Vielfalt der Kunstszene: Project Space Festival
Auf der Liegewiese des Sommerbads Humboldthain in Wedding gibt es seit zehn Jahren Kunst. Dieses Jubiläum wird gefeiert: als einer der 30 Programmpunkte des Project Space Festivals, das am 30. Mai beginnt und jeden Tag eine Eröffnung an einem anderen Ort der 30 teilnehmenden Räume feiert. „Wir haben dieses Jahr eine junge Generation von Künstler:innen eingeladen, die auf das bisherige Programm schauen, dort ihre Highlights heraussuchen, sie aktualisieren und so ihren Kommentar zur Gegenwart abgeben“, erklärt Nada Hussein, künstlerische Leiterin des Projektraums Tropez, der das Bad seit 2017 bespielt und mehrmals das Project Space Festival eröffnet hat. Zu den 13 Ausgewählten zählen unter anderem die Gewinnerin des Helvetia Kunstpreises 2024, Virginie Sistek, die litauische Malerin Neda Naujokaitė und die Objekt- und Installationskünstlerin Thuy Tien Nguyen.
Bei Tropez werden die Arbeiten extra für die Ausstellung gefertigt und allesamt im Freien platziert. Textilarbeiten etwa finden sich zwischen den Bäumen gespannt, Skulpturen und Objekte auf der Wiese, flachere Arbeiten an den Fassaden der Schwimmbadgebäude. Das schafft Nähe zur Kunst. Die muss allerdings etwas aushalten können. „Wir sagen den Künstler:innen am Anfang des Sommers: ,Bitte produziert so, dass die Kunstwerke dem Freibadalltag standhalten‘“, sagt Tropez-Gründerin Nele Heinevetter. Zuweilen fallen Reparaturen an. Die Herausforderung nimmt sie an: „Wir wollen ja auch, dass die Leute keine Ehrfurcht vor Kunst haben.“
Das Project Space Festival ist wichtig für die ganze Szene
Die jahrelange Praxis des Tropez spiegelt sich geradezu paradigmatisch im aktuellen Motto des Project Space Festivals: „Öffentlicher Luxus“ bezieht sich auf den öffentlichen Raum rings um die mitwirkenden Kunsträume. „Viele der Projekte nehmen den Raum ihrer unmittelbaren Umgebungen zum Anlass, zu zeigen, wie sich gesellschaftliche Transformation mit Mitteln der Kunst gestalten lässt“, sagt Heiko Pfreundt, künstlerischer Co-Leiter des Festivals. Dazu gehören neben Ausstellungen und Workshops auch Spaziergänge und gemeinsame Essen.
Tropez-Gründerin Heinevetter findet das 2014 aus der Taufe gehobene Festival wichtig für die ganze Szene. „Es schafft einfach Zusammenhalt untereinander. Und es geht darum, Formate der Vermittlung zu finden, um möglichst viele Menschen zu erreichen und Kunst zugänglich machen.“ Rivalitäten zum Sellerie Weekend Anfang Mai sieht sie nicht. „Das sind zwei verschiedene Formate. Das Sellerie Weekend richtet sich an ein Publikum, das für ein Kunstwochenende in die Stadt kommt, und ist gleichzeitig ein Gegenpol zu den etablierten Galerien. Das Projekt Space Festival feiert hingegen über einen Monat die Vielfalt der Kunstszene.“
Möglich sind diese Schaufenster der Vielfalt nur dank öffentlicher Förderung. Beim Project Space Festival ist es der Hauptstadtkulturfonds und die Basisförderung für Projekträume. Das stabilisiert über ein bis zwei Jahre. Eine langfristigere Perspektive würde der kreativen Vielfalt allerdings zu noch größerer Blüte verhelfen. Das Instrument dafür sollte ab 2024 eine vierjährige Konzeptförderung für Projekträume sein. Die fiel dem Berliner Rotstift zum Opfer. Gute alte Pläne dürfen jedoch gern mit neuem Leben versehen werden.