Berlin Underground

„Verdammt noch mal Berlin – Fucking City Revisited“ im Kino

West-Berlin! Der einstige Sehnsuchtsort für Tagediebe und Andersdenkende zehrt längst nur noch vom Glanz vergangener Tage. Welches Lebensgefühl hier verloren gegangen ist, wird umso deutlicher, hat man das Vergnügen, den 39. und vielleicht letzten Film von Lothar Lambert zu sehen

Lothar Lambert

„Verdammt noch mal Berlin – Fucking City revisited“ heißt der leicht melancholische Blick auf sein Leben und Werk. Eine Art Dokumentarfilm, reich an Zitaten aus Filmen und Gesprächen mit Freunden und Mitstreitern. Natürlich ist „1 Harlem Berlin“ dabei, Lamberts Aufarbeitung seiner unglücklichen Liebesgeschichte mit einem schwarzen US-Soldaten; er wurde vom New Yorker MOMA angekauft. Logisch: „Fucking City“ von 1981, einer von Lamberts größten Erfolgen, an den nun der Untertitel verweist. Da ist es wieder, dieses herrlich schrundige West-Berlin voller Geschichten und Visionen.

Inzwischen braucht Lothar Lambert einen Stock, wenn er hier durch die herbstlichen Kulissen der modernen Hauptstadt flaniert. Er führt zu den Orten, wo Klaus Nomi auftrat, die besten Travestie-Shows unendlichen Spaß garantierten und all die unabhängigen Kinos standen, die ein Herz hatten für Independent-Filme und eben für schräge Undergound-Impressionen made by Lothar Lambert.

Humor und Lebenslust, ein Faible für Randfiguren, für Menschen, die sich im Großstadtgestrüpp verheddern und trotzdem nicht unterzukriegen sind. Sie strudeln durch Lamberts Filme, die stets im Alleingang entstanden: Idee, Regie, Kamera, Schnitt, Ton. Was jedoch vor der Kamera geschah, wurde vom Zufall und der Improvisationslust der Darsteller geprägt. Sie kamen aus Lamberts Freundeskreis: darunter Ulrike S., Eva Ebner, Nilgün Taifun, Erika Rabau, Stefan Menche, Dagmar Beiersdorf, Hans Marquardt und natürlich immer wieder Lothar Lambert selbst.

Trash, Lust am Leben und am Experiment – kinky Sex oder großes Drama: Lothar Lambert will es sehen, will alles in seinen Filmen. Und so werden es ihm die Ethno- und Soziologen dereinst danken, für diese Fundgrube über das, was in technologisch „unterentwickelten“ Zeiten mal so möglich war. Cristina Moles Kaupp

Verdammt noch mal Berlin – Fucking City Revisited D 2017, 112 Min., R: Lothar Lambert, D: Arnfried Binhold, Dennis Buczma, Anna Dörrast, Lothar Lambert, Start: 17.5.

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