Politsatire 

„Vice – Der zweite Mann“ im Kino

Nach dem Urteil: Regisseur Adam McKay gibt Dick Cheney in „Vice – Der zweite Mann“ einen auf den Deckel

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Richard Bruce „Dick“ Cheney war Vizepräsident der USA in den acht Jahren unter George W. Bush. Es waren die Jahre, die durch die Anschläge vom 11. September 2001 und durch den Krieg im Irak geprägt waren. Das Team, das Bush um sich versammelt ­hatte, hat insgesamt nicht die beste Reputation, was sich auch im Kino wiederspiegelt: Donald Rumsfeld wurde von dem Dokumentaristen Errol Morris in die Mangel genommen
(„The Unknown Known“), Michael Moore nahm sich 2004 in „Fahrenheit 9/11“ die ­ganze Administration kritisch vor, und auch in ­vielen Spielfilmen bildet das Oval Office ­unter George W. Bush, mit Außenminister Colin Powell und der Sicherheitsberaterin ­Condoleeza Rice – und eben mit Dick Cheney – eine Zelle der menschenverachtenden ­Politik.

Dass Cheney nun, in der Ära von Donald Trump, noch einmal die zweifelhafte Ehre eines satirischen Spielfilms wiederfährt, ist dennoch überraschend: Eigentlich hat die Welt ja längst andere Sorgen. Und doch fand der Regisseur Adam McKay die Figur Cheney interessant (und relevant) genug, um ihm ein Biopic zu widmen: eine filmische Lebensdarstellung, bei der allerdings von Beginn an deutlich ist, dass das eigentliche Ziel ist, Cheney noch einmal so richtig in Misskredit zu bringen.
Adam McKay ist eigentlich ein Spezialist für Komödien. 2008 hatte er mit „Stiefbrüder“ einen Hit mit Will Ferrell und John C. Reilly, die schon in „Ricky Bobby – König der Rennfahrer“ famos zusammengespielt hatten.

2015 brachte McKay aber einen Film heraus, mit dem er einen neuen Typus des politischen ­Kinos prägen wollte: „The Big Short“ hatte die Finanzkrise von 2008 als Thema und ­erzählte die Geschichte der knapp abgewendeten Kernschmelze des weltweiten Geldsystems als eine Art Tatsachenkomödie. Steve Carell spielte damals einen Investor.

Carell als Rumsfeld

In „Vice – Der zweite Mann“ folgt McKay nun demselben Prinzip. Steve Carell ist auch wieder dabei, er spielt Rumsfeld. Denkwürdig ist auch Sam Rockwell, der die nicht leichte Aufgabe hat, den Einfaltspinsel George W. Bush nicht noch dümmer aussehen zu lassen, als er in der realistischen Überzeichnung des Films ohnehin wirken soll. Im Zentrum steht aber natürlich Christian Bale, über dessen körperliche Veränderung vorab viel geschrieben wurde: der Schauspieler, der extreme Adaptionen zu lieben scheint, soll Dick ­Cheney mit den Dimensionen einer Shakespeare-Figur ausstatten – wobei die Sache mit Shakespeare von McKay zugleich auch wieder auf die Schippe genommen wird.

Aber so in etwa muss wohl der Gedanke hinter „Vice – Der zweite Mann“ ausgesehen haben: ein Königsdrama im Weißen Haus, das nur in satirischer Überhöhung so richtig Sinn macht. Dann aber erzählt McKay recht bieder das nicht eben aufregende Leben von Cheney herunter, der – wie sein Präsident auch – schon Gefahr lief, als Versager und Säufer zu enden. Zum Glück traf er auf ­seine Frau Lynne (Amy Adams). Sie erst machte aus Cheney einen Machtfaktor – und aus dem ­Zynismus, mit dem er fortan mit raffiniertem Kalkül nach der Macht strebte, einen weltpolitischen Skandal.

Bis in die kleinsten Nebenrollen (dazu zählt auch die Erzählerstimme, zu der es eine merkwürdige Pointe gibt) ist „Vice – Der ­zweite Mann“ exzellent besetzt. Adam McKay hat auch ideenreich inszeniert, langweilig wird die Sache nie. Und doch bleibt die Frage offen: Warum der ganze Aufwand, um eine Figur zu diskreditieren, über die beide Lager in ­Amerika ihr Urteil längst gesprochen haben?

Vice – Der zweite Mann USA 2018, 132 Min., R: Adam McKay, D: Christian Bale, Amy Adams, Steve Carell, Sam Rockwell, Start: 21.2. 33555

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