Autofreie Stadt

Vorbilder Paris, Barcelona, Wien

Berlin ist nicht die erste Stadt, die sich die Verkehrswende vornimmt. Es gibt bereits Erfahrungen, von denen wir lernen können. Ein Blick ins Ausland. Von Alexandra Meyer und Martin Schwarzbeck

Paris, Berges de Seine, Seineufer *** Paris, Berges de Seine, banks of the Seine

In anderen Städten ist die Vision der Autofreiheit zum Teil bereits Realität. Wo früher auf einer zweispurigen Straße am Pariser Fluss Seine am Tag 43.000 Autos fuhren, spazieren heute Fußgänger, auf dem Rasen am Rand sonnen sich Einheimische und Touristen. Künftig sollen Diesel- und Benzinwagen ganz aus der Stadt verbannt werden. Autofahren soll so anstrengend werden, dass alle auf öffentliche Verkehrsmittel umsteigen oder auf Leihfahrräder. Wie in vielen Metropolen ein schwieriges Unterfangen, da das Pariser
ÖPNV-Netz überlastet ist.

Weniger Autos direkt vor der Haustür – das wird auch in Barcelona umgesetzt. Die Hauptstadt Kataloniens zeigt, wie Urbanität im 21. Jahrhundert aussehen kann: In sogenannten Superblocks werden Autos fast komplett ausgesperrt. Auf den Straßen spielen Kinder, die Eltern sitzen auf Bänken und genießen die Sonne, reden miteinander. Dafür werden neun Häuserblocks als Superblock zusammengefasst – Barcelonas Quartiere sind quadratisch angeordnet, da funktioniert das einwandfrei. In diesen Blocks haben Fußgänger und Radfahrer Vorrang vor Autofahrern. Anwohner und Lieferanten können durch die Blöcke fahren, der übrige Verkehr wird außen herum geleitet – innerhalb des Blocks dürfen Autofahrer nur links abbiegen.

Das kann sich auch die Pankower SPD-Fraktion vorstellen: Mit Unterstützung der Grünen hat sie einen Antrag in die Bezirksverordnetenversammlung eingebracht, um im Verkehrsausschuss über mögliche Superblocks im Bezirk zu diskutieren. Parken wäre nur noch unterirdisch möglich, aus ehemaligen Fahrbahnen würden Sportplätze, Grünanlagen und Sitzgelegenheiten, Einbahnstraßen drum herum würden den Durchgangsverkehr verhindern.

Auch in Wien soll öfter auf das Auto verzichtet werden, eine 365 Euro teure Jahreskarte für die öffentlichen Verkehrsmittel ist ein Teil der Verkehrswende – Berlins Regierender Bürgermeister ließ sich davon inspirieren, als er vor kurzem ein BVG-Jahresticket für 365 Euro forderte.

Die Wiener nutzen das Angebot intensiv, über 800.000 der 1,8 Millionen Einwohner besitzen eine Jahreskarte. Auch bei der Umgestaltung des öffentlichen Raums setzt die Stadt auf Verehrsberuhigung: eine traditionsreiche Einkaufsstraße, die Rotenturmstraße, wird neu gestaltet, bordsteinfrei. Fußgängerinnen und Fußgänger bekommen viel mehr Platz. Autos und Busse können weiterhin die Straße benutzen, Taxistandplätze bleiben erhalten, Radabstellanlagen werden eingerichtet. Alle Verkehrsteilnehmerinnen und Verkehrsteilnehmer sind gleichberechtigt, Fußgängerinnen und Fußgänger dürfen die gesamte Straße benutzen. Tempo 20 sorgt für Verkehrssicherheit.