Weinmahleins

So war’s im The Grand

Simmentaler Weiderind von Fliet & Co auf Blumenkohlpüree und einem Kompott vor der sehr roten Urkarotte, dann Steinbutt auf Belugalinsensalat und Weine aus dem Rheingau.

Weinmahleins im The Grand

Eine Armenschule war der sich keck zwischen die Ostmoderne des Alexanderplatzes und der Karl-Liebknecht-Straße schiebende Bau aus den 1840er Jahren ursprünglich mal. Und der Putz– oder besser gesagt das, was nicht mehr von ihm übrig ist – scheint noch aus dieser Zeit zu stammen. Der Glamour des Verfalls, tatsächlich erinnert im The Grand noch manches an die Ausgehästhetik eines Berlins der Jahrtausendwende. „Haben aber auch schon wieder einige nachgemacht“, sagt Tilo Roth, der Chefkoch. Mit dem Nachmachen kennt er sich aus. Roth war einer der ersten, der sich auf deutschen Weiden nach den Rindviechern für seine gehobendste Steakküche umgeschaut hatte. Einer der ersten, der – gut sichtbar für die Gäste zudem – einen Reifeschrank in seinem Restaurant etablierte. Dry Age und so, die neue Beef Kultur.
An diesem Abend war das Simmentaler Weiderind von unserem Weinmahleins-Partner Fliet & Co indes nicht langsam gereift. Aber es war köstlich. Ein Duett aus geschmortem Scherzel, dem Schulterstück, und einem rosagebratenen Filet, präsentiert auf einem Blumenkohlpüree und einem Kompott vor der sehr roten Urkarotte. Deutlich marmoriert, kräftig und doch zart war das Filet. So mag Tilo Roth das. Er ist der große Fleischversteher unter den Berliner Köchen.
Dass er und seins sympathisches Team indes auch anders können, zeigte das Filet vom Steinbutt auf dem lauwarmen Belugalinsensalat. Der Steinbutt kam, noch so ein Steckenpferd von Roth, vom amerikanischen Southbent-Grill. Und die Erdbeertarte smat Holunderblüteneis und Rhabarberconfit zeigte dann nochmals, wofür das Grand steht: für eine Küche, die den den Gaumen umschmeichelt und die nahe bei den Gästen ist.
Nahe bei den Gästen war auch Theresa Breuer. Eine Weinerzählerin ist sie. Vor allem aber ist sie eine Winzerin, seit gut zehn Jahren bereits führt die 32-Jährige nach dem frühen Tod des Vaters das Familiengut in Rüdesheim im Rheingau. Das Rheingau oder der Rheingau? Theresa Breuer lässt beide Antworten zu, wie es auch ihre Weine nie zu apodiktisch meinen. Der Charm, einer ihrer beiden Gutsrieslinge, ist sogar ein richtiger Schmeichler. Theresa Breuer hatte den Mut, ihn halbtrocken auszubauen, das tut der Trinkfreude gut und nimmt ihm nichts von seiner Eleganz. Anders, pointierter und mineralischer dann der Terra Montosa, ein Lagenriesling aus den legendären Steilhängen des Rheingaus, die Reben wurzeln in Nichts als Stein.
„Das ist ja so ein Mythos, das Weinreben so tief wurzeln würden. Reben sind, wie wir Menschen, auch mal faul. Wenn die bereits nach einem Meter alle nötigen Nährstoffe finden, strecken die sich nicht mehr in die Tiefe.“ Die Reben des Terra Montosa stercken sich hingegen bis zu 30 Meter tief in den Schiefer und den Quarz. Mit der Hand wird gelesen, mit den Händen winifiziert. Ein Handwerk, das es im Ergebnis etwa in der Grünberger Weinhandlung, Grünberger Straße 18, in Friedrichshain zu kaufen gibt. Passt ja wunderbar in die angehende Spargelsaison.

Text + Foto:
Clemens Niedenthal

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