So war das tip Weinmahleins präsentiert von Mastercard Priceless Berlin

Tip Weinmahleins im September: Die Sterneküche im Tulus Lotrek

Ilona Scholl als Gastgeberin und Maximilian Strohe als Küchenchef sind die lässigsten unter den an Lässigkeit reichen Sternegastronomen in Berlin und dabei gleichzeitig unglaublich sorgfältig. Und kein anderer hat so reiche und gleichzeitig so punktgenau gesetzte Ideen. Das fängt vom eigens fürs Tulus Lotrek (und vom Tulus Lotrek) entworfenen Tapetenmuster an. Es findet sich immer auf der Kleidung von Ilona Scholl und ihrem Serviceteam wieder. Auf jede Frage gibt es eine fachkundige Antwort. Jeder Gang wird originell anmoderiert.

 

„Disco-Kresse“ beispielsweise heißt das Thaibasilikum, das Max Strohe zur asiatisch gebeizten Eismeerforelle serviert, mit Apfel und Finger Limes. Viele zitronige Nuancen, viele Kopfnoten gab es an diesem Abend, und dazu mehr Schärfe, als man es von früheren Besuchen im Tulus Lotrek gewohnt ist. So hat Strohe auch das Signature-Dish abgewandelt, die Jakobsmuschel. Die Nussbutter als Konstante ist geblieben – schließlich ist Max Strohes Küche in der französischen Haute Cuisine grundiert –, aber statt Sellerie und Herbsttrüffel sind da Holunderblüte und Yuzu, eine Zitruspflanze mit einem deutlich komplexeren Aroma als es die Zitrone anbietet.

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Auch beim ersten Hauptgang mit in Miso eingelegtem Perlhuhn und Huhn gaben mit Blutorangenöl, Zitronenverbene, Holunderkapern und Lavendel wieder Kopfnoten den Ton an. Die butterzarte Hirschkeule (mit Blattschuss erlegt, eine sensationelle Qualität von Havelland Express) kam mit Shiitake und Blaubeere. Auch beim Dessert: Für das Eis hatte Max Strohe tatsächlich frisches Heu in Sahne gepackt und ausgelaugt, dazu Zwetschgen, Rapssaatöl und Rapssaat.

 

Süß, sauer, salzig, bitter und umami – es war immer alles dabei. Konnten da die Weine mithalten? Ja. Wenn man Reben hat, die auch schon mal 320 Tage ohne einen Tropfen Regen auskommen, weil sie 50 Meter tief Wurzeln. Joachim Christ vom Weingut Domaine de l’Horizon aus den gerade noch französischen Pyrenäen hatte sie mitgebracht. Eine unglaubliche Mineralität und klare klassische Struktur kam da ins Glas. Das radikal handwerklich und biodynamisch arbeitende Weingut hat sternewürdig überzeugt.

Die Weine des Weinguts Domaine de l’Horizont sind in Berlin bei Viniculture in der Grolmanstraße 44-45 und im Weinladen Schmidt in der Kollwitzstraße 50 erhältlich.

Text: Stefanie Dörre

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