Berliner Kieze

Die Weserstraße in Neukölln: Brunchen, shoppen, Kiezkultur erleben – 12 Tipps

Bar-Meile und Auffangbecken für weltoffene, kreative Menschen: Auf knapp zwei Kilometern pulsiert auf der Neuköllner Weserstraße das Leben. Wir haben 12 Tipps für euch – von Gastronomie bis Kultur – für die berühmteste Straße im Reuterkiez…


Hippe Klamotten shoppen bei O Mini I am / Let them eat cake

Tipps in der Weserstraße: In der Weserstraße 164 befinden sich gleich zwei tolle Läden für Vintage-Kleider: Karin von Let them eat cake und Netta von Oh Mini I am teilen sich die Ladenfläche.
In der Weserstraße 164 befinden sich gleich zwei tolle Läden für Vintage-Kleider: Karin von Let them eat cake und Netta von Oh Mini I am teilen sich die Ladenfläche. Foto: Let them eat cake

Vor fast zehn Jahren kam die Grafik-Designerin Netta von Finnland nach Berlin. Nebenberuflich begann sie online ausgesuchte Vintage-Kleider zu verkaufen. Dann hörte sie, dass beim Vintage-Geschäft Let them eat cake in der Weserstaße Verkaufsfläche frei wurde. Heute teilt sich ihr Laden Oh Mini I am die Räumlichkeiten in Neukölln mit Let them eat cake.

Für Oh Mini I am stellt Netta besondere Teile von bekannten und weniger bekannten Brands zusammen. Nachhaltigkeit ist ihr wichtig. Genauso wie die Bezahlbarkeit der Mode, die sie verkauft. Second-Hand-Teile großer Modeketten wie H&M sucht man in ihrem Laden vergeblich.

Bei Karin aus Schweden, die Let them eat cake betreibt, kann man sich durch Mode-Schätze der Neunziger und Zweitausender wühlen. Blazer, Hosen, Club-Outfits aber auch Taschen, Schmuck und Sonnenbrillen finden sich im Sortiment. Die Weserstraße 164 ist wirklich ein Eldorado für Liebhaber*innen von Vintage-Kleidern!


Zwischen Wein und Vinyl schwelgen bei Motif Wein

Tipps für die Weserstraße: Motif Wein  ist Naturwein- und Plattenladen in einem.
Motif Wein in der Weserstraße ist Naturwein- und Plattenladen in einem. Foto: Motif Wein

Eine Kombination, die zu Berlin passt: Bei Motif Wein kann man durch Vinyl-Platten stöbern und sich dabei ein Glas Naturwein genehmigen. Oder gleich eine ganze Flasche. Die Tropfen gibt es zum Mitnehmen für zuhause oder man lässt sich im gemütlichen Innenraum oder im Außenbereich nieder und beobachtet beim Trinken das illustre Treiben auf der Weserstraße.

Aber Motif Wein ist nicht nur Wein- und Plattenladen in einem, sondern auch Creative Space für Pop ups aller Art. Regelmäßig finden hier Live-Musik-Sessions, Kunst- oder Modeausstellungen statt. Seit Beginn der Corona-Krise ist es etwas ruhiger geworden in der Weserstraße 189. Der Weine und Schallplatten wegen lohnt sich ein Stopp hierher aber auf jeden Fall.

  • Motif Wein Weserstr. 189, Neukölln, Di-Do 16-23 Uhr, Fr 16-1 Uhr, Sa 16-0 Uhr, www.motifwein.de

Die Nacht zum Tag machen in der Yuma Bar

Die Yuma Bar is eine der gemütlichsten Raucher-Szene-Bars im Reuterkiez. In orangenes Licht gehüllt sitzt man hier auf Ledersofas oder an der Bar und lässt sich von den lockeren Barkeeper*innen eines der vielen belgischen Biere mit relativ hohem Alkoholgehalt oder einen richtig guten Cocktail empfehlen.

Hier kann es auch unter der Woche mal spät werden. Dann hängt noch um zwei Uhr in der Früh dichter Zigarettenqualm in der Luft. Wer einen oder gleich mehrere Espresso-Martinis bestellt – unbedingt probieren! – hält mit Sicherheit bis zum Morgengrauen durch…

  • Yuma Bar Weserstraße 14, Neukölln, Mo-Fr 18-2 Uhr, Sa+So 18-4 Uhr, www.yuma-bar.de

Erinnerungen stechen lassen bei Unikat

Die Tätowierer*innen bei Unikat in der Weserstraße verstehen ihr Handwerk. Foto: Unikat Poke

In der Weserstraße befindet sich eines von Berlins besten Tattoo-Studios. Die Tattoos, die bei Unikat entstehen, sind anders. Unikate eben. Die fünf internationalen Künstler*innen, die in dem Neuköllner Studio stechen, haben alle ihren individuellen, zeitgenössischen Grafikstil gefunden, modern, abstrakt, minimalistisch, manchmal mit einer Prise Humor.

Am besten, man schaut sich die Arbeiten der Tätowierer*innen zuvor auf der Webseite des Studios an oder geht spontan vorbei, lässt sich vor Ort inspirieren und wirft bei dieser Gelegenheit auch gleich einen Blick auf die Vintage-Schmuckstücke, die im Studio verkauft werden.


Gepflegt trinken im TiER

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Auf der Weserstraße sieht man den Wald vor lauter Bars nicht. Unter allen ist die TiER Bar eine Institution, die heraussticht und in Erinnerung bleibt. Vorbei am Türsteher kommt man nur mit über 21 Jahren und einem sympathischen Auftreten.

Der Innenraum der Bar versprüht nostalgisches 70er-Jahre-Flair und man bekommt direkt Lust, sich einen ausgefallenen Drink zu bestellen. Die Barkeeper*innen verstehen ihr Handwerk und zaubern Kreatives, das auch am Platz serviert wird. Zu den Stoßzeiten ergattert man nur mit einer extra Portion Glück noch einen Platz.

  • TiER Bar Weserstraße 42, Neukölln, So-Di 18-1 Uhr, Mi+Do 18-2 Uhr, Sa+So 18-3 Uhr, www.tier.bar

Paradiesisch brunchen bei dots

Wenn bei weniger schönem Wetter nicht alle Tische draußen stehen, wirkt das dots in der Weserstraße von außen fast ein bisschen unscheinbar. Drinnen aber wartet Gemütlichkeit und minimalistischer Hipster-Chic. Und richtig leckeres Essen. Das realisiert man spätestens, wenn man in ein Avocado-Hummus-Sauerteigbrot oder eine hausgemachte Zimtschnecke beißt.

  • dots Weserstraße 191, Neukölln, Mo-Fr ab 8.30 Uhr, Sa+So ab 9.30 Uhr, www.ilovedots.de

Ausgewähltes Independent-Kino entdecken im Wolf

Eines der besten Programm-Kinos in Neukölln und auch ganz Berlin ist das Wolf-Kino im Weserkiez. Foto: Kaethe17, Wikimedia Commons, CC BY-SA 4.0

In der Neuköllner Weserstraße befindet sich in einem Eckerdgeschoss das Wolf Kino. In dem kleinen, unabhängigen Kino laufen in zwei Kinosälen anspruchsvolle Independent-Filme, Blockbuster und Low-Budget-Produktionen. Wolf möchte „Kino in all seinen Facetten gerecht werden“.

Neben den zwei Haupt-Kinosälen gibt es einen weiteren Raum, der für Ausstellungen und Lesungen rund um das Thema Film sowie als Begegnungszone für Filmschaffende und -begeisterte dient. Im Kino gibt es auch einen gemütlichen Café-Bar-Bereich mit täglich wechselndem Mittagstisch und frischem Kuchen. 2020 laufen die ersten Filme im Wolf Kino erst ab Ende Juli. Das Café ist schon länger wieder geöffnet.


In würzige Falafel-Bällchen beißen bei Falafel Jakoub

Neben der Yuma Bar verkauft Falafel Jakoub richtig gute Falafel-Sandwiches, schmackhaften Hummus, arabische Linsensuppe und hausgemachte Baklava. Der Abschnitt zwischen dem Hermannplatz und der Pannierstraßen ist an warmen Sommerabenden besonders gemütlich. Dazu ein Biss in die besonders würzigen Falafel-Bällchen mit Mango-Sauce und – man ist glücklich.

  • Falafel Jakoub Weserstraße 14, Neukölln, So-Do 11.30-1 Uhr, Fr+Sa 11.30-3 Uhr

Rindstatar essen und Negroni schlürfen bei Beuster

Die Beuster Bar weiß um die Kunst, kulinarische Ambitionen in einen lässigen ­Kneipenabend zu kleiden. So mag man das ja in Berlin: Es geht ums Ausgehen, nebenbei darf es noch schmecken. Und ja, es schmeckt in dem charismatischen Ecklokal in der Weserstraße. Auf einem Niveau, das – in den Zutaten wie ihrer Zubereitung – nichts mehr vom manchmal allzu Improvisierten und Selbst­gemachten des Kiezes hat.

Das Tatar, kurz angebraten, kommt samt Gewürzgurke und handgeschnitzten Pommes Frittes. Das Schnitzel schmeckt sehr viel besser als all die okayen Schnitzel der Stadt. Dazu: Gute Cocktails, gute Weine. Das Beuster ist ein Must-Go-Place in der Weserstraße, eine Bereicherung für den Reuter-Kiez.


Auf einen klassischen Cockail-Abend in die Thelonious Bar

Eine gute Anlaufstelle unter den guten Bars in der Weserstraße ist auch die Thelonious Bar. Ein zehn Meter langer Tresen inmitten des klassisch dunkel gehaltenen Interieurs ermöglicht anregende Bargespräche. In der Bar gibt es eine feste Cocktail-Karte und laufend wechselnde saisonale Drinks. Eine Thelonius-Eigenkreation und Signature Drink der Bar nennt sich beispielsweise „gender fluiddity forever“.

Die Basis bidet Gin, dazu kommt ein französischer Beeren-Likör, ein hausgemachter Habanero-Bitter, roter Wermut, Limette und Eiweiß. Stilecht kommen die Cocktails bei Thelonious in geschliffenen Kristallgläsern. Zu erwähnen wäre außerdem noch die schöne, große Whiskey-Auswahl.


Der Selbstliebe wegen bei Erica Naturkosmetik einkaufen

Ein gutes Stück Seife für Haut und Haar: Bei Erica Naturkosmetik in der Weserstraße bekommt ihr naturbelassene Seifen, Öle und vieles mehr. Foto: Erica Naturkosmetik

Erica Naturkosmetik ist ein kleines Neuköllner Familienunternehmen, das naturbelassene, nachhaltige Kosmetik verkauft. Tochter Antje und Mutter Thomsen leiten die Firma gemeinsam – der Name stammt von Oma Erica. Der Fokus liegt besonders auf Haar- und Körperseifen, die hautschonend und umweltfreundlich sind, da bei der Benutzung kein Plastik übrig bleibt.

Im Sortiment hat Laden-Besitzerin Antje außerdem Öle, Bart- und Zahnpflege-Produkte ausgewählter regionaler Manufakturen, die die Philosophie von Erica Naturkosmetik teilen. Wer hier vorbeigeht, kann sich auf eine ausgiebige Beratung freuen.


Auf ein paar russische, vegane Tapas und ein Weinchen zu Kuschlowski

Das Kuschlowski wirkt mit dem zusammengewürfelten Mobiliar wie eine typische Neuköllner Cocktail-Bar. In der Tat startete das Kuschlowski als solche, mittlerweile werden aber auch vegane Tapas mit russischem Einschlag angeboten. Dank des russischen Inhabers kommen insbesondere Wodka-Liebhaber bei den Drinks, die im Kuschlowski gemischt werden, auf ihre Kosten.

Dazu kann man zum Beispiel vegane Dumplings bestellen – gefüllt mit Thymian-Kartoffeln, Beluga-Linsen und Zucchini oder typisch russische Blinis mit gegrillter Aubergine und Tofu. Kleiner Tipp: Probiert unbedingt einen veganen White Russian!

  • Kuschlowski Weserstraße 202, Neukölln, Mi-Sa 18-1 Uhr, auf Facebook

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