Stadtleben und Kids in Berlin

Weltberühmt in Kreuzberg (1): Hans W. Korfmann

Mit dieser Ausgabe starten wir unsere neue Serie, in der wir bekannte Menschen in ihren Bezirken vorstellen. Den Beginn macht der Autor und Verleger der "Kreuzberger Chronik", Hans W. Korfmann (Jahrgang 1956). Er lebt und arbeitet im Bergmannstraßenkiez

Hans_W._Korfmanntip Seit wann wohnen Sie in Kreuzberg?
Hans W. Korfmann Erst seit 1999. Nach Berlin bin ich 1989 gekommen, zwei Monate vor dem Fall der Mauer. Ich kam aus Griechenland und wollte einen Roman schreiben.

tip Haben Sie mal in einem anderen Bezirk gewohnt?
Korfmann In Wedding, direkt am Ufer in der Torstraße. Das hatte Charme, weil man auch viele ungenutzte Ecken entdecken konnte. Hier in Kreuzberg gibt es solche Refugien leider nicht mehr.

tip Warum gibt es keine „Weddinger Chronik“?
Korfmann Es hätte funktionieren können – aber nicht müssen. Das ist dort sicher schwieriger als im Bergmannstraßenkiez, wo das Wort Solidarität noch nicht so altmodisch klingt und die alternativen Geschäftsleute ein Projekt wie die „Kreuzberger Chronik“ auch fördern. Das wäre schon am Kottbusser Damm schwierig.

tip Ihr Lieblingsort in Kreuzberg?
Korfmann Es gibt vier Stamm­kneipen. Yorckschlösschen und Rat Pack für ganz spät, den Heidel­berger Krug am Chamissoplatz für noch später, wo man um fünf Uhr morgens noch nette Geschichten aus den 60ern hören kann, und tagsüber bin ich in der Weinhandlung Bacco in der Bergmannstraße.

Hans_W._Korfmanntip Was geht gar nicht?
Korfmann Zum Beispiel die Mar­­hei­neke-Markthalle. Die Tische drau­ßen in der Sonne sind okay, aber die Galerie im ersten Stock ist leer. Eine vollkommene Fehlinves­tition. Bei dem neu gebauten großen Ärztehaus-Klotz in der Bergmannstraße muss man mal abwarten, ob das funktioniert. Und dann das Viktoria-Quartier – von der Ursprungsidee, ein neues Stadtquartier zu schaffen mit Läden, der Berlinischen Galerie und einem Theater, ist nichts geblieben – außer Wohnraum für Vielverdiener.

tip In welchen Bezirk würden Sie nie ziehen?
Korfmann Ich würde nie in Randgebiete ziehen, ich mache lieber mal einen Ausflug dort hin.

tip Kreuzberg in zwei Stunden: Was muss man gesehen haben?
Korfmann Man muss in die Ora­nien­straße, weil die den Flair der 80er Jahre noch am ehesten widerspiegelt. Und das türkische Kreuzberg ist sehr zu empfehlen. Das Kreuzberg Museum bietet spezielle Stadtführungen an. Dann natürlich der Markt am Maybachufer. Und dann muss man sich mal unbedingt die Hinterhöfe anschauen.

tip Vervollständigen Sie bitte folgenden Satz: Kreuzberger sind niemals …
Korfmann … einer Meinung.

Interview: Britta Geithe

Fotos: Michael Hughes

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