So war es bei Bar Time präsentiert von Mastercard Priceless Berlin

Bar Time rund um den Oranienplatz

An Thesen zum Tresen mangelt es nicht. Edward Hopper hat die Einsamkeit, die man an der Bar gemeinhin vermutet, so wunderbar in Öl gebannt. Und auch „Babylon, Berlin“ wäre nicht „Babylon, Berlin“ gewesen, hätten nicht auch jene Berliner Orte, die die Nacht zum vielzitierten Tage machen, ihren festen Platz unter den Requisiten gehabt. Stadtgeschichte ist immer auch Genussgeschichte, ist Ess- und Trinkkultur.

In diesem Sinne: Hoch die Gläser. Und zur Premiere unserer Bartime präsentiert von Mastercard Priceless Berlin hinein in einen Kiez, der viel verträgt. In Kreuzberg sind die Nächte lang und viel besungen. Die Raffinesse, das Handwerk, die Aromen des Alkoholischen indes kommen in solchen Liedern selten vor. Uns führte unsere Thekenrunde aber gerade an Orte, die genau dafür stehen: Für die neue handwerkliche Trinkkultur. Und für Gastgeber*innen, die auf Augenhöhe mit ihren Gästen und ihren Produzenten sind.

Andreas Rink beispielsweise, dessen Weinbar nach dem Großvater, und neuerdings auch seinem Sohn, Ottorink heißt. Vor sieben Jahren eröffnet, war sie eine sehr frühe unter den neuen Weinbars in Berlin. Und neu heißt hier: Weine, von denen der Wirt den Winzer kennt. Eine Atmosphäre, die zwar nicht rustikal, aber im besten Sinne uneitel ist. Und eine spürbare Liebe zum Produkt, zu dem an diesem Abend auch das vom Gastgeber selbstgemachte Pfälzer Gulasch gehört hat. Das Salatdressing wie die Weine – trocken ausgebaut.

Einen kurzen Spaziergang entlang des Landwehrkanals weiter erinnert einer daran, dass in Berlin längst auch (wieder) handwerkliche Spirituosen produziert werden. Theo Ligthart, studierter Philosoph und gewesener Künstler ist am Erkelenzdamm mit seinem Freimeisterkollektiv heimisch geworden. Zudem veranstaltet der gebürtige Holländer, und zwar an diesem Wochenende, die handwerkliche Spirituosenmesse Destille Berlin in der Kreuzberger Heeresbäckerei. Für uns nahm sich Ligthart Zeit für einen Laborbesuch. Was ist das überhaupt, brennen? Warum ist ein Geist ein Geist und ein Likör ein Likör. Likören beispielsweise wird laut Gesetz pro Liter die Zugabe von 100 Gramm Zucker verordnet. Ein oft viel zu klebriges Unterfangen. Der wunderbare Rhabarberlikör des Freimeisterkollektivs kommt knapp auf diesem Weg. Nun, so Ligthart, „ist Rhabarber ja keine Frucht, sondern ein Gemüse und bringt deshalb von Haus aus wenig Zucker mit.“ Man ahnt, das Freimeisterkollektiv macht vieles anders und vor allem handwerklicher, exemplarisch der Kaffeelikör zum Abschluss: Sein Fundament ist ein Coldbrew Espresso aus Bohnen, die Ralf Rüller von The Barn in der Schönhauser Allee geröstet hat.

Aber halt, hieß es nicht Bartime? Platznehmen an einem der elegantesten Tresen der Stadt. In der Orania.Bar, die nicht nur dem Namen nach zu eben jenem Boutiquehotel am Oranienplatz gehört, hatte eigens für uns sogar ein Musikant Platz genommen. Der Steinway in der großzügigen Lobby ist ein Angebot an die Pianist*innen dieser Stadt. Unser Angebot hieß Throwback, ein, dennoch leichter, Bitter auf Sakebasis, der listig mit den eingeworfenen Fensterscheiben spielt. Ein Luxushotel mitten auf der Oranienstraße, das Orania hat sich behaupten und erklären müssen, das Team um Küchenchef und Hotelleiter Philipp Vogel hat dies mit offenen Ohren und Armen getan.

Gleich vis-a-vis dann zum Absacken in einen Lieblinsgladen. Nicht nur weil im Ora das Interieur der 120 Jahre alten Oranien Apotheke gleich an Ort und Stelle gelassen worden ist. Auch das weltläufige Küchenkonzept aus regionalen Zutaten gefällt und die Atmosphäre, die immer wirklich metropolitär ist. Der Rum Old Fashioned mit jahreszeitlicher Kastaniennote hatte dann in jeglicher Hinsicht die Kraft, diesen Abend mit Klasse auszuläuten. Dazu eine Kugel Sauerteigeis mit karamellisiertem Brotknusper. Das war sie, die Premiere unserer Bartime präsentiert von Mastercard Priceless Berlin.

Text: Clemens Niedenthal
Fotos: Lena Ganssmann

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