Stadtleben und Kids in Berlin

Weltberühmt in Kreuzberg: Heike Wiese

Heike Wiese, Leiterin des Instituts für Germanistik an der Uni Potsdam, hat in ihrem Bezirk beste Gelegenheiten zu Feldforschungen.

HeikeWiesetip Sie erforschen das Kiezdeutsch in multiethnischen Stadtmilieus. Was sind besonders gelungene Kiezdeutsch-Beispiele?

Heike Wiese Ich finde es immer am spannendsten, wenn grammatisch etwas Neues passiert, etwa „Lassma so Viktoriapark gehen, lan, Alter“, „Ich mag so Rap so, am liebsten Alpa Gun, weil der so aus Schöneberg kommt“ oder „Machst du rote Ampel?“

tip Was fasziniert Sie an den Sprachschöpfungen?

Wiese Dass sie zeigen, dass Kiezdeutsch kein sinnloses Kauderwelsch ist, sondern eine eigene Grammatik hat. Hier entsteht ein neuer Dialekt, mit Innovationen, wie sie auch in ähnlichen Wohnvierteln in anderen europäischen Ländern beobachtet wurden.

tip Könnten Sie selbst unter Kreuzberger Jugendlichen mit­reden?

Wiese Nein, das wäre unpassend. Kiezdeutsch ist eine Jugend­sprache, dafür bin ich zu alt.

tip Wo ist Ihr Lieblingsort in Kreuzberg?

Wiese Im Sommer der Biergarten am ehemaligen „Studentenbad“ am Landwehrkanal, an einem Park mit tollem Kinderspielplatz; im Winter das Hamam in der Schokofabrik am Heinrichplatz – und zu jeder Jahreszeit das Wirtshaus Max & Moritz in der Oranienstraße.

tip Was sollten Touristen im Bezirk nicht verpassen?

Wiese Die NGBK-Galerie in der Oranienstraße, den Bouleplatz am Paul-Lincke-Ufer an einem Sommerabend, das Chanukka-Fest im Jüdischen Museum und ein Picknick im Görlitzer Park, mit Hähnchen und Ayran vom Hühnerhaus-Imbiss.

tip Welcher Bezirk käme für Sie alternativ infrage?

Wiese Ich wohne in SO 36, eine Alternative wäre für mich noch Kreuzberg 61.

tip Vervollständigen Sie bitte folgenden Satz: Kreuzberger sind …

Wiese … bunt gemischt und offen für Vielfalt, aber manchmal eben auch verbohrt und nervig – also ganz normale Berliner.

tip Und jetzt bitte dasselbe noch mal auf Kiezdeutsch.

Wiese Musstu nicht mich fragen, lan; musstu so Jugendliche fragen!

Interview: Erik Heier

Foto: Catherine Gericke

www.kiezdeutsch.de

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