Musik & Party in Berlin

Toni Kater im Bi Nuu

Die Berlinerin webt in ihren Dreampop Textzitate und Sounds ein, die von Verdrängung in der Stadt erzählen.

Toni Kater

Es gibt Musiker, die sich auf der Suche nach neuen Klängen appalachische Mandolinen zulegen oder Schlaginstrumente von den Kapverden. Auch bei Toni Kater sind ungewohnte Töne zu hören, wenn man ihren neuen Songs lauscht: Ein Wummern und Hämmern hat seinen Einsatz im Stück „Heuschrecken“ und liefert dem Elektropopsong eine harte Abreibung. Es ist der Sound eines Schlagbohrers, an dem die frühen Einstürzenden Neubauten ihre Freude gehabt hätten. Den Tonschnipsel baute die Songschreiberin mit der schwebend feinen Stimme in ihr neues Album ein – wo die Störgeräusche aus dem Stockwerk über ihrem Wohnzimmerstudio in Prenzlauer Berg doch ständige Begleiter im Entstehungsprozess waren.
„Ich wohne in einer kleinen Parallelstraße der Danziger Straße, und während ringsum im Prenzlauer Berg überall saniert wurde, blieb es bei uns ruhig, so als sei unser Haus ein kleines Geheimnis. Aber das hat sich geändert, und es hat mich gewissermaßen am eigenen Haus erwischt.“ Statt in der gewohnten Ruhe aufnehmen zu können, lernte Toni Kater den Vorgang des Dachgeschossausbaus aus der Nähe kennen. „Drei Mal wurde meine Decke durchbrochen“, erinnert sie sich mit einem leidgeprüften Lächeln, „ich musste irgendwann raus aus der Wohnung.“
Eines der Hauptthemen ihres vierten Albums schob sich somit von selbst in ihre Gedankenwelt: „Mehr als ich es wollte“, sagt sie, „das Thema ist schließlich schon lang in Berlin angekommen. Aber es betraf mich jetzt nun mal selbst, und wenn dein halber Freundeskreis dasselbe erlebt – ihre Wohnungen kaufen sollen oder mit Abfindungen rausgehen –, dann kann man sich dem Thema nicht mehr verschließen.“ „Eigentum“ heißt das Album, das auf dem pop-out-Label von Rosenstolz’ Peter Plate erscheint. „Ich wollte mal politisch sein“, sagt sie mit einem Augenzwinkern, schließlich kennt man Toni Kater vor allem für zarten Pop über mehr oder weniger brüchige Beziehungen. Songs wie „Heuschrecken“ oder das Titelstück mit dem Untertitel „New York ist tot“ drehen sich um Verdrängungsvorgänge der Gesellschaft, um vermeintliche Kapitalismusgewinner und -verlierer.
Neben hässlichen Nebengeräuschen der Verdrängung finden sich weitere Ecken und Kanten im Klangbild der Multiinstrumentalistin. Damit entfernt sich der ehemalige 2raumwohnung-Schützling auf interessante Weise von ihren minimalistischen Anfängen und ätherischer Popromantik. Markante Rhythmen ziehen sich nun durchs Klangbild, teils färben 80er-Synthesizer die Atmosphäre kühl und dunkel. Wie schon auf dem Vorgängerwerk „Sie fiel vom Himmel“ arbeitete die Sängerin mit Neubauten-Rhythmiker Rudolf Moser zusammen – nicht unbedingt die naheliegendste Verbindung, doch sie steht für die kleinen Überraschungen, die Toni Katers bisherigen Pfad kennzeichnen.

Text: Ulrike Rechel

Foto: Ferran Casanova

Toni Kater, Bi Nuu im U-Bahnhof Schlesisches Tor, Kreuzberg,  ?Do 15.1., 20 Uhr, VVK: 13,50 Euro zzgl. Gebühr

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