Musik & Party in Berlin

Über die Schließung des WMF in Berlin

Was hat dich bloß so ruiniert? Nach der überraschenden Schließung des WMF stellt sich für Clubgänger nun nicht nur die Frage das Wohin, sondern auch, wer eigentlich schuld ist an der ganzen Malaise.

WMF

Nur die Namensschildchen auf einem einsamen Briefkasten an der Hausfassade bestätigen, dass man sich nicht in der Adresse geirrt hat: Klosterstraße 44. Bis zum letzten Mittwoch war hier tatsächlich noch das WMF, einer der wichtigsten Clubs der Stadt, der für fast schon 20 Jahre einer der Eck­pfeiler des Berliner Nachtlebens gewesen ist. Zurück bleibt die kühle Tristesse eines leer stehenden Bürokomplexes und eine Menge Fragen nach den Gründen für das abrupte Aus. Fragen, auf die die bisherigen Pressemeldungen nur teilweise Antworten zu geben vermögen. So heißt es in einem Interview mit einem der Clubbetreiber nur knapp, der Vermieter habe die „Schuldenbremse gezogen“ und den Mietvertrag des WMF fristlos gekündigt. Daraufhin musste die dahinterstehende Betreiberfirma, die Abbey Road GmbH, Insolvenz anmelden, womit der Club, wenn nicht für immer, dann zumindest für lange Zeit geschlossen bleiben wird – und somit auch ein wichtiges Kapitel der Berliner Clubkultur sein plötzliches Ende findet.
Angefangen hat alles 1991 mit einem Hausbesetzerkollektiv. Die späteren Betreiber des WMF Gerriet Schultz, Thomas Prilop und Martin Dobbeck nutzten damals die Wirrungen nach dem Mauerfall und besetzten das leer stehende Gebäude der Württembergischen Metallwarenfabrik, daher auch der Na­me WMF. Nach ersten illegalen Partys und zwangsläufig folgenden Problemen mit den Behörden verlegte man den Club buch­stäblich in den Untergrund. Eine unterirdische Toilettenanlage unterhalb des Mauerstreifens, betretbar nur über einen von unten aufgeschnittenen Reichsbahncontainer, diente nun als Location des WMF. Aber auch hier sollte es Ärger geben, sodass man sich zu einem Schritt in die Legalität entschied und eine den Club tragende Betreiberfirma gründete. Das nächste WMF eröffnete ganz offiziell in den Hackeschen Höfen. Die finanzielle Knappheit machte man sich zur Tugend und funktionierte Einrichtungsge­gen­stän­de aus der Stasi-Überwachungszentrale zum schi­cken Club-Interieur um. Eine Entscheidung, die stilprägend für die Berliner Clublandschaft werden sollte. Nachdem das Club-Gebäude von einem Investor aufgekauft und abgerissen worden war, zog die Karawane schließlich 1996 weiter, diesmal passenderweise in das ehemalige Gästehaus des DDR-Ministerrates am Johannishof. Von dort aus ging es in
die Ziegelstraße, dann ins Cafй Moskau, dann in das ehemalige Gasag-Gebäude am Rolandufer, um letztendlich in der achten und nun wahrscheinlich letzten Räumlichkeit zu landen, dem ehemaligen Fernmeldeamt in der Klosterstraße 44.

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