Lost Places

Verlassene Orte in Berlin: Diese Lost Places erzählen die Geschichte der Stadt

Zerschlagene Fenster, Bauschutt, verkommene Fassaden: Verlassene Orte in Berlin haben mehr zu bieten als ihren schmutzigen Charme – eine oft lebhafte Geschichte. Wo einst das Leben tobte, herrscht jetzt totale Stille. Wir stellen interessante, verlassene Orte in Berlin vor.


Der verlassene Spreepark

Einzigartig wie eine Filmkulisse: Einsam und regungslos ragt das Riesenrad des Spreeparks über die Gipfel der Bäume im Plänterwald.
Einzigartig wie eine Filmkulisse: Einsam und regungslos ragt das Riesenrad des Spreeparks über die Gipfel der Bäume im Plänterwald. Foto: imago/Winkler

Es hat etwas Gruseliges, Skurriles: Das stille Riesenrad erhebt sich über den Wipfeln des Berliner Plänterwaldes. Regungslos liegt der T-Rex im Gras. Um seinen maroden Körper herum wuchert üppiges Grün. Bis 2002 war der Spaßfaktor im Spreepark hoch. Zuckerwatte essende Kinder und Eltern, die Taschen vollgestopft mit Kleingeld für das nächste Karussell, tummelten sich auf dem Gelände. 1969 eröffnet, war der damalige VEB Kulturpark Berlin der einzige Freizeitpark der DDR. Heute, 18 Jahre nach der Schließung des Parks (und einer irren Geschichte um seine letzten Betreiber, das Schaustellerpaar Pia und Norbert Witte), hat die Natur das Gelände zurückerobert.

Auf eigene Faust kann man das Gelände, das schon oft als Filmkulisse diente, aber nicht erkunden. Riesenrad, Achterbahn und die alten Gebäude sind teils nicht abgesichert und einsturzgefährdet. Zwischen April und Anfang November werden jährlich zwar Touren angeboten, diese sind zurzeit jedoch wegen der Coronavirus-Pandemie ausgesetzt. Eine künftige Wiederbelebung des Spreeparks ist auch geplant.


Die Beelitz-Heilstätten

Die Beelitz-Heilstätten sollen nach und nach ihr Grusel-Image loswerden: Die Stadt Beelitz plant auf dem Areal einen ganzen, eigenen Stadtteil. Foto: imago/POP-EYE

Seit 1898 wurden in den Räumlichkeiten des Gebäudes in Beelitz Tuberkulose-Patienten behandelt. Im Ersten Weltkrieg wurde die Klinik als Lazarett für verwundete Soldaten zweckentfremdet. Danach lagen die Heilstätten brach und wurden zum Anziehungspunkt für Geisterjäger. Tatsächlich könnte das düstere Gelände Spielstätte für einen Horrorfilm sein. Und wurde auch schon des Öfteren für Dreharbeiten genutzt. Zudem wurde mit Grusel-Tourismus hier Geld verdient.

Die verlassenen Beelitz-Heilstätten wurden bekannt für ihre morbide Atmosphäre. Foto: imago/POP-EYE
Die verlassenen Beelitz-Heilstätten wurden bekannt für ihre morbide Atmosphäre. Foto: imago/POP-EYE

Vor einigen Jahren begann man sich in Beelitz dann dafür einzusetzen, dass das historische Gelände seinen Horror-Ruf verliert. 2016 begann man mit der Renovierung des Geländes, die nach und nach voranschreitet. Es wurden Mietwohnungen gebaut. Bis 2028 soll laut der Stadt Beelitz ein ganzer Stadtteil auf dem Areal der ehemaligen Klinik entstehen.


Die ehemalige Abhörstation auf dem Teufelsberg

Wunderschöner Ausblick und eine lebhafte Geschichte: Auf der Abhörstation auf dem Teufelsberg fühlt man sich zurückversetzt in die Zeit des Kalten Krieges.
Wunderschöner Ausblick und eine lebhafte Geschichte: Auf der Abhörstation auf dem Teufelsberg fühlt man sich zurückversetzt in die Zeit des Kalten Krieges. Foto: imago/PEMAX

In den 1950er-Jahren, während des Kalten Krieges, errichtete die US-Armee auf dem Teufelsberg eine Abhörstation. Nach der Wiedervereinigung wurde die Anlage noch einige Jahre zur zivilen Luftüberwachung des Flugverkehrs genutzt. Der Plan, auf dem Gelände ein Hotel samt Spionagemuseum und Wohnungen zu errichten scheiterte am massiven Widerstand von Umweltschützern und zu hohen Kosten.

Besonders auf der höchsten Ebene der Station, wo sich die große Kuppel befindet, fühlt man sich ein in die Historie dieses geschichtsträchtigen Ortes. Führungen, die die Geschichte der Spionage-Station beleuchten, werden angeboten, müssen zurzeit aber auch wegen der Coronavirus-Pandemie pausieren.


Das Institut für Anatomie der FU Berlin

Berlins wohl einzigartigster Hörsaal: Im anatomischen Institut der FU wird seit dem Jahr 2005 nicht mehr studiert.
Berlins wohl einzigartigster Hörsaal: Im anatomischen Institut der FU wird seit dem Jahr 2005 nicht mehr studiert. Foto: rottenplaces.de/Archivfoto

Im ehemaligen Institut für Anatomie der FU Berlin wird nicht mehr studiert. Der heruntergekommende Hörsaal versprüht heute ein gespenstisches Flair. Eröffnet wurde das Gebäude als anatomisches Institut im Jahr 1949. Seit 2005 herrscht hier kein Betrieb mehr. Damals fusionierte die FU mit den medizinischen Instituten der Humboldt-Universität zur „Charité – Universitätsmedizin Berlin“. Und der Campus wurde nach Mitte verlagert.

In dem Gebäude befinden sich neben dem Hörsaal noch Laboratorien, Büros, Seziertische und Kühlkammern. 2008 kaufte Aldi das Gelände. Der Plan, auf dem Areal einen Discounter-Markt zu errichten, wurde jedoch vom Oberverwaltungsgericht blockiert. Zurzeit herrscht also Stille im anatomischen Institut. Was aus dem Gebäude wird, bleibt abzuwarten. Offiziell ist das Betreten des Geländes verboten.


Das Kinderkrankenhaus Weißensee

Von 1911 bis 1997 wurde im Kinderkrankenhaus Weissensee gegen die hohe Säuglingssterberate gekämpft. Foto: imago/Ritter

Im ehemaligen Kinderkrankenhaus in Weißensee sollte nach der Eröffnung 1911 die hohe Säuglingssterblichkeit der damaligen Zeit bekämpft werden. Auch in der DDR nutzte man das Gebäude noch als Kinderkrankenhaus. Seit 1997 steht es leer. Der Bezirk hat viele Ideen für die Nutzung. Beispielsweise könnten auf dem Areal eine Schule oder Wohnungen entstehen. Zurzeit tut sich auf dem Gelände der ehemaligen Klinik noch nichts. Das Betreten des Grundstücks ist verboten. Das kann aber viele Menschen, zum Beispiel Graffiti-Gangs, nicht davon abhalten, sich auf dem Gelände kreativ auszutoben.


Das ehemaliges Freizeitbad Blub

Das Spaßbad Blub war überregional beliebt. Der verlassene Ort in Britz soll ab 2021 neu bebaut werden.
Das Spaßbad Blub war überregional beliebt. Der verlassene Ort in Britz soll ab 2021 neu bebaut werden. Foto: imago/Schilf

Verlassene Orte in Berlin gibt es einige, aber kaum einer wurde von Berliner*innen und Kreativen aus aller Welt, die den Zauber verlassener Orte zu schätzen wissen, so geliebt wie das ehemalige Spaßbad Blub. 2005 musste das beliebte Freizeitbad wegen großer Hygiene-Mängel schließen. Der Münchner Investor, der das Grundstück 2012 erwarb, lässt es seither verfallen. Sein Plan, auf dem Gelände teure Stadtwohnungen zu errichten, wurde von der Berliner Regierung 2016 blockiert. In den Bebauungsplan müssen nun 18 Prozent Sozialwohnungen integriert werden.

Kürzlich wurde die Situation neu diskutiert. Es könnte sein, dass 2021 endlich mit der Bebauung des ehemaligen Spaßbads begonnen wird.


Die alte Bärenquell-Brauerei

Bier gebraut wird in der Bärenquell-Brauerei schon lange nicht mehr. Seit 2020 gibt es neue Bebauungspläne für das Areal.
Bier gebraut wird in der Bärenquell-Brauerei schon lange nicht mehr. Seit 2020 gibt es neue Bebauungspläne für das Areal. Foto: imago/Schöning

In Niederschöneweide liegt die verlassene ehemalige Bärenquell-Brauerei. Seit Anfang der 90er-Jahre wird hier nicht mehr gebraut. Die riesige Industrie-Ruine stand lange Zeit unter Denkmalschutz. Seit Anfang 2020 ist jedoch klar, dass sich das Gelände in den nächsten Jahren vollständig verwandeln wird. Ein israelischer Investor will auf dem 44.000-Quadratmeter-Areal an der Schnellerstraße bauen: Geschäfte, Büros, Gastronomie und eine Privat-Universität sollen entstehen. Berlin wird dann um einen verlassenen Ort ärmer sein. Und an die ehemalige Brauerei soll nur noch ein Museum erinnern.


Die alte Siemensbahn

Bis 2029 sollen die Bahnen durch den verlassenen S-Bahnhof Wernerwerk wieder rollen. Foto: imago/Heinrich

Die alte Siemensbahn umfasst ein 4,5 Kilometer langes Streckennetz zwischen Gesundbrunnen und Siemensstadt. Sie wurde bis zu ihrer Stilllegung 1980 von Siemens-Mitarbeiter*innen genutzt. Die Strecke, die auch am verlassenen S-Bahnhof Wernerwerk vorbeiführt, steht unter Denkmalschutz.

Mitte 2019 beschloss das Land Berlin allerdings eine Reaktivierung der Bahn. Bis 2029 sollen auf der Strecke wieder S-Bahnen fahren: mit Anschluss zum Hauptbahnhof und zum BER. Wer noch einen Blick auf die überwucherten, geschichtsträchtigen Gleise erhaschen will, hat dafür bis 2021 die Gelegenheit. Dann sollen die Baumaßnahmen beginnen.


Das stillgelegte Stadtbad Lichtenberg

Zwischen 1928 und 1991 konnten Besucher im Stadtbad Lichtenberg, auch Hubertusbad genannt, in den 20 bis 25 Meter langen Becken schwimmen, sich auf der großzügigen Sonnenterrasse ausruhen oder saunieren. 1991 wurde das Bad geschlossen, aufgrund von Schäden an der Hauptwasserzufuhr. Die in die Jahre gekommene Anlage konnte nicht mehr repariert werden. Seither verkommt das Stadtbad Lichtenberg zum Geister-Schwimmbad. Selten gibt es Führungen.

Das Stadtbad Lichtenberg ist mittlerweile Eigentum des Landes Berlin. Für das Gebäude gibt es unterschiedliche künftige Nutzungsideen. Als Schwimmbad wird das Hubertusbad sehr wahrscheinlich nicht mehr seine Türen öffnen. Ideen gibt es viele, die Planung geht jedoch schleppend voran, da Umbauten an dem alten, denkmalgeschützten Gebäude sehr kostspielig wären.


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