Theater und Bühne in Berlin

Wagners „Rienzi“ an der Deutschen Oper

Ganz der Hitler: Philipp Stölzl inszeniert Wagners Rienzi an der Deutschen Oper

RienziSo richtig stolz war Richard Wagner auf „Rienzi, der letzte der Tribunen“ bald nicht mehr, doch aus seinem Kanon hat er die 1842 in Dresden uraufgeführte „große tragische Oper“ trotzdem nicht verbannt, bloß für die Bayreuther Festspiele gesperrt. Das formal noch sehr konventionelle, fast fünfstündige Jugendwerk wurde eigentlich immer nur in verkürzten Versionen gespielt.

Wer indes für die Strichfassung der Deutschen Oper verantwortlich ist, verrät das Programmheft nicht. Jedenfalls dauert die von Philipp Stölzl mit Mara Kurotschka (Ko­regie) inszenierte Aufführung rund drei Stunden. In der somit reichlich beschränkten Lesart der beiden ist Rienzi kein So­zial­revo­lu­tionär mehr, der die Adelselite aus der Stadt jagt, um wieder zur Republik zurückzukehren, aber irgendwann zwischen die Fronten gerät und über seine Ambitionen stolpert. Hier ist er von Anfang an ein zwischen Mussolini und Hitler angesiedelter Tyrann, der das Volk – eine Masse von brutalen Dummköpfen – nicht rettet, sondern in seinem bösen nationalen Interesse zu Aufruhr und Bürgerkrieg verführt: Vermutlich, weil „Rienzi“ die Lieblingsoper von Adolf Hitler war.

Was nicht zu Stölzls fragwürdiger wie autoritärer Auffassung passt, wird passend gemacht, das heißt einfach eliminiert. Die heftigen und tendenziösen Eingriffe in die Komposition verwandeln „Rienzi“ aller­dings in eine ausgesprochen eindimensionale Angelegenheit. Daran vermögen weder die gefällige szenische Umsetzung noch das gute Ensemble um Torsten Kerl in der Titelrolle, weder der ausgezeichnete Chor noch der Dirigent Sebastian Lang-Lessing etwas zu ändern. Wer wie Stölzl so dreist bei „Der Untergang“ klaut, den bestraft eben das Musiktheater.

Text: Irene Bazinger

Foto: Bettina Stoess

tip-Bewertung: Zwiespältig

Termine: Rienzi 
in der Deutschen Oper Berlin; Tickets www.tip-berlin.de/tickets

 

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