Mit Kind

Ferien in Berlin: Auf Safari

Ein bisschen Geduld und ein gutes Fernglas – mehr braucht es nicht, um sich in Berlin an die Fersen wild lebender Tiere zu heften. Auf exotische Großkatzen wartet man zwar vergeblich. Dafür erstaunt so manches Krabbeltier durch sein Imponiergehabe

WasserbueffelBiobüffel
Vier waschechte Wasserbüffel mit ihren typisch breiten Klauen weiden, ruhen und baden auf der idyllischen Pfaueninsel in der Havel am Düppeler Forst. Ganz natürliche Rasenmäher sozusagen. Vor Luises Bauernhof kann man sie voraussichtlich noch bis Oktober antreffen: die Wasserbüffel-Mamas Grazia und Ocsana mit ihren Töchtern Grace und Ostaria. Obwohl Wasserbüffel, die ursprünglich aus Südostasien kommen, wild anmuten, sind sie doch seit gut 8?000 Jahren gezähmt – und damit eine der am längsten mit dem Menschen in friedlichem Einklang lebenden Tierarten. Vor gut 200 Jahren weideten auf der Pfaueninsel im Wannsee die ersten Büffel. Seit drei Jahren grasen einige Tiere im Sommer wieder dort. Man kann sie streicheln und dabei beobachten, wie sie Gräser, Schilf, Kräuter und Heu fressen. Im Wasser finden sie die für sie wichtigen Mineralstoffe. Bei den Führungen weiß die passionierte Bio-Landwirtin Sonja Moor aus Brandenburg allerlei Spannendes über ihre Tiere zu erzählen. Eine weitere Herde Wasserbüffel gibt es übrigens noch in Tiefwerder (siehe Seite 35).

Luises Bauernhof Nikolskoer Weg, Pfaueninsel, Steglitz-Zehlendorf,
Führung So 10 Uhr

Neuntöter
Der naturbelassene Hochwald in Pankow nebst Feldern und Wiesen mit Teichen ist geradezu prädestiniert als Lebensraum für Vögel wie den Neuntöter, der sich von seiner Sitzwarte aus blitzschnell auf die Beute stürzt: auf Mäuse und kleinere Vögel. Ein weiteres Highlight der ornithologischen Tour ist der Pirol, der scherzhaft auch „die fliegende Zitrone, die prima singen kann“ genannt wird. Anzutreffen sind aber auch riesige Hitchcock-Kolkraben – nicht zu verwechseln mit ihren Miniatur-Verwandten, den Krähen –, Grünspecht und Goldammer. Die Graureiher in Pankow haben sogar eine ganze Brutkolonie errichtet, die man bestaunen kann.      

Botanischer Volkspark Pankow Blankenfelder Chaussee 5, Pankow,
Führung Fr 21.6., 10 Uhr, Treffpunkt vor der Gewächshausanlage, bitte Fernglas mitbringen


HeldbockkaeferHeldböcke
Helden vo­raus, Taschenlampen an! Im letzten Dämmerlicht krabbeln die Heldböcke – es sind so ziemlich die größten Käfer des Kontinents – aus der Rinde jahrhundertealter Eichen am Waldrand hervor und lassen sich beim stoßend-schiebenden Fühlerkampf der
Männchen, beim Liebesspiel oder beim Flug zwischen Linden, Buchen und Birken im Schlosspark Niederschönhausen beobachten. Je wärmer und schwüler die Luft, desto besser stehen die Chancen, die nachtaktiven Riesen-Insekten in voller Aktion zu erleben. Eigentlich kommen sie aus dem Mittelmeerraum, aber seit über 200 Jahren hausen sie auch in den dicken Eichen Berlins, vor allem den schwächelnden. Allerdings sind die Käfer selbst stark bedroht und daher auf der Roten Liste. Die Führung
bietet beste Gelegenheit, den Heldböcken auf die Schliche zu kommen, da nur wenige Bäume für die Käfer als Zuhause infrage kommen – und die Biologen vom NABU wissen, wo diese Bäume stehen.      

Schlosspark Niederschönhausen
Am Schlosspark Ecke Ossietzkystraße, ­Pankow, Führung Fr 21.6., 21 Uhr,
Treffpunkt an der Pumpe, bitte Taschenlampe mitbringen

Nishikigoi
In Fernost sind sie das Symbol für Fruchtbarkeit und Erfolg, die knallroten Koi-Karpfen, die bis zu einen Meter lang werden und gerne bis zu einer halben Million Eier legen. In den Gärten der Welt leben die Süßwasser-Exoten seit einem Jahrzehnt im Chinesischen See, am liebsten an schattig-lauschigen Plätzchen, wo Baumzweige übers Wasser ragen. Mit ihren großen Barteln tasten sie dort im Schlamm nach brauchbarem Futter und prüfen auch gleich, was am besten schmeckt. Das Wasser ist praktischerweise so flach, dass man ihnen dabei prima zuschauen kann. Die Führung beinhaltet neben den Nishikigoi auch die exotische Pflanzenwelt im Chinesischen Landschaftsgarten. 

Gärten der Welt Chinesischer Garten, Eisenacher Straße 99, Marzahn, Führung Do 20.6., 13 Uhr,
Eintritt 6/2,50 Ђ

Krabbeltiere
Klein, aber oho: Insekten und Spinnen gehören zu den vielfältigsten Tieren des Planeten. Am „Kindersonntag: Die wunderbare Welt der Spinnen und Insekten“, organisiert vom Naturkundemuseum, können Kinder selber Springschwänze und andere Krabbeltiere im Museumshof mit Barberfallen fangen und im Mikroskopier-Zentrum unter dem Binokular beobachten und unter­suchen. Mit Unterstützung eines Profi-Feld­biologen. Wie funktionieren die Augen der Insekten? Wie kauen sie? Auch einige der Museumshaustiere, zum Beispiel Tauchschaben und Gespenstschrecken, können mutige Forscher einmal aus der Nähe betrachten. 

Naturkundemuseum Invalidenstraße 43, Mitte,
Mitmachaktion für Kinder von 8–12 Jahren,
So 30.6., 15 Uhr

KarpfenKrebse & Fische
Louisianer heißen die amerikanischen Flusskrebse, die es neben Hechten, Barschen und Schleien im See des Britzer Gartens zu entdecken gibt – bei einer Familientour im Rahmen eines ganzen Thementages, gestaltet vom Freilandlabor Britz. Wie ist der See aufgebaut? Wo leben welche Fische? Wie schwimmen sie? Wer lebt wovon? Bei der Mitmach-Aktion lassen sich Barsche beobachten, die sich aus ihren Verstecken, den Felsspalten, herauswagen, oder die niedlichen Haubentaucher mit ihren Jungen, die sich als geschickte Fischfresser zeigen. Außerdem lernt man, wie sich anhand des Schuppenmusters das Alter eines Karpfens bestimmen lässt, und erfährt, warum bestimmte Fischarten gefährdet sind. 

Freilandlabor Britz Ausstellungspavillon im Britzer Garten, Neukölln,
Thementag So 30.6., 11–16 Uhr, Führung 15 Uhr, Eintritt 3/2 Ђ

Mäusebussard & Mauersegler
Ein Hauch von Wildnis und Dschungel umweht das Südgelände. Seit einem halben Jahrhundert hatte der Mensch in diese Natur­oase kaum eingegriffen, alle Pflanzen sind von sich aus gewachsen. Das schmale Landschafts- und Naturschutzgebiet beherbergt aber auch über 80 Vogelarten. Mit etwas Glück trifft man dort auf die Klappergrasmücke, den Turmfalken, die Mönchgrasmücke, die Nachtigall, den Gelbspötter, den Habicht und den Mäusebussard und manchmal auch auf die spektakulär wendigen Mauersegler. Da die Jungen schon geschlüpft sind, hört man die Vögel vor allem beim Lock- und Warnruf. Zur Tour auf dem Südgelände gehören auch botanische Streifzüge zu kleinen Wiesen mit Nelken, Salbei, Nachtkerze, Veilchen und Kleeulmen.      

Naturpark Schöneberger Südgelände Prellerweg 47-49, Schöneberg,
Führung z.B. So 23.6., So 30.6., So 7.7., 9 Uhr

Texte: Stefan Hochgesand
Fotos: Bernd Sauer-Diete, Jens Scharon_NABU, Eckhard Baumann

 

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