Musik & Party in Berlin

„Translating Hip Hop“ im Haus der Kulturen der Welt

Malikah ist die junge Königin der arabischen Rap-Szene. Die 25-jährige Libanesin besucht Berlin im Rahmen des Projekts "Translating Hip Hop" und erzählt über die Unterschiede von arabischem und US-HipHop.

Malikah

tip Wann hast du angefangen, Musik zu machen?
Malikah
Mit 15 oder 16. Als ich fünf war, habe ich meinen Vater schon wahnsinnig gemacht, weil ich immer sagte, dass ich Sängerin werden will. In seinen Augen war das kein akzeptabler Beruf, nicht in unserem Kulturkreis und schon gar nicht als Muslimin. Später habe ich dann durch die Platten meiner Brüder die Liebe zum HipHop entdeckt.

tip Es war zu lesen, dass du anfangs heimlich auftreten musstest …
Malikah Das stimmt. Heute ist mein Vater mein größter Fan, damals waren jedoch alle in der Familie dagegen. So habe ich meine Songtexte im Unterricht geschrieben, mein Gesicht auf der Bühne unter einer großen Mütze versteckt und bin nach der Show sofort auf die Toilette gehetzt, um mich umzuziehen und mich dann unter das Publikum zu mischen, als sei nichts gewesen. So habe ich gleich die Meinung der Anwesenden mitbekommen: „Hast du dieses coole Mädchen gesehen …“ (lacht)

tip Wie groß ist denn die Akzeptanz für rappende Frauen im libanesischen HipHop?
Malikah Ich musste schon immer einiges an Kritik und Spott dafür einstecken. Bei einem Auftritt in Abu Dhabi hat ein Junge beispielsweise mal ein Kondom auf die Bühne geworfen, um mir zu zeigen, dass ich in seinen Augen ein Mädchen ohne Selbstachtung sei. Ich habe es gepackt und ihm ins Gesicht geworfen. Das hatte er verdient (lacht).

tip Gut reagiert. Gibt es weitere Nachteile, auf die sich eine Frau gefasst machen muss, wenn sie in Beirut rappen will?
Malikah Nun, es macht mein Leben nicht einfacher. Es ist sehr schwer, einen Mann zu finden, weil die meisten Familien eine Frau, die singt oder rappt, nicht akzeptieren würden. Das ist wohl das Opfer, das ich für meine Liebe zur Musik bringen muss.

tip Das öffentliche Auftreten als Rapperin ist allein schon ein Statement, aber was willst du darüber hinaus mit deinen Texten ausdrücken?
Malikah Ich rebelliere zum Beispiel dagegen, dass in meinem Land Menschen erst ihre Religion nennen, bevor sie ihre Nationalität preisgeben. Dagegen, dass wir 15 Jahre Bürgerkrieg hatten und trotzdem so viele Menschen anderen Religionsgruppen im Land gegenüber rassistisch sind. Ich möchte besonders junge Leute ansprechen und sie zum Umdenken bewegen.

tip Machen sich denn die besonderen Lebensumstände deiner Heimat in eurem HipHop-Verständnis bemerkbar?
Malikah In der arabischen Welt ist HipHop heute so, wie er damals in den Siebzigerjahren in den USA war, als alles begann. Wir Araber verfolgen ein größeres Ziel. Wir kämpfen für etwas, wollen gehört werden, den Leuten etwas Wichtiges vermitteln. Deshalb machen wir keine leeren Worte über Frauen und Drogen, so wie es heute im kommerziellen seelenlosen amerikanischen HipHop üblich ist. Arabische Rapper haben eine politische Botschaft.

Interview: Christine Stiller

„Translating Hip Hop“ in Concert mit Malikah, Pyranja, MC Kah, Moroko u.a., Haus der Kulturen der Welt, Do 10.+Fr 11.11., 20 Uhr, VVK: 10 Euro

Translating Hip Hop
Politische Botschaften im HipHop sind eine gute Sache, schwer ist es allerdings, sie auch überall auf der Welt zu verstehen. Diesem Aspekt stellt sich nun das Projekt „Translating Hip Hop“. Im Rahmen verschiedener Workshops wird vom 10. bis 12. November im HdKdW versucht, die Songtexte von Künstlern wie Malikah zu übersetzen und so einem breiteren Publikum zugänglich zu machen. In Zusammenarbeit mit dem Goethe-Institut fanden in diesem Jahr bereits in Manila, Nairobi und Bogotб Workshops statt, bei denen die Rapper im gemeinsamen Austausch an den Übersetzungen arbeiteten und feststellen mussten, dass es gar nicht so einfach ist, etwa einen Text vom Arabischen ins Englische umzuschreiben und dabei die Bedeutung der Wörter zu erhalten. Zudem gibt es Vorträge, Filmvorführungen und Workshops.

www.translatinghiphop.de

Foto: Translating HipHop/HKW 2011 – Malikah, Promo

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