Mitmenschlichkeit

Vom Glück des Gebens

Rund 10.000 Dinge besitzt jeder Deutsche im Durchschnitt. Und Weihnachten­ kommen noch viele Sachen mehr dazu. Warum also nicht mal Leute beschenken, die wirklich Bedarf haben? Mit unserer Zeit, mit wichtigen Sachen – und natürlich auch mit Geld. Die folgenden Projekte sind uns positiv aufgefallen

Foto: Sebastian Valentiner

Einsatz für benachteiligte Kinder
Es soll Menschen geben, die glauben, ein Leben als Empfänger*in von sozialen Leistungen sei reines Zuckerschlecken. Die wissen nicht, dass der Staat seine Schützlinge reichlich kurz hält. Auch die, die erst noch richtig ins Leben starten – Heimkinder zum Beispiel. Für Freizeitaktivitäten etwa, so ein Sprecher von „Laugh­ing Hearts“, können Einrichtungen pro Kind und Jahr nur rund 30 Euro abzweigen. Die von einem Zusammenschluss hauptsächlich von Berliner Unternehmen getragene karitative Organisation unterstützt seit 2009 inzwischen rund 2.200 Kindern aus 22 Heimen. Etwa bei der Finanzierung von Zahnspangen, Vereinsmitgliedschaften oder Freizeitaktivitäten wie den Besuch von Sportveranstaltungen. Wer das gut findet, darf sich einbringen: Durch Geld- und Sachspenden. Aber auch, indem man Kinder etwa zu Aktivitäten begleitet.
laughing-hearts.de

Menschen retten auf hoher See
Ob auf völlig überladenen „Seelenverkäufern“ oder auf gänzlich ungeeigneten Schlauchbooten: Tag für Tag riskieren Menschen auf dem Mittelmeer unterwegs nach Europa ihr Leben. Sie suchen nach Perspektiven, die sie in ihrer Heimat nicht haben. Rund 14.000 dieser Menschen hat der Berliner Verein „Jugend Rettet“ seit 2016 mit seinem Schiff Iuventa aus Seenot gerettet. Bis italienische Behörden den Kutter im August 2017 beschlagnahmten. Obwohl noch keine Klage erhoben wurde, bleibt das Schiff festgesetzt. Und Menschen ertrinken zu Tausenden. Um gegen das Sterben kämpfen zu können, braucht „Jugend Rettet“ Hilfe: Bei der Öffentlichkeitsarbeit, um gegen die Verunglimpfung als „Schleuser“ anzukämpfen. Aber auch in Form von Geld- oder Sachspenden. Oder indem der inzwischen auch auf DVD erhältliche Dokumentarfilm über die Rettungsaktionen der Iuventa vor kleinem oder größerem Publikum gezeigt – und so für die wichtige Sache geworben wird.
jugendrettet.org

Medizinische Versorgung ohne Krankenschein
Ohne Aufenthaltserlaubnis in Deutschland zu leben, ist ein täglicher Spießrutenlauf. Ganz schlimm wird es, wenn der Mensch dann krank – oder die Frau schwanger wird. Die Malteser Migranten Medizin behandelt Menschen kostenlos und ohne dass jemand irgendwelche Papiere, etwa einen Krankenschein vorlegen muss. Das gilt natürlich auch für medizinisch bedürftige Deutsche. Die Arztpraxis bietet u.a. Schwangerschaftsbetreuung, Zahnmedizin, Orthopädie, Dermatologie und eine Kinderarztsprechstunde. Finanzielle Unterstützung wird dafür immer gebraucht, aber auch noch nicht angebrochene Medikamentenpackungen gegen Bluthochdruck, Schmerzen, Diabetes, außerdem Antiobitika. Die Medikamente dürfen natürlich nicht abgelaufen sein.
www.malteser-berlin.de

Lesen, zugucken, mitmachen, lernen
Dass der Mensch nicht von Brot alleine lebt, ist eine Binsenweisheit: Bildung und Kultur erweitern den Horizont – und fördern das soziale Leben. Der Verein „Kulturring in Berlin“ organisiert niedrigschwellige, preisgünstige oder kostenlose Konzerte, Lesungen, Theateraufführungen oder Kunstkurse. Darüber hinaus gibt es in seinen über die ganze Stadt verteilten, vom Jobcenter geförderten neun MedienPoint-Läden für Einkommensschwache (ohne Ausweispflicht!) Bücher, DVDs oder CDs gratis. Wer den Verein unterstützen möchte, spendet ausgelesene Romane, nicht mehr benötigte Fachliteratur und andere Medien an einen dieser Läden. Oder arbeitet ehrenamtlich in den Buchläden beziehungsweise bei der Organisation von Events mit. Geldspenden werden ebenfalls benötigt.
www.kulturring.org

Durchblick für Obdachlose
Dass viele Obdachlose keine Brille tragen, liegt nicht an ihrer guten Sehkraft. Im Gegenteil: Viele Obdachlose haben Probleme, Dinge oder Texte scharf zu erkennen. Doch sich eine ­Brille anpassen zu lassen, ist für diesen Personenkreis oft nicht nur viel zu aufwendig, sondern auch nicht bezahlbar. Der im Mai 2016 in Hamburg gegründete Verein „Mehrblick. Brillen für Obdachlose und Bedürftige“ ist seit einiger Zeit auch in Berlin aktiv. Anfang Dezember etwa lud man zur Brillensprechstunde in die Ambulanz der Berliner Stadtmission. Zusammen mit ehrenamtlichen Optikern sorgt die Initiative dafür, dass Gläser individuell angepasst und Brillen noch am gleichen Tag an die Betroffenen ausgehändigt werden. Damit derartige Sprechstunden in Berlin häufiger stattfinden können, müssen Optikergeräte – Testbrillen, Schleifgeräte etc. – für Berlin angeschafft werden. Außerdem wird Geld für Gläser und Brillengestelle benötigt. Spenden-Stichworte: „Mehrblick Aufbau Berlin“.
www.gebrauchtebrillen-hamburg.de

Kleidung für den Nachwuchs
Eltern wissen das: Schwangerschaft und Kinder kriegen ist auch eine textile Herausforderung. Werdende Mütter passen spätestens ab dem vierten, fünften Schwangerschaftsmonat in viele Kleidungsstücke nicht mehr rein. Und die Konfektionsgrößen von Babys und Kleinkindern ändern sich alle paar Monate. Doch gerade junge Eltern haben oft wenig Geld für den ständigen Neuerwerb. Den Kinderkleidertausch Kreuzberg, den eine Handvoll Initiator*innen seit ein paar Jahren organisieren, empfinden deshalb – auch werdende – Eltern als echte Hilfe. Zumal das Event verlässlich regelmäßig jeden letzten Sonnabend im Monat stattfindet. Wer seine gut erhaltenen Kinder- und Schwangerenkleidung, das Säuglings-Equipment oder Spielzeuge los werden möchte, ist deshalb hier goldrichtig. Umgekehrt darf man sich bei den Folgegrößen bedienen. Unterstützung kann der ehrenamtliche Betrieb immer gebrauchen: beim Auf- und Abbau des Events, beim Drucken von Flyern, aber auch beim Transport überzähliger Kleidung zu sozialen Einrichtungen, wo diese ebenfalls benötigt werden. Ein paar in die Spendenbox geworfene Taler helfen ebenfalls.
www.facebook.com/KleidertauschKreuzberg/

Dinner, Bildung, Integration
Bantabaa kommt aus dem Mandinka, einer westafrikanischen Sprache, und bedeutet Treffpunkt. Der gleichnamige Kreuzberger Verein bietet Lampedusa-Flüchtlingen eine Perspektive unter anderem durch Deutschkurse, Ausbildungen und Ausbildungsvermittlungen. Durch wöchentliche Community Dinners wird am Standort Wrangelkiez zudem die Nachbarschaft gestärkt.
www.bantabaa.de

Noch mehr Engagement
Das 2015 gegründete Berliner Sozialunternehmen Vostel vermittelt Engagierte – oder solche, die es werden wollen – in mehr als 300 Partner-Organisationen. Mithilfe des „vostel-o-mats“ findet jeder passende Einsatzmöglichkeiten.
vostel.de