Stadtleben und Kids in Berlin

Vergleich: Carsharing – Modelle in Berlin – Fortsetzung

cartogoFlexibler sind da die Angebote der Fahrzeughersteller, die mit Car2Go und Co vom Prinzip her eine Art Selbstfahrer-Taxi-Dienst offerieren, bei dem sich Nutzer innerhalb des großstädtischen Geschäftsgebiets von A nach B chauffieren. Mit rund 1?000 Smarts hat allein Daimler als Joint Venture mit Europcar unlängst Berlin geflutet. Dass die drolligen Autos einem nicht unbedingt häufiger als andere Modelle in der City auffallen, liegt auch daran, dass das Einsatzgebiet von Car2Go sich aufs gesamte Stadtgebiet verteilt und auch auf Buchungen an den Rändern abzielt. Vor allem, wenn nachts die letzte S-Bahn abgefahren ist, gibt es noch mal einen Run, berichtet die Mitarbeiterin im schicken Shop in der Rosa-Luxemburg-Straße. In den Corporate-Design-Farben Weiß und leuchtend Blau, ausgestattet mit weißen Sitzkuben vor feinen Apple-Terminals, sieht es hier aus wie in einem Laden für MacBooks oder wie beim Edelfriseur. Am Samstag ist hier reger Betrieb: Junge und modebewusste Leute betreten den Laden. In Zeiten, in denen immer weniger Jüngere Interesse am eigenen Pkw als Statussymbol haben, verkauft der Stuttgarter Konzern mit seiner gut aussehenden Car2Go-Flotte auch ein Stück Lifestyle, mit dem die sonst wenig autoaffine Twitter-Generation umgarnt wird.

 

Doch auch auf Menschen, die vor allem aus Sparsamkeitsgründen aufs Teilen setzen, haben sich Anbieter spezialisiert. Mit den Pritschenwagen von Robben und Wientjes haben wohl die meisten Berlin-Bewohner schon Umzüge erlebt. Nun merken viele, dass das Unternehmen auch Pkws vermietet. Firmen wie Das hässliche Entlein (www.die-ente.de) haben das amerikanische Rent-a Wreck-Prinzip (deutsch: „Miete eine Schrottkiste“) nach Berlin importiert: Viele der Leihwagen haben schon einige Jährchen auf dem Buckel und mitunter Beulen im Blech. Dafür aber kostet die Miete dann auch nur rund 20 Euro am Tag.

Was spricht dann bei Mäßigfahrern eigentlich noch für den Besitz eines eigenen Wagens? Die Urlaubsreise? Das erledigen viele Stammkunden bei Cambio ebenfalls mit dem Teilzeit-Mobil, hat man im Kreuzberger Büro beobachtet. Man unterscheide sich da teils nicht sehr von den Preisen der herkömmlichen Autovermieter, sagt Cambio-Geschäftsführer Reemt Abelbeck. Im Durchschnitt aber, so rechnete „Finanztest“ vor, schnitten bei längerer Mietdauer traditionelle Leihwagenfirmen oft als die preiswertere Alternative ab. Ab rund 50 Euro etwa sind beispielsweise Kleinwagen für ein Wochenende zu haben. Zwar könne man Berlins Billig-Klassiker Robben und Wientjes auch bei Cambio noch keine Konkurrenz machen, räumt Abelbeck ein. Man plane aber, ein Transportermodell künftig in den Fuhrpark aufzunehmen, um Kunden auch mal beim Umzug dienlich zu sein.
Für den Besitz eines eigenen Pkw spricht vor allem wohl Bequemlichkeit – und ein Quäntchen Psychologie. So erfordert der Umgang mit fremdem Eigentum erhöhte Aufmerksamkeit. Denn ganz so lässig wie die Schramme im eigenen Blech kann man Kratzer am Fremd-Auto nicht nehmen. Gibt es einen neuen Schaden, auch einen kleinen, muss man sich darum kümmern, im Ernstfall finanziell dafür geradestehen. So ist es wichtig, vor jeder Fahrt einen Kontrollgang durchzuführen. Gibt es Kratzer oder Beulchen, die noch nicht im Bordbuch verzeichnet sind? Vor der Beifahrertür kauernd, um eine Schramme genauer zu inspizieren, fühlt man sich da ein wenig wie ein Korinthenkacker.

Bei Car-Sharing-Verträgen liegt der Selbstbeteiligungsanteil im Schadensfall dann auch meist ziemlich hoch. Der Betrag lässt sich nur gegen eine Extra-Jahresgebühr senken: Bei Cambio verringert sich der Standard-Selbstanteil von 1?000 auf 200 Euro bei einer zusätzlichen Jahreszahlung von 50 Euro. Bei Flinkster sind bereits 90 Euro fällig, um 1?500 Euro auf 300 zu drücken. Um sich durch die Rechenbeispiele zu arbeiten und das beste Angebot zu ermitteln, braucht es Zeit. Zudem muss man sein eigenes Fahrverhalten kennen. Die Durchschnittskosten pro Monat variieren daher ähnlich individuell wie Handykosten. So richtig „easy“ oder „ready to go“, wie das mancher Car-Sharing-Werbeslogan suggeriert, ist das nicht. Aber das Prinzip funktioniert. Jedenfalls innerhalb der zentralen Inseln der geteilten Glückseligkeit.

Text: Ulrike Rechel
Fotos: Christoph Morlok

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www.carsharing-berlin.de

 

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