Weinmahleins

So war’s im Restaurant am Steinplatz

Peitzer Karpfen an Gelber Bete, Meerrettich und Wurzelgemüse, dann Linumer Wiesenkalb und ein 14er Riesling Westhofen und noch viel mehr. So war das Weinmahleins im Januar.

Weinmahleins im Restaurant am Steinplatz

Macht man sich von Cottbus auf den Weg nach Gubin, so käme man durch Peitz. Tagebaugebiet. Wo gebaggert wird, entstehen für gewöhnlich Löcher. Aus denen könnten dann Teiche werden. Oder eine Fischzucht gar. Marcus Zimmer (Foto), seit der Eröffnung vor gut zwei Jahren Küchenchef des Restaurants im gleichnamigen Hotel am Steinplatz kommt aus Cottbus und kennt die Peitzer Fischzucht gut. Wir kennen jetzt den Peitzer Karpfen – an Gelber Bete, Meerrettich und Wurzelgemüse. Ein jahreszeitlicher, herzhafter und dank des Rettichs doch fast ätherischer erster Gang. Ein seliger Starter. So viel zum regionalen Koch und mehr noch zur regionalen Küche.
Das tip-Weinmahleins ist also in ein neues, sein drittes Jahr gegangen. An zwei Abenden gleich mit insgesamt rund 80 Gästen im nicht zuletzt von der tip-Speisekarte (beste Neueröffnung 2015) für seine radikal zeitgenössisch interpretierte Berlin-Brandenburger Küche gefeierte Restaurant am Steinplatz. Ins Glas kamen dazu die Weine von Philipp Wittmann aus Westhofen, Rheinhessen. Ein VdP-Betrieb, einerseits. Aber Philipp Wittmann ist auch schon seit den 1990er-Jahren ein überzeugter und überzeugender Vertreter  des biodynamischen Weinbaus. Reduzierte Erträge, natürliches Gärtnern, der Einfluss der Mondphasen und warum man einen Wein vor allem in Ruhe lassen sollte – Matthias Müller von Weingut Wittmann redete weniger über die Weine an sich, als vielmehr von deren Rahmenbedingungen. Vom Kalkboden, der dem 14er Riesling Westhofen einen vollmundigen Schmelz verleiht, aber gar keine Schwere und schon gar nicht „Breites“. Oder von den großen Holzfässern des 14er Weißburgunder/Chardonnay-Cuvйes  (der Wein des Abends) , die eben gerade nicht für ein vordergründiges Tannin sorgen, sondern für ein harmonischeres Gesamtpaket.
Harmonisch auch der, wenn man so will, zweigeteilte Hauptgang: Das Linumer Wiesenkalb, einmal als Herz in einer Maultasche, dazu Bittersalate, Apfel, Haselnuss. Dann als Tafelspitz mit Kerbelwurzel, Mandelrosenkohl und Kartoffelcreme. Michael Kunzmann, Inhaber von Havelland Express und als Filet & Co. Partner des Tip-Weinmahleins hatte die Tiere gerade noch besucht: „Auf der Weide natürlich, die Tiere leben ja über das ganze Jahr draußen.“
Klingt nach glücklichen Tieren. Klang nach einem glücklichen Abend. Gut zu kurz war er vielleicht, aber das mit der Zeit hatte ja Frank Stieldorf, Geschäftsführer der Rheinsberger Preußenquelle bereits vorher ganz schön auf den Punkt gebracht: „Unser Mineralwasser hat sich über Millionen Jahre ganz langsam und ruhig durch die Gesteinsschichten bewegt, der letzte Augenblick, vom Glas in der Hand in den Mund, gehört jetzt Ihnen.“

Text + Foto: Clemens Niedenthal

Die Weine vom Weingut Wittmann sind in Berlin bei Wein & Glas, der renommiertesten Weinhandlung der Hauptstadt erhältlich: Wein & Glas Prinzregentenstraße 2? (Am Prager Platz), Wilmersdorf, www.weinundglas.com

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