Chamber-Pop

Die dunkle Seite der Sixties

Boulevard der zerbrochenen Träume: Jonathan Bree von The Brunettes widmet sich stilsicher der dunklen Seite der Sixties

Foto: Promo

Musiker in Neuseeland zu sein muss einerseits wundervoll sein, gilt das Land doch als eines der schönsten des Planeten. Jonathan Bree ist hier zu Hause, man kennt ihn als Songschreiber von Aucklands verblichener Twee-Pop-Band The Brunettes. Andererseits kennt er die finanziellen Herausforderungen, als Kiwi-Band durch die Welt zu touren: ernüchternd. Dabei lief es eine Zeit lang prima. Als The Brunettes in den Nullerjahren zu Indie-Lieblingen down under avancierten, meldete sich Neil Finn bei ihnen. Der Crowded-House-Kopf und Pop-Nationalheilige verhalf den Talenten zum Majorplattendeal.

Doch der Höhenflug währte nicht lang; Brees Traum, mit fein arrangiertem Phil-Spector-Pop die Welt zu erobern, zerplatzte nicht zuletzt aus Geldgründen. Seither hat der Songschreiber viel nachgedacht, auch über jugendliche Flausen, die ihn zeitweise zum wohnsitzlosen Bohèmian in der Musiker-Community von L.A. machten. Als Solist hat der Autodidakt inzwischen drei ­Alben voller filmischer Arrangements und Melodien veröffentlicht, auf dem eigenen stylischen Label. Der Zeit­lupen-Ohrwurm „You’re So Cool“ etwa verströmt verlockende Gefahr, Streicher und Hallgitarre bereiten für Brees Bariton einen Boulevard der zerbrochenen Träume. So erscheint vieles auf dem Album „Sleepwalker“ als dunkles Echo auf die herzigen Brunettes. Auf seine Weise schreibt Bree eines der feinsten Indiepop-Kapitel Neuseelands fort.

Funkhaus, Nalepastr. 18, Oberschöneweide, Di 7.8., 20 Uhr, VVK 17 €