Einzelausstellung

Verblendet – Azade Köker in der Zilberman Gallery Berlin

Zarte Zerstörungswut: Azade Köker schafft sehr bedrohliche Szenarien aus sehr filigranem Material

Emre Levent Malkoc / Courtesy Zilberman Gallery and Azade Köker

Dramatisch wie einen Krimi, dessen Handlung sich nur erahnen oder fühlen lässt, hat die Künstlerin Azade Köker ihre Ausstellung „Verblendet“ in der Galerie Zilberman inszeniert. In einem dunklen Raum zeigt die Skulpturengruppe „Relikte der Stadt“ mit Lichtstäben von innen erleuchtete leere Gebäudestrukturen aus Papier, Gaze und Drahtgeflechten. Ebenso wie die Arbeit „Verlassene Dichte“ mit den stabförmig in die Höhe gerichteten Hochhausformen wirken sie wie Ruinen der Zivilisation nach einem Krieg oder einer atomaren Katastrophe.

Hier ist der Mensch mit seinem Wunsch nach Geborgenheit wie auch seiner Aggression und Zerstörungswut überall spürbar. Winzige Wohnschachteln, mit gepunktetem Stoff „gemütlich“ gestaltet, von kaum sichtbaren Bomberflugzeugen aus feinem Papier ins Ziel genommen („Invasion“), zeigen den Menschen sowohl als Aggressor wie auch in all seiner Fragilität. Ein Vorhang aus durchscheinendem weißen Nylonstoff mit vom Saum herunterhängenden Händen erweckt die Assoziation des Eingreifens ins Privatleben, sehr plakativ, aber wirkungsvoll gruselig.

Die in Berlin und Istanbul lebende Künstlerin wurde 1984 das erste Mal in größerem Rahmen im Bethanien mit ihren archaischen Holz- und Terracotta-Skulpturen verletzlicher Frauenfiguren voller Poesie präsentiert. Ihre Themen waren damals Identität, Machtstrukturen und Geschlechterrollen. Auch da arbeitete sie schon an Stadtansichten mit dicht zusammengedrängten Gebäuden – Städte als Heimat und Rückzugsort und dann wiederum als gieriger, kräftezehrender Sog. Azade Kökers Arbeiten strahlen eine ständige Bedrohung des Menschen durch den Menschen aus, gleichzeitig dessen Naivität, Hoffnung, Verdrängung und – Verblendung?

Verblendet – Azade Köker Zilberman Gallery Berlin, Goethestr. 82, 1.OG, Charlottenburg, bis 5.1.2019 , Di­­–Sa 11–19 Uhr
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