so war es bei tip backstage präsentiert von mastercard priceless berlin

Von Telefonen und Turmfrisuren

Bei einer Tour hinter die Kulissen der Parkaue erlebten die Teilnehmenden nicht nur eine Komplettprobe von „Der Nussknacker“. Der Blick ins Kulissenlager und die Maske machte auch den großen Aufwand deutlich, der bei dem Jungen Staatstheater betrieben wird

Ein bisschen Überwindung kostet es ja schon, vormittags ins Theater zu gehen. Zumindest die Erwachsenen unter den Teilnehmenden von tip-Backstage präsentiert von Mastercard Priceless Berlin, was am 10. November hinter die Kulissen des Jungen Staatstheaters Parkaue führte, konnten zunächst das eine oder andere Gähnen nur schwer unterdrücken: Samstag, zehn Uhr früh, stellt eine gewisse Herausforderung für die berufstätige Bevölkerung dar.

Dank Michaela Gabriel, Leiterin des Parkaue-Besucher-Service‘, war die Müdigkeit jedoch schnell verflogen. Nach einer kurzen Einführung zur Geschichte des Junges Staatstheaters – es startete 1911 seine „Karriere“ als Höhere Knabenschule – ging es vom Altbau zur neu errichteten Bühne 3, die als Probe-, aber auch als Spielbühne konzipiert ist. Und die, wie Frau Gabriel genauer erläuterte, in Minutenschnelle bestuhlt werden kann.
Richtig spannend vor allem für die teilnehmenden Kinder und Jugendlichen wurde es aber, als der Weg eine Etage höher ins Kulissenlager führte. Da entpuppte sich ein schräg gelagertes, riesiges schwarzes Etwas beispielsweise vor allem für den Nachwuchs erst nach Erklärungen als Alltagsgegenstand: Ein Telefon – mit „Wählscheibe“! Es war eigens für eine Inszenierung von Erich Kästners „Pünktchen und Anton“ gebaut worden.

Bilder

Dass im Theater Dimensionen mitunter verzerrt und Kostüme übertrieben werden, erlebten die Tour-Teilnehmenden aber auch in der Maske. Für die erste Komplettprobe – also mit Kostümen und Musik – wurde etwa die Schauspielerin Sophia Hankings-Evans, sie spielt in „Der Nussknacker“ Mutter Stahlbaum, gerade ausstaffiert: Unter anderem mit einer Turmfrisur, die fast einen halben Meter über ihrem Kopf aufragte. Gut 120 Stunden brauche es, so die anwesende Kostümbildnerin, bis so eine Prachtperücke in Handarbeit fertig gearbeitet sei.

Doch die Frisur saß! Davon konnten sich die großen und kleinen Parkaue-Gäste bei der anschließenden Komplettprobe selbst überzeugen. Was man über den punktgenauen Musikeinsatz aber noch nicht in jedem Moment sagen konnte. Damit bis zur Premiere der Feinschliff stimmt, gebe es etwa fünf bis sechs Komplettproben, erklärte nach der Vorstellung Volker Metzler, Regisseur des Stückes und stellvertretender Intendant der Parkaue. Am Theater zu arbeiten, Mitglied eines Ensembles zu sein, das ist keineswegs nur ein Job für die Abendstunden. Damit das Zusammenspiel aller mit allen stimmt, müssen die Theaterleute öfters schon mal früher raus. Auch an Samstagen.

TEXT: Eva Apraku

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