzer Wald.

So viel kosten macht durstig. Darauf ein Pale Ale von Johannes Heidenpeter, dem Markthallenbrauer aus dem Kellergeschoss. Seine Bar ist allerdings ebenerdig und international. Hier treffen sich Bierfreaks und Kiezlegenden zum Feierabendschluck, wir gesellen uns dazu. Und auch, wer sonst eher Wein trinkt, oder Wasser, merkt doch, das handwerkliches gebrautes Bier viel mehr Aroma hat.

Mani in Pasta trägt das Handwerk sogar im Logo. Zwei Hände formen eine Nudel. Die drei italienischen Freunde von der Nudelmanufaktur servieren Ravioli mit Trüffel, ein Edelprodukt, das bei ihnen aber herrlich ehrlich schmeckt. Schon wieder so eine simple Sache, zubereitet aber mit viel Liebe und mit Sachverstand. Und dann ist da die Atmosphäre der nun leeren Halle, diesem Denkmal der Industrialisierung Berlins, die wahrlich eindrücklich ist. Schon was anderes als ein Dinner in einem Restaurant.

Und doch: Auch das sollte noch kommen. Jede Berliner Markthalle hatte nämlich auch ein Markthallenrestaurant. Und das in der Markthalle Neun wird seit vergangenem Winter auch von der Markthalle Neun geführt. Die Idee: ein ehrliches Wirtshaus. Komfortfood aus den Zutaten, die es nebenan in der Halle gibt. Genau das sollten wir schmecken, es gab schwäbischen Schaufelbraten und danach Kaiserschmarrn. Ein ehrlicher Abschluss für einen herrlichen Abend.                                                                                                                                  
Text: Clemens Niedenthal
Fotos: Lena Ganssmann  

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