Musik & Party in Berlin

Ursula Bogner: Sonne=Blackbox

Glaubt man Label-Betreiber Jan Jelinek veröffentlicht er posthum zufällig gefundene Tonbänder einer Berliner Elektropionierin.

Ursula BognerVon Ursula Bogner hat man kaum je gehört. Erstmals überhaupt, als Jan Jelinek vor drei Jahren zufällig an ein Konvolut von Tonbändern der verstorbenen Berliner Elektropionierin gelangte und ihre verblüffend zeitgemäße Musik der Öffentlichkeit näherbrachte. Auf seinem Faitiche-Label hat der Techno-Alchimist nun das zweite Werk mit Bogner-Musik fertiggestellt. „Sonne = Blackbox“ ist eine Sammlung von Minimal-Etüden, deren Entstehungszeit zwischen 1970 und 1980 datiert wird: Kaskadenhafte Klicks und funkelnde Schwärme lassen wahlweise an kosmische Sphären oder mikroskopisch Kleinstes denken. Was irgendwie gut passt zu der Vorstellung einer einst bei Schering angestellten Pharmazeutin und Familienmutter mit Leidenschaft für Proto-Synthesizer und die ästhetischen Prinzipien der Musique con­crиte. Dennoch blieben Gerüchte in der Blogwelt nicht aus, dass Bogner ein Fantasiegeschöpf des Label-Inhabers sei. Und wer Fotos des Berliners genauer mit dem Bild Ursula Bogners abgleicht, wird den Verdacht nicht von der Hand weisen können.
Doch wie schreibt der Musiker und Blogger Momus so schön in seinem Essay, den man jetzt im Beiheft zum Album nachlesen kann: „Every lie creates a parallel world – the world in which it is true.“ Eine gut erzählte Lüge ist schöner als eine schmucklose Wahrheit. Davon lebt die Kunst.

Text: Ulrike Rechel

Ursula Bogner, Sonne=Blackbox (Faitiche)

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