Musik & Party in Berlin

Velve in der Passionskirche

Ein Interview mit der Musikerin zu ihrem Konzert am Sonntag (11.11.) in der Passionskirche.

Velve

Velve arbeitete als Sängerin und Songwriterin u.a. für EMI, Ladomat sowie für britische und französische Labels. Mit „Novelettes Of Love“ stellt sie ihr erstes selbst komponiertes und produziertes Album vor.

tip In den letzten Jahren liehen Sie Ihre Stimme und Kompositionen anderen Projekten und Künstlern. Was bewog Sie, schließlich doch eine eigene Platte aufzunehmen?
Velve Ich habe mit Daniel Brandt von Brandt, Brauer, Frick gearbeitet, mit Pole, mit Golden Boy (Miss Kittin), Songs für britische und französische Labels beigesteuert. Und dann das…! Es ist einfach passiert, es wollte „aus mir heraus“. Schon als kleines Kind bin ich jeden Morgen mit einer neuen, eigenen Melodie im Kopf aufgewacht, oft sogar mit Text dazu und meine Eltern hielten mich für verrückt. Es hat ziemlich lange gedauert, bis ich gemerkt habe, dass ich nicht verrückt bin.

tip Die Aufnahmen fanden in Köln und Berlin, ihrer Heimat, statt, spiegeln jedoch nicht den Klang deutscher Großstädte wider, sondern beinhalten eine Melancholie, die man eher britischen Trip-Hop-Bands zugetraut hätte.
Velve Ja, ich fürchte ich habe eine britische Seele. Ich liebe Rosenhecken- und Darjeeling-Melancholie. Wenn ich keine Katzenhaar-Allergie hätte, hätte ich auch nichts dagegen, wenn mir noch eine Katze um die Beine schleichen würde, während es draußen regnet und einfach nur schön grau ist. Ich liebe britisches Flair und kann ganz darin aufgehen, wie sich die englische Sprache in Musik einfügen lässt. Ich liebe auch den britischen Humor, die Poesie und Mystik.

tip Die Songs auf „Novelettes of Love“ besitzen einen sehr persönlichen Charakter. Gibt es einen roten Faden, der sich durch das Album zieht oder entstanden die Stücke aus einer bestimmten Stimmung heraus?
Velve Die Stücke entstanden ohne jegliches Kalkül, was den Aufbau betrifft. Ich habe nicht viel gedacht, sondern überwiegend gefühlt, als ich sie schrieb. Hinterher stellte ich fest, dass sie wie kleine Kurzgeschichten sind. Deshalb nannte ich das Album auch „Novelettes of Love“, also Kurzgeschichten über die Liebe. Stell Dir vor, Du blätterst durch ein kleines Büchlein Deiner Beziehung, mit lauter Anekdoten – vom ersten tollen Sex über das Verliebtsein bis hin zu ersten Zweifeln und dem letztlichen Scheitern. Und dann, wenn es gut läuft – Rückblick und Vergebung. Das Songwriting hat genauso lange gedauert wie die Beziehung, nämlich ein halbes Jahr. Zugegeben entsteht gerade mein zweites Album, und ich bin froh, noch keine neue Beziehung zu haben, sonst würde ich ja vielleicht zehn bis zwanzig Jahre dafür brauchen… wer weiß. Ich möchte auch nicht mehr nur über Beziehungen schreiben.

tip Einen Titel wie „Morninglight“ verstehe ich als Manifest der Authentizität und gegen den Perfektionismus.
Velve Stimmt, das war ein schöner offener Moment der Beziehung, wo man sich dem anderen ganz so zeigen konnte wie man ist. Mich interessiert sowieso, was noch darunter liegt, das Leben ist für mich ein einziges Sfumato und es gilt, den Schleier weg zu nehmen, von Deinen wahren Gefühlen, von Deiner nackten Seele.

tip Ist Berlin so ein Ort, der dies zulässt?
Velve Nein, leider eher ein künstlerischer Ort, an dem man sich zumindest im englischsprachigen Bereich wenig Eigenes traut und überwiegend aus England und USA importiert.

tip Wie würden Sie Berlin charakterisieren?
Velve Ein hypnotisierender und faszinierender Ort mit Janusgesicht. Die eine Seite ist schillernd, frivol, verträumt. Die andere rau, treibend und sehr auf den Punkt. Und beides mag ich sehr!

tip Sie spielten in der jüngeren Vergangenheit an ganz unterschiedlichen Locations, was bewog Sie für das Konzert im November die Passionskirche auszuwählen?
Velve Es gibt in meiner Musik einen meditativen bzw. spirituellen Anteil, der gut in eine Kirche passen könnte. Und nicht zuletzt bin ich gespannt auf die Akustik!

Interview: Ronald Klein

Velve, Passionskirche, So 11.11., 20 Uhr

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