Entdeckungen

Unsere Lieblingsschlösser

Berlin baut sich wieder ein Schloss in die Mitte. Dabei sind die alten doch noch gut!? Rund zwei Dutzend gibt es in Berlin. Wir haben uns jenseits von Klassikern wie dem Schloss Charlottenburg  oder dem Bundespräsidenten-Schloss Bellevue umgesehen – und uns königlich dabei amüsiert. Bei unseren zehn Lieblingsschlössern gibt es viel zu entdecken

Schloss Glienicke
Foto: Gabriele Kantel/ flickr.com/ CC BYN CND 2.0

Gartenkunde: Schloss Glienicke
Die Fürsten und Adligen, die in Berlins Schlössern gewohnt ­haben, sind wohl dokumentiert. Aber sie waren nicht allein. Eine Schar an Bediensteten sorgte dafür, dass die Wohlgeborenen ihre Residenzen genießen konnten. Die Dauerausstellung im Schloss Glienicke lenkt den Blick auf einen sonst vergessenen Berufsstand: die Hofgärtner. Vom Planzeichnen über das Vermessen bis zur Blumenkultur – hier wird ein Überblick über die Fähigkeiten gegeben, die ein Hofgärtner so mit sich bringen muss. Auch Ausbildung und Karrierechancen werden beleuchtet. Nach dem Besuch der Ausstellung kann man sich direkt einen eigenen Eindruck von der Schönheit eines preußischen Hofgartens machen: Das Schloss ist umgeben von einem Schlosspark, der ursprünglich 1823 von Prinz Carl von Preußen in Auftrag gegeben wurde – inspiriert von seiner ersten Italienreise.

Anschauen, weil:
1. Hofgärtner ein unterschätzter Berufsstand ist.
2. das ganze Gelände durchzogen ist von Marmor-Strukturen und klassizistischen Skulpturen.
3. man günstiger nicht nach Italien kommt.

Königstr. 36, Zehlendorf, Di–Do 10–18 Uhr (bis Oktober), www.schloss-glienicke.de

 

Berlin, Schloss Schönhausen, Ansicht von der Gartenseite.
Foto: Günter Schneider, Aufnahmedatum: 2009

DDR-Flair: Schloss Schönhausen
Prunk und Pomp im DDR-Sozialismus: Dass auch die Leitungskader des Arbeiter- und Bauernstaates wussten, wie man fürstlich haust, zeigt das Schloss Schönhausen in Pankow. Im Museum sind das Staatsgäste-Appartement der DDR-Regierung und das Mobiliar des Arbeitszimmers von Wilhelm Pieck, des ersten und einzigen DDR-Präsidenten, zu besichtigen. Pieck hatte dort von 1949 bis 1960 sein Arbeitszimmer; danach wurden hier bis zum Mauerfall Staatsgäste beherbert – unter anderem Leonid Breschnew, Fidel Castro und Michail Gorbatschow. Gräfin Sophie Theodore zu Dohna-Schlobitten, die das Schloss 1664 erbauen ließ, musste sich in dieser Zeit mehrfach im Grabe umgedreht haben. Nach dem Mauerfall tagte im Schloss übrigens auch der „Runde Tisch“ mit DDR-Staatsparteien und Oppositionsgruppen. Wer jedenfalls sehen will, welchen ersten Eindruck viele ausländische Staatsgäste von Ost-Berlin bekamen, der findet in Pankow den wahren Palast der Republik.

Anschauen, weil:
1. es den echten Palast der Republik bekanntlich nicht mehr gibt.
2. man im Orangerie-Park am Ufer der Panke wunderbar über Geschichte philosophieren kann.
3. Schüler dort im Rollenspiel einen ganzen Tag im Leben von Königin Elisabeth Christine inszenieren dürfen, deren Sommerresidenz das Schloss Schönhausen war (Angebot für Klassenausflug buchbar).

Tschaikowskistr. 1, Pankow, Di–So 10–18 Uhr (bis Oktober), www.spsg.de/schloesser-gaerten/objekt/schloss-schoenhausen

Gutshaus Steglitz
Foto: Wrangelschlösschen/ Gutshaus Steglitz, Schloßstr. 48, 12163 Berlin

Putz, munter: Wrangelschlösschen
Der zerbrochne Krug, die Jungfrau von Orléans oder Wallenstein – kulturelle Klassiker werden im Wrangelschlösschen wie am Fließband neu interpretiert. Mit der Theatergruppe YAS hat sich aber auch ein besonders quirliges und professionelles Amateur-Theater gefunden, um die ehrwürdigen Säle neu zu bespielen. Das Programm gibt es erst seit dieser Saison. Ebenso neu ist die Außenfassade des Schlosses: Wer diesen Herbst nach Steglitz aufbricht, bekommt rundum sanierten Putz zu sehen.

Anschauen, weil:
1. das Theaterangebot die größten Klassiker in ansprechender Weise neu interpretiert.
2. das Schloss aus kleinteiligen Räumen besteht, die man einzeln halbwegs günstig mieten kann (ab 40 Euro pro Stunde).
3. ab Ende August das Schloss in komplett neu verputzter Außenfassade erstrahlt.

Schloßstr. 48, Steglitz, Di–So 14–19 Uhr

Schloss Britz
Foto: Kulturstiftung Schloss Britz

Unter Tieren: Schloss Britz
Schon im 18. Jahrhundert wurde im Schloss Britz nicht nur residiert, sondern auch ordentlich malocht: Damals galt das Gutshaus als Musterbeispiel ökonomischer Landwirtschaft. Heute gibt es auf dem ausladenden Außengelände eine Tierterrasse mit Pferden, Kühen, Schafen, Ziegen und Gänsen zu besichtigen. Im August und September findet im ehemaligen Gutshaus der „Kulturstall“ statt, bei dem in Kooperation mit der Musikschule Paul Hindemith das Stück „Orlando, der rasende Reiter“ aufgeführt wird (beispielsweise am 26. und 27. August, 19.30 Uhr, und am 28. August, 16 Uhr). Faul ist auch in der Schlossküche niemand: Für Konzept und Küche ist jeweils der aktuelle Azubi-Jahrgang des Estrel-Hotels zuständig.

Anschauen, weil:
1. viele Tiere zum Streicheln einladen.
2. das Restaurant vom aktuellen Azubi-Jahrgang des Estrel-Hotels betrieben wird.
3. das Heimatmuseum Neukölln nur einen Katzensprung entfernt ist – da kann man direkt im Anschluss auch noch hingehen.

Alt-Britz 73, Neukölln, Di-So und an Feiertagen 11–18 Uhr, www.schlossbritz.de

Jagdschloss Grunewald
Foto: Stiftung Preussische Schloesser Und Gaerten Berlin Brandenburg

Zum Halalli: Jagdschloss Grunewald
Heute ist Berlin die Stadt des hippen Vegetarier- und Veganertums, das älteste Schloss der Stadt aber war der Jagd gewidmet. 1542 hat der Kurfürst Joachim II. von Brandenburg dieses Schloss errichten lassen, um seinem Lieblingshobby nachgehen zu können. Und das Jagdschloss Grunewald versteckt dieses Erbe bis heute nicht. Stolz werden in einem Jagdmuseum Waffen und Jagdgemälde und natürlich auch Jagdtrophäen präsentiert. Und gegenüber, im sogenannten Jagdzeugmagazin, werden verschiedene Techniken zum Erlegen von Beute erläutert. Wer hier einen Tag verbracht hat, will womöglich am liebsten gleich selbst Tieren auflauern – und kann das direkt im umliegenden Grunewald tun. Oder aber sie oder er wird erst recht zum Vegetarier.

Anschauen, weil:
1. kein Schloss der Stadt älter ist.
2. der malerische Grunewald-See direkt vor dem Schloss zu einem Badeausflug einlädt – oder wetterbedingt zum Spaziergang.
3. es in ganz Berlin wohl nirgends so viele Ausstellungsgegenstände zum Thema Jagd auf einem Fleck zu sehen gibt.

Hüttenweg 100 (am Grunewaldsee), Zehlendorf, Di-So 10–18 Uhr (bis Oktober), www.spsg.de/schloesser-gaerten/objekt/jagdschloss-grunewald

Berlin, Pfaueninsel, Schloss, im Hintergrund der Pfingstberg.
Foto: Hans Bach, Fotothek, Aufnahmedatum: 2009

Besser  als Pokemon: Schloss Pfaueninsel
Gotta catch ’em all! Statt virtuelle Pokémon abzufotografieren, kann man auf der Pfaueninsel bezaubernde Fotos der scheuen Vögel machen. Deren Vorfahren wurden bereits am Ende des 18. Jahrhunderts von König Friedrich Wilhelm II. auf der Insel angesiedelt – zusammen mit allerhand exotischen Pflanzen- und Baum­arten. Wenige Jahre zuvor hatten Seefahrer die Südsee-Insel Tahiti entdeckt. Diese Nachricht inspirierte den König nicht nur zum Bau seines Lustschlosses, sondern auch zur Errichtung einer Meierei und mehrerer anderer wundersamer Bauten. Man braucht also gar nicht in die virtuelle Realität abzutauchen. Auf der Pfaueninsel findet man eine ganz eigene Welt direkt vor der Haustür.

Anschauen, weil:
1. es eine skurrile Umgebung wie aus einem Fantasy-Film bietet.
2. es ein Turmzimmer gibt, das von innen mit Palmwedeln
bemalt ist.
3. Pfauen einfach großartige Fotomotive abgeben.

Königstr. 36, Zehlendorf, Di–So 10–18 Uhr (bis Oktober),  www.spsg.de/schloesser-gaerten/objekt/pfaueninsel

Schloss Friedrichsfelde
Foto: Carsten Haas/ Tierpark Berlin

Tanzen & Tiere: Schloss Friedrichsfelde
Früher fiel der Berlin-Tourist ja quasi vom Bahnhof Zoo direkt in den Zoologischen Garten nebenan. Viele Besucher wissen daher vermutlich gar nicht, dass Berlin noch einen anderen Zoo zu bieten hat: den Tierpark in Friedrichsfelde. Europas größter Tierpark beheimatet nicht nur Löwen, Elefanten und Zebras; in seiner Mitte steht auch das Schloss Friedrichsfelde. Ursprünglich 1684/85 von einem Marinedirektor als Lustschloss erbaut, beherbergt das Schloss heute eine Ausstellung über seine ­Geschichte. Der klassizistische Festsaal wird als Location immer wieder für Konzerte zur Verfügung gestellt. Und eine Tanz­schule bietet Kurse in Gesellschafts- und historischem Tanz an. Über so viel Kultur freuen sich sicher auch die Elefanten.

Anschauen, weil:
1. man 6.500 exotische Tiere zur Auswahl hat.
2. der Andrang nicht so groß ist wie beim Zoologischen Garten.
3. es sogar eine Tanzschule gibt.

Am Tierpark 125, Lichtenberg, Di–So 10–18 Uhr (bis Oktober) www.tierpark-berlin.de

Schloss Köpenick
Foto: Staatliche Museen zu Berlin / Maximilian Meisse

Altbier: Schloss Köpenick
Craftbeer gab es im Schloss Köpenick schon lange, ehe der Begriff überhaupt erfunden wurde. Deutschlands kleinste Brauerei befindet sich in einem Glasgebäude auf dem Schlossplatz. Hinter Wänden aus Glas wird hier Bier in einem Kessel gebraut, der so klein ist, dass das Publikum alle Schritte nachvollziehen kann. Die Biersorte ist mehr als 3.000 Jahre alt und kommt aus dem alten Babylon – sie gilt als eine der ältesten Biersorten der Welt. Auch das barocke Wasserschloss selbst hat eine beachtliche Geschichte. Bereits im 8. oder 9. Jahrhundert nach Christi entstanden auf seinem Grundstück slawische Burgwälle. In der heutigen Schlosskirche finden immer wieder Konzerte statt, bei denen auch die monumentale Orgel zum Einsatz kommt.

Anschauen weil:
1. das Kunstgewerbemuseum im Schloss, das die Ost-Teile der Sammlung beherbergt, das älteste seiner Art in Deutschland ist.
2. die Orgelkonzerte klasse sind.
3. ein Bier mit drei Jahrtausenden Geschichte es auf jeden Fall mit jeder modernen Biersorte aufnehmen kann.

Schloßinsel 1, Köpenick, Di–So 11–18 Uhr (bis Oktober), www.smb.museum/museen-und-einrichtungen/schloss-koepenick

Schloss Biesdorf
Foto: Jacob Schmidt

Kunst-Clash: Schloss Biesdorf
Die Ost-Berliner kennen das Schlossgebäude womöglich noch in seiner Funktion als Bibliothek oder als Stadtteilzentrum. Seit 2013 schlummert es vor sich hin, doch hinter den Kulissen tut sich einiges: Grün Berlin (die landeseigene Agentur, die auch das Tempelhofer Feld betreibt und den Spreepark öffentlich zugänglich machen will) hat sich des alten Schlosses angenommen und ihm das Obergeschoss wieder aufgesetzt, das bei einem Brand im Jahre 1945 verlorengegangen ist. Es gibt große Pläne für das Schloss und den weitläufigen Park. Ab dem 9. September soll hier ein Zentrum für Kunst und öffentlichen Raum öffnen, wo Kunst aus der DDR und anderen kommunistischen Staaten mit westeuropäischen Konzepten konfrontiert wird. Save the date!

Anschauen, weil:
1. das Obergeschoss ab Anfang September zum ersten Mal seit 1945 überhaupt wieder zugänglich ist.
2. kein anderes Schloss in Berlin auf diese Weise kommunistische und westliche Kunst miteinander konfrontiert.
3. es im Park einen historischen Eiskeller gibt, in dem der Adel schon früher Eis lagerte, um seine Getränke zu kühlen.

Alt-Biesdorf 55, Marzahn, Di, Mi, Fr–So 10–18 Uhr, Do 13–21 Uhr,  www.gruen-berlin.de/schloss-biesdorf
Kiezschloss: Gutshaus Lichterfelde
Zwar hatte das Gutshaus nie einen adeligen Besitzer, weshalb es genau genommen kein Schloss ist. Aber spätestens nachdem Mitte des 19. Jahrhunderts die Immobilie als Zentrum einer geplanten Villenkolonie hergerichtet wurde, steht das Gutshaus Lichterfelde einem Schloss in Sachen Prunk in nichts nach. Umso paradoxer mutet es an, dass ausgerechnet hier nach dem Zweiten Weltkrieg von den Amerikanern ein Nachbarschaftszentrum eingerichtet wurde. Heute laden wechselnde Anbieter zu Englisch-Unterricht, Tanzstunden, Malkursen, Qi Gong oder ehrenamtlicher Rechtsberatung ein. Außerdem gibt es ein Nachbarschaftscafé mit Frühstücksbüfett und leckerem Nachmittagsangebot. Und wenn man schon mal in Lichterfelde ist, kann man gleich noch einen Spaziergang durch den weitläufigen Schlosspark unternehmen. Der ist nicht so hochgezüchtet wie in den anderen Schlössern. Ein Großteil steht sogar unter Naturschutz, weil sich darin ein letzter Rest des Auwaldes ungestört entwickeln soll. Das macht den Park ein bisschen wilder – und gibt ihm einen besonderen Reiz.

Anschauen, weil:
1. hier kein Adel ausgestellt ist, sondern Nachbarn sich auf ­Augenhöhe begegnen.
2. besagte Lichterfelder Nachbarn echt knorke sind.
3. der Park einen wilden Auwald beherbergt.

Hindenburgdamm 28, Lichterfelde, Café: Mo–Fr 9 –17 Uhr, Schloss je nach Workshopangebot wechselnd, www.stadtteilzentrum-steglitz.de/gutshaus-lichterfelde

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