Isolierte Stadt

Corona: Ostern 2020 können wir vergessen – das Fest wird zum Tiefpunkt der Krise

Noch eine Woche bis Ostern 2020 und wegen Corona sieht es nicht danach aus, als ob es in diesem Jahr einen Grund zum Feiern gäbe. Gläubige können nicht in die Kirche und der Rest kann sich die Kurztrips, Ausflüge und Reisen abschminken. Was darf man noch, was kann man noch machen? Vielleicht darf man nicht einmal in den Park. Warum Ostern zum Tiefpunkt der Krise wird

Ostern in Berlin kann wegen Corona zum Tiefpunkt der Krise werden. Auch der Osterhase mit Mundschutz ist vorbereitet
Wegen Corona wird Ostern 2020 in Berlin zum Tiefpunkt: Auch der Osterhase ist betroffen. Foto: imago images / Future Image

Schöne Bescherung, wir stecken mitten in der Corona-Krise, der Shutdown läuft nun seit zwei Wochen, ein Ende ist nicht wirklich in Sicht. Eher eine Verschärfung der Maßnahmen, und jetzt steht auch noch Ostern vor der Tür. Normalerweise ist das ein Moment der Besinnung und Entspannung. Nicht weil es in Berlin so wahnsinnig viele Gläubige gäbe, die das hohe Fest im christlichen Ritus begehen würden. Das sicher nicht. Aber es gibt je nach Lebensentwurf Urlaub, Ferien oder ein verlängertes Wochenende. Der Frühling kommt. Wenn das Wetter stimmt, kann man Ausflüge ins Umland machen oder man bucht einen Kurztrip. Man trifft Freunde, veranstaltet Landpartien, freut sich auf den frischen Spargel oder ein Picknick. Wer Kinder hat, bemalt Eier und lässt die Kleinen selbige suchen.

Ostern 2020 – wegen Corona kein Spa-Weekend für die Seele

Das war es schon. Im Gegensatz zu Weihnachten ist von einem „Osterstress“ keine Rede. Man kann, muss aber nicht die Familie besuchen, die Verwandtschaft besteht in den seltensten Fällen auf einen gemeinsamen Karfreitag. Das mag in anderen Regionen und Ländern anders sein, im atheistisch geprägten Berlin ist Ostern eine Art Spa-Weekend für die Seele, eine geschenkte Zeit. Dieses Geschenk wird es in diesem Jahr so nicht geben.

Eier bemalen und was Schönes kochen oder backen (ohne Hefe!), ein wenig Bach hören und den Frühlingsputz machen, das geht noch in der Isolation. Wer einen Balkon oder gar einen Garten hat, kann das Osterfrühstück nach draußen verlegen. Aber Ausflüge oder gar Spaziergänge dürften ausfallen.

Wenn die Corona-Bußgelder tatsächlich beschlossen werden und das Verlassen der Wohnung ohne triftigen Grund mit bis zu 500 Euro bestraft wird, dann wird die Quarantäne nicht mehr ein lästig-notwendiger Faktor, um der Pandemie beizukommen, dann wird sie zum Folterknecht.

Corona und Ostern: Darf ich nach Rügen oder in den Schwarzwald?

Gerade über Ostern werden wir so richtig spüren, wie groß die Einschränkungen sind und wie sehr sie sich auf unsere individuellen Freiheiten und Pläne auswirken. Die Flüge, Hotels, Airbnb-Unterkünfte und Bahntickets sind längst storniert, wer seine Verwandtschaft doch besuchen wollte, steht vor einem Dilemma: Darf ich überhaupt noch nach Rügen oder in den Schwarzwald, wie ist es mit Bayern oder dem Rheinland?

Berliner mit Migrationshintergrund und Familie im Ausland können sich die Sache ohnehin abschminken. Da geht nichts mehr. Aber auch in der Bundesrepublik stellen sich Fragen, die sich rechtlich schwer beantworten lassen. Zwar herrscht noch Bewegungsfreiheit, aber viele Bundesländer schränken den Reiseverkehr stark ein. 

Auf der anderen Seite muss man entscheiden, ob es überhaupt zumutbar ist, seine Eltern oder Großeltern zu besuchen, weil man sie nicht gefährden will. Die Angst vor Ansteckung sitzt dann mit am Tisch. Soziale Distanz und das Vermeiden unnötiger Kontakte und Ostern passen nicht zusammen. Also bleibt man wohl doch in Berlin. Gut 30 Jahre nach Mauerfall, haben wir wieder eine Mauer um die Stadt, diesmal ist sie nur nicht aus Beton gebaut.

Wie Gefangene werden wir womöglich Ostern bei 20 Grad in unseren Wohnungen hocken

Möglicherweise wird Ostern zum gefühlten Tiefpunkt der Corona-Krise, zum Moment, an dem die Frustration und Wut am größten werden. Auch weil das Wetter so gut werden soll, wir aber alle womöglich trotzdem wie Gefangene bei 20 Grad Außentemperatur und zu viel Freizeit in unseren Wohnungen hocken müssen. Nicht Wenige in schwierigen familiären Verhältnissen. Mit nölenden und pubertierenden Kindern oder mit Lebenspartnern, mit denen es nicht wirklich gut läuft und die man wegen Quarantäne und Homeoffice nun ständig sieht und sich auf die Nerven geht.

Die Hoffnung wäre, dass nach dem Tiefpunkt die ganze Sache wieder aufwärts geht und eine Zeit nach Corona erkennbar wird. Dass Angela Merkel oder der Virologe Drosten oder irgendjemand, und sei es der Nachbar oder der Gemüsehändler um die Ecke, uns sagt, es geht vorbei. Die Zeit nach Corona kommt, sie kommt ganz bestimmt, nur wann weiß niemand. Bis dahin, frohe Corona-Ostern!


Edition: Brandenburg 2020/2021

Normalerweise ist unsere Edition „Brandenburg“ eine verlässliche Quelle für tolle Ausflugstipps. Auch für die Osternfeiertage. Das soll in diesem Jahr nicht anders sein, die druckfrische Ausgabe für 2020/2021 bietet vorerst die Möglichkeiten für mentale Ausflüge und „kleine Fluchten“. Doch sobald die Corona-Krise überstanden ist, ist sie wieder der treue Begleiter für Reisen ins Umland.


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Das Coronavirus ist eine echte Bedrohung für die Gesundheit, aber auch für die finanzielle Existenz der Berliner*innen. Ihr wollt helfen? tip Berlin hat ein Portal eröffnet, auf dem sich Hilfesuchende und die, die helfen wollen, vernetzen können: https://www.tip-berlin.de/tip-hilft/

Spazieren gehen ist ja schön und gut, aber die meiste Zeit muss man doch zu Hause bleiben. Wir empfehlen 100 Berlin-Romane, die jeder kennen sollte.  Keine Lust auf lesen? Hier gibts unsere Podcast-Tipps – und was sich auf Streaming-Services lohnt. Trotzdem nicht fündig geworden? Wir listen 15 Dinge, die man zu Hause machen kann. Updates zur Lage in Berlin auf der Seite des Senats.

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