Kunst und Museen in Berlin

The Unknown Land in der Alexander Ochs Galerie

Die in altmeisterlicher Eitempera-Technik gemalten Bilder von Miriam Vlaming scheinen Geheimnissen auf der Spur zu sein.

Miriam_Vlaming_Good_Morning_Revival_c_ALEXANDER_OCHS_GALLERIES_BERLIN_BEIJINGIhre Arbeiten seien kühler, technischer geworden, nicht mehr ganz so märchenhaft verträumt, sagt Miriam Vlaming.
Kühl sind die mit Eitempera auf Leinwand gemalten Bilder keineswegs. Nicht einmal der „Sternenhimmel“ im abweisenden Grau. Ein Hauch von Terrakotta verbindet diese unheimliche Szenerie zwischen Unterwasserwelt und Himmel mit dem erdigen Sein. Wie immer stöbert die Malerin in unbekannten Welten, ihr Blick geht nicht nur in die Historie, er geht bis ins All. Das Weltall wird bei Vlaming Ort der Sehnsucht und Erwartung, voller Versprechungen, zugleich Enttäuschung bei dem Versuch, Geheimnisse zu erobern. „Gnosis“ heißt eines ihrer Bilder, die dem Übersinnlichen philosophisch-spekulierend auf den Fersen zu sein scheinen, ständig begleitet von einem Hauch Melancholie.

Die als Ausgangsmaterial dienenden Fotos, das Reale, an dem sich die Malerin „festhalten“ kann, sind letztendlich nach Vollendung des langen Arbeitsprozesses mit Schichten von aufgemalter und wieder abgetragener Farbe nur noch erahnbar. Das Anmischen der altmeisterlichen Eitempera, die diese kreidige, matte Oberfläche erzeugt, gehört zur Vorbereitung auf die Begegnung mit der Leinwand.

Diese kontemplativen Momente sind in jedem der Bilder Vlamings spürbar, die verführerisch-schön und gleichzeitig verstörend, geheimnisvoll, ja magisch sind. Bauwerke menschlicher Kultur, Gegenstände vergangener Zeiten und gelebter Utopie wie U-Boote, Raumschiffe, Maschinenparks, Ruinen, Produkte entstanden aus Hoffnung und Eroberungswut, sind zerstört oder überwuchert. Entwertet zeigen sie sich als Zeugnisse von Ohnmacht, wie eine Mahnung an das Unvorhersehbare, umarmt immer wieder von Harmonie.
Eine spürbare Empathie für alles Unvollkommene liegt in diesen Bildern voller Zwischentöne, die uns Vlaming präsentiert, Reisen ins Unbekannte, die Spannung erzeugen und zur Entdeckung auffordern.

Text: Constanze Suhr
Foto: Alexander Ochs Galleries Berlin Bejing
tip-Bewertung
: Sehenswert

Miriam Vlaming: The Unknown Land
Alexander Ochs Galerie Berlin, Besselstraße 14, Kreuzberg,
Di–Sa 11–18 Uhr, bis 28.1.2012

Weitere Kunst-Notizen:

UNTER BÄUMEN.DIE DEUTSCHEN UND DER WALD im Deutschen Historischen Museum (bis 4.3.2012)

ERIK SMITH: TEST DIG NR: 1 im Skulpturenpark (bis zum Baubeginn Januar 2012)

EMIL NOLDE: DIE RELIGIÖSEN BILDER in der Nolde Stiftung Sebüll (bis 12.2.1012)

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