Film Interview

„Vererben wir nur noch Festplatten?“

Die britische Schauspielerin Lily James über das Lesen und ­Schreiben, ihre Oma und ihren neuen Film Deine Juliet

Foto: Studiocanal / Kerry Brown

Die 1989 als Lily Chloe Ninette Thomson geborene Lily James gab 2012 in „Zorn der Titanen“ ihr Langfilmdebüt und feierte 2015 als „Cinderella“ ihren Durchbruch. Nach ihrer Hauptrolle in „Die dunkelste Stunde“ ist James nun als Schriftstellerin in „Deine Juliet“ von Mike Newell zu sehen.

Ein Leben als Schriftstellerin – haben Sie davon je geträumt?
Lily James Ich bin mir nicht sicher, ob eine Autorin in mir steckt. Obwohl ich früher auf Anregung meiner Eltern viele Jahre Tagebuch geschrieben habe, bis mir dann an der Schauspielschule einfach die Zeit fehlte. ­Heutzutage schreibe ich leider kaum noch.

Haben Sie mal in die alten Tagebücher ­geguckt?
Ich habe tatsächlich kürzlich mal in einige hineingeschaut, aber da ging es vor allem um Jungs (lacht). In der Schauspielschule gehörte es mal zu einer unserer Übungen, unsere ­Ziele aufzuschreiben. Aber mir war es etwas zu plump, so etwas zu schreiben wie „Ich will einen Oscar gewinnen!“. Ich habe versucht, ein bisschen cooler und abstrakter zu sein.

Briefe schreiben Sie vermutlich, wie wir alle, auch kaum noch, oder?
Tragisch, nicht wahr? Manchmal frage ich mich, wie späte Generationen überhaupt noch etwas über die Vergangenheit lernen sollen, jenseits der Geschichtsbücher. Vererben wir alle nur noch irgendwelche Festplatten? Als ich kürzlich mit meiner Mutter den Dachboden durchstöberte, fanden wir eine ganze Kiste mit Briefen meiner Oma, sowohl handschriftlich als auch mit Schreibmaschine ­geschrieben. Auf diese Weise einen Einblick in ein Leben zu bekommen, ist eine so wunderschöne wie wertvolle Erfahrung.

Es ist erst acht Jahre her, dass Sie die Schauspielschule abgeschlossen haben. Wann wussten Sie, dass Sie diesen Weg einschlagen wollen?
Irgendwie habe ich schon als Kind gerne ­gesungen und getanzt. Ich habe ständig ­Geschichten erzählt und bin in die verschiedensten Rollen geschlüpft. Meine Eltern haben das von Anfang an gefördert und mich auch auf eine Schule gesteckt, wo Kunst und Darstellendes Spiel besonders im Fokus standen.

Sie stammen aus einer künstlerischen ­Familie?
Mein verstorbener Vater war Musiker und Autor und versuchte sich hin und wieder auch als Schauspieler. Und seine Mutter war die US-Schauspielerin Helen Horton, die für ganz viele Fernseh- und Kinoproduktionen vor der Kamera stand.

War Ihre Oma für Sie Vorbild?
Nein, meine Oma war für mich meine Oma. Die erste Schauspielerin, die ich wirklich für ihre Arbeit bewundert habe, war Cate Blanchett. Deswegen war es natürlich das Größte für mich, dass ausgerechnet sie in „Cinderella“ meine Stiefmutter spielte. Manchmal stand ich einfach nur mit offenem Mund neben der Kamera und sah ihr fasziniert bei der Arbeit zu. So eine herausragende Schauspielerin, großzügige Kollegin und tolle Mutter, die ihre Kinder mit zum Set bringt, wäre ich auch ­gerne eines Tages.

Haben Sie manchmal Angst, dass morgen alles vorbei sein könnte?
Nicht wirklich, auch wenn ich manchmal gar nicht glauben kann, wie unglaublich die letzten paar Jahre verlaufen sind. Ich bin aber ohnehin kein sonderlich ängstlicher Mensch, schon als Kind nicht. Düstere Märchen oder Monster im Fernsehen konnten mir nichts anhaben. Vielleicht wirklich, weil meine Fantasie so ausgeprägt war. Das einzige, wovor ich mich damals gefürchtet habe, waren Kidnapper. Dass irgendein Mann mich aus unserem Auto oder aus dem Schlafzimmer entführen könnte, war die einzige Sorge, die mich wirklich umtrieb.

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