Drama

„Vom Ende einer Geschichte“ im Kino

„Am Ende ist das, was man in Erinnerung ­behält, nicht immer dasselbe wie das, was man beobachtet hat“ schreibt Julian Barnes in seinem Roman „Vom Ende einer Geschichte“, in dem er einen alten Mann in einem ­langen Monolog über seine Vergangenheit nachdenken lässt.

Wild Bunch/ Robert Viglasky

In der Verfilmung lebt Tony Webster das wenig ereignisreiche Leben eines älteren Mannes – mit gelegentlichen Kontakten zu seiner Ex-Frau und der Tochter, die gerade ihr erstes Kind erwartet. Doch als ihm dann in einem Brief mitgeteilt wird, dass er ein Tagebuch ­geerbt hat, wird seine Jugend plötzlich wieder lebendig: seine erste große Liebe Veronica, die Freundschaft mit Adrian, der dann seine Stelle bei Veronica einnahm. Jetzt hat Veronicas gerade verstorbene Mutter Sarah Tony das Tagebuch von Adrian hinterlassen – doch so schnell bekommt er es nicht in die Hände. Offenbar ist es Veronica, die nicht will, dass er es bekommt. Doch warum? Kurze Erinnerungsfetzen weiten sich zu längeren Rückblenden aus.

Mit Jim Broadbent (Foto, re.) hat der Film von Ritesh ­Batra („The Lunchbox“) einen einnehmenden Hauptdarsteller – so einnehmend, dass man über manche der charakterlichen Defekte seiner Figur hinwegsehen kann. ­Genau daraus bezieht der Film seine Spannung: Hat sich Tony damals etwas zuschulden kommen lassen? Leider verrät der Trailer ­etwas viel, der Film bewahrt das Geheimnis fast 80 Minuten lang und endet dann versöhnlicher als die ­Romanvorlage – eine einfache Geste gegenüber einem Dritten gegen Ende verrät, dass Tony künftig selbstreflektierter durch das ­Leben geht.

Vom Ende einer Geschichte GB 2017; 108 Minuten; R: Ritesh Batra, D: Jim Broadbent, Charlotte Rampling, Harriet Walter, Start: 14.6.

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