Stadtleben und Kids in Berlin

Verkehrsrowdys in Berlin – den schlimmsten Rasern ist Flensburg egal

Die Gewerkschaft der Polizei fordert, dass bestimmte Verkehrssünden strenger geahndet werden. Das Flensburger Punktesystem wurde zwar reformiert, doch das brachte nicht die gewünschten Ergebnisse.

Foto: https://pixabay.com/de/berlin-straße-siegessäule-verkehr-2880093/

2014 gab es eine Reform der 50 Jahre alten Flensburger Punktekartei, bei der einige Strafen erhöht wurden. Das umständliche Punktesystem mit Strafen zwischen 1 bis 7 Punkten wurde vereinfacht, nun gibt es nur noch 1 bis 3 Punkte. Die Verwarngelder wurden angehoben, manche Verstöße werden strenger geahndet. Welche Strafen aktuell für die verschiedenen Verstöße gegen die Straßenverkehrsordnung drohen, lässt sich auf bussgeldkataloge.de einfach recherchieren. Die folgende Tabelle ermöglicht einen kleinen Überblick:

 

Verstöße = 1 Punkt Alte Strafe Neue Strafe
Fahren ohne Zulassung 50 € 70 €
Verstoß gegen das Handyverbot 40 € 60 €
keine oder falsche Ladungssicherung 50 € 60 €
Kinder nicht (ausreichend) gesichert 40 € 60 €
Verstoß gegen die Winterreifenpflicht 40 € 60 €
Zeichen oder Anweisung eines Polizeibeamten nicht befolgt 50 € 70 €

 

Wann verliert man seine Fahrerlaubnis?

Eigentlich sind die Signale eindeutig, die durch die Flensburger Reform gesendet werden, doch der Gewerkschaft der Polizei ist das noch nicht streng genug. Dabei muss man nicht viel tun, um seine Fahrerlaubnis zu verlieren – hier einige Beispiele:

 

Delikt Punkte Fahrverbot
Überschreiten der Höchstgeschwindigkeit

innerorts

 

ab 31 km/h 2 1 Monat
ab 51 km/h 2 2 Monate
ab 70 km/h 2 3 Monate
Überschreiten der Höchstgeschwindigkeit

außerorts

 

ab 41 km/h 2 1 Monat
ab 61 km/h 2 2 Monate
ab 70 km/h 2 3 Monate
Rotlicht missachtet mit Gefährdung 2 1 Monat
mit Sachbeschädigung 2 1 Monat
Unterschreiten des Mindestabstands

(bei 130km/h)

 

5 m 2 3 Monate

 

Die etwas höheren Strafen halten jedoch keinen Verkehrsrowdy davon ab, mit überhöhter Geschwindigkeit durch die Stadt zu rasen. Zwar ist in Berlin die Zahl der Verkehrstoten glücklicherweise seit Jahren rückläufig, dennoch wird die Metropole als Hauptstadt der Drängler, Raser und Rowdys gehandelt. Man kann sagen, dass sich der rauere Ton in der Gesellschaft, der sich auch in den sozialen Medien deutlich zeigt, ebenso im Straßenverkehr spiegelt. Rücksichtsloses Fahren, Pöbelei, unvorsichtiges Öffnen von Türen, Behinderung anderer Fahrer – es macht keinen Spaß, Berlins Straßen zu benutzen. Das hängt teilweise auch damit zusammen, dass die Zahl der Verkehrsteilnehmer immer weiter ansteigt, Baustellen gefühlt eine Ewigkeit nicht zu Ende gebracht werden und sich die Autos durch manches Nadelöhr quetschen müssen. Und ist einmal eine Nebenstraße gesperrt, bricht auf der Hauptstraße noch mehr das Chaos aus als ohnehin. Dann kochen die Emotionen hoch.

Viel zu häufig geschehen auch richtig schlimme Dinge, die sich mit etwas Stau oder Ungeduld nicht mehr erklären lassen. Dann nämlich, wenn rücksichtslose Rowdys die Straße zu ihrer persönlichen Rennstrecke erklären und ohne Rücksicht auf Verluste durch die Gegend rasen. Mit Geschwindigkeiten, die weit über das normale Maß hinausgehen.

Manchmal fordert ein solcher Leichtsinn sogar Leben, besonders beachtet von der Öffentlichkeit 2016 am Kudamm.

Mord oder nicht? Der Kudamm-Raser Prozess wird neu aufgerollt

Am 1. Februar 2016 haben sich zwei junge Männer Mitte 20 (Marvin N. und Hamdi H.) auf dem Kurfürstendamm und dem Tauentzien ein Rennen geliefert, bei dem sie mit mehr als 170 Stundenkilometern zwölf Kreuzungen bei roter Ampel überfuhren. Das kostete einen Unbeteiligten das Leben. Ein gutes Jahr später wurden die beiden vom Landgericht Berlin wegen Mordes zu lebenslangen Freiheitsstrafen verurteilt. Das sandte ein starkes Signal an alle Raser, die aus Leichtsinn das Leben anderer gefährden.

Ein weiteres Jahr später hob der Bundesgerichtshof das Urteil jedoch wieder auf. Es befand, es sei nicht gut genug begründet worden. Der Prozess wird wieder aufgerollt.

Doch es muss nicht immer gleich um Leben und Tod gehen. Manchmal reicht schon der Zeitdruck aus, um Menschen zu Rasern werden zu lassen. Das lässt sich auch daran ablesen, dass es immer mehr Unfälle – teilweise mit Schwerverletzten und Toten – bei Unfällen mit Carsharing-Autos gibt.

Carsharing – der Einstieg ins Verkehrsrowdytum?

Eigentlich sollen Carsharing-Wagen eine gute und günstige Alternative zum eigenen Wagen sein. In der Praxis sieht es jedoch so aus, dass es häufig zu schweren Unfällen kommt. Gerade wenn Fahranfänger versuchen, den Mietpreis für den Wagen gering zu halten, passieren immer wieder schwere Unfälle.

Kein Wunder eigentlich, wenn die Gebühr für den Wagen nach Minuten abgerechnet wird und man noch dazu ein kleines Geschoss unter dem Hintern hat. Da ist die Versuchung groß, durch den Tritt aufs Gaspedal dem zeitbasierten Geschäftsmodell ein Schnippchen zu schlagen. Eine Lösung kann sein, die Wagen nur noch stundenweise zu vermieten oder vermehrt Elektroroller auf die Straßen zu bringen, die höchstens 45 Kilometern pro Stunde fahren. Diese sind schon immer häufiger auf Berliner Straßen zu sehen.

Es gibt jedoch eine weitere Personengruppe, die sich als Verkehrsrowdys immer wieder einen Namen machen – die Diplomaten.

Diplomaten: Gesetzlose auf der Straße

Wenn es um die Verkehrssünder in Berlin geht, sind Diplomaten ganz an der Spitze mit dabei. 2016 verursachten sie mehr als 22.000 Verkehrsverstöße, die manchmal sogar tödlich enden. Doch mit einer Strafe müssen die Angehörigen fremder Botschaften nicht rechnen. Sie genießen Immunität und sind vor Strafverfolgung geschützt. So kommt es, dass sie falsch parken, rasen und auch schon einmal betrunken fahren.

Prozentual gesehen fahren die Vertreter aus den Philippinen, dem Sudan und Griechenland am rücksichtslosesten. Die Diplomaten aus den Philippinen sind zwar nur mit 60 Autos in Berlin unterwegs, bringen es jedoch auf 485 Strafzettel pro Jahr.

Als Resümee lässt sich sagen, dass die Lage auf Berlins Straßen bedenklich ist – und sich das voraussichtlich in der nächsten Zeit nicht ändern wird. Es gibt mehr Baustellen, mehr Verkehrsteilnehmer und eine noch angespanntere Stimmung – alles Faktoren, die den täglichen Verkehrsgau begünstigen, der manchmal leider mit Schwerverletzten oder Toten endet.

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