Kino & Film in Berlin

„Wasser für die Elefanten“ im Kino

Christoph Waltz, Tigermist und kunstvolle Patina: ein aseptisches Zirkusdrama.

Wasser_ElefantenJacob Jankowski ist von einem Augenblick auf den anderen zu einem überflüssigen Menschen geworden: Seine Eltern sterben bei einem Autounfall, während der angehende Tierarzt sein letztes Examen absolviert. Die Depression der frühen 30er Jahre beherrscht die USA, das elterliche Haus gehört der Bank und ihm nur noch, was er am Leibe trägt. Jede vertraute Ordnung ist zerschlagen, als er beim Wanderzirkus der Banzini-Brothers anheuert als Wasserträger für die Elefanten. Doch der Zirkus hat gar keinen Elefanten. Der kommt erst später, zusammen mit der Liebe zu Marlena, der schönen Gattin des charismatischen wie unberechenbaren Zirkusdirektors August.

Francis Lawrence‘ Verfilmung des Bestsellers von Sara Gruen prunkt mit seinen Production Values: Menschen, Tiere, Sensationen werden im goldenen Lichte der sentimentalen Retrospektion vorgeführt, noch der Mist im Tigerkäfig wirkt so penibel arrangiert wie Marlenas elegante Seidenroben. Der Regisseur zelebriert eine Ästhetik des Gediegenen, der das Schrille, Provisorische und Karnevaleske fremd ist, das den Zirkus ausmacht. Das ist schade, denn im Zirkus als klassischem Ort einer Kultur des Spektakels begegnet sich das Kino selbst; Potenzierungen, Übertreibungen, Entstellungen bis zur Kenntlichkeit sind die reizvollen Möglichkeiten dieser Konstellation. Doch „Wasser für die Elefanten“ ist ein bei aller kunstvollen Patina der Bilder aseptischer Film.

Die Darsteller werden in diesem Rahmen zu prominenten Belegen der gehobenen Ausstattung. „Twilight“-Star Robert Pattinson, dessen schauspielerische Fähigkeiten leider weit hinter der aufregenden Ambivalenz seines Gesichts zurückbleiben, wird souverän umspielt von den beiden Oscar-Preisträgern Reese Witherspoon und Christoph Waltz als glamouröses Ehepaar. Waltz ist großartig, doch ob er nun beeindruckt durch seine Virtuosität in einer reduzierten emotionalen Bandbreite oder durch die Rasanz, mit welcher er den Prozess der Selbstfossilierung eines erfolgreichen Rollenmodells zur Charge vorantreibt, lässt sich kaum entscheiden.    

Text: Stella Donata Haag

tip-Bewertung: Zwiespältig

Orte und Zeiten: „Wasser für die Elefanten“ im Kino in Berlin

Wasser für die Elefanten USA 2011; Regie: Francis Lawrence; Darsteller: Reese Witherspoon (Marlena Rosenbluth), Robert Pattinson (Jacob Jankowski), Christoph Waltz (August Rosenbluth); 114 Minuten; FSK k.A.

Kinostart: 28. April

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