Komödie

„Was hat uns bloß so ruiniert?“ im Kino

In ihrem Langfilmdebüt „Die Vaterlosen“ ­erzählte Marie Kreutzer von einer Landkommune in den 80ern und dem traumatisierenden Potenzial antiautoritärer Erziehung

Foto: Movienet Juhani/ Zebra
Foto: Movienet Juhani/ Zebra

Im Nachfolger, benannt nach dem Song der Band Die Sterne von 1996, könnten die Prota­gonisten die Kinder des linken Patriarchen aus den „Vaterlosen“ sein. Es ist die eigene Generation der Wiener Filmemacherin, und man spürt, dass Kreutzer dicht dran ist an diesen Thirtysomethings, die sich in alternativen ­Familienkonzepten abstrampeln.
Im Zentrum stehen drei Pärchen aus der Wiener Kreativszene – kurz „Bobos“, soziologendeutsch für „bourgeoise Bohème“. Eine partyselige Runde der sechs Freunde eröffnet den Film: Filmemacherin Stella (Vicky Krieps als Kreutzers filmisches Alter Ego) gibt bekannt, von Partner Markus schwanger zu sein. Schon wird das Projekt Nachwuchs auch bei den anderen Paaren Realität; Rivalität und der Wunsch nach freundschaftlicher Kontinuität vermischen sich, gegenseitig vergewissert man sich, keinesfalls zu Spießern mutieren zu wollen.
Stella dokumentiert den neuen Lebens­abschnitt mit der Kamera, Interviewszenen ziehen sich als Film-im-Film-Vignetten durch die Geschichte und fungieren als Momente der Selbstreflektion. Durch diesen Kunstgriff sowie lebensnahe Dialoge und ein großartig harmonierendes Ensemble gelingt ein fein beobachtetes Generationenporträt. Statt schlichtem Boho-Bashing um Helikopter-­Mamas, Food-Blog-Hipster oder Unverträglichkeitsneurosen geht Kreutzers Blick selbstentlarvend in die Tiefe und gewinnt daraus einen hintergründigen Humor.

Was hat uns bloß so ruiniert? A 2016, 96 Min., R: Marie Kreutzer, D: Vicky Krieps, Marcel Mohab, Pia Hierzegger, Start: 9.2.

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