SO WAR ES BEI BERLIN MIT BERLINERN PRÄSENTIERT VON MASTERCARD PRICELESS BERLIN IM August

Wilde Tiere: Mit Derk Ehlert durch den Tiergarten

Unsere August-Tour „Berlin mit Berlinern Präsentiert von Mastercard Priceless Berlin“ führte uns zu Bibern und Amerikanischen Sumpfkrebsen

Wenn mal wieder eine Rotte Wildschweine die Gärten in Zehlendorf umgräbt, Wespennester für Aufregung sorgen oder Eltern wissen wollen, ob ihre Kinder vom Innenstadtfuchs vielleicht die Tollwut bekommen könnten – Derk Ehlert ist der Mann, der den besorgten Berliner zuhört, der aufklärt und vermittelt. Man könnte sagen, der Wildtierreferent des NABU ist Berlins oberster Mediator in der Beziehung zwischen Mensch und Wildtier.

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Waghalsige Habichtdame

Und da hat er eine Menge zu tun. Denn mit 20.000 Spezies ist Berlin ist eine der artenreichsten Metropolen der Welt. Und 6.000 von ihnen sind Tiere. Gut, es sind viele Käfer, Würmer und Spinnen darunter. Aber auch Habichte. Rund 240 von ihnen leben in Berlin – und fressen zwischen 10.000 und 15.000 Tauben pro Jahr. Mit speziellen Methoden. Eine Habichtdame aus Kreuzberg beispielsweise hat sich auf die Taubenjagt in Hinterhöfen spezialisiert, im waghalsigen Sturzflug geht es hinunter in den engen Hof, und mit etwas Glück mit der Beute wieder hinauf. Dass die an sich sehr scheuen Habichte in Berlin so eng neben den Menschen leben, ist eine Folge des Viermächtestatus’ der Stadt, hier durfte nämlich bis 1991 nicht gejagt werden.

Die drei Habichtpaare im Tiergarten ließen sich auf unserer Tour nicht blicken. Und auch von den zwei Biberfamilien, die dort ebenfalls heimisch sind, sahen wir nur den Bau. Vielleicht waren wir etwas früh dran, ab 20 Uhr, erklärt Derk Ehlert, sind sie eigentlich immer zu sehen. Und die Berliner Biber sind derart an die Menschen gewöhnt, dass man sie in aller Ruhe beobachten kann. Wie übrigens auch die Biber im Schlosspark Charlottenburg.

Dafür ließen sich die Reiher und Schildkröten – rund 40 von ihnen leben im Tiergarten – auf unserer Tour blicken, und auch den Roten Amerikanischen Sumpfkrebs konnten wir aufspüren. Ohne die fachkundige Begleitung wäre da nicht möglich gewesen, aber wenn man erste einmal weiß, wo die Reuse gespannt ist, kann man auch die roten Panzer entdecken.

30.000 Sumpfkrebse in Britz

Der Sumpfkrebs ist eine invasive Art, das heißt, er kommt bei uns eigentlich nicht vor und verdrängt die heimischen Arten. Wie er in den Tiergarten gekommen ist, bleibt unklar. Doch da diese Krebsart lebend gehandelt wird, könnte sie ein Tierfreund ausgesetzt haben. Im Tiergarten findet dieser Krebs beste Bedingungen, und damit die Population nicht überhand nimmt, stellt dort ein Fischer seine Reusen auf. 3.000 Krebse hat er in diesem Jahr aus den Tiergartenseen gezogen – aus den Gewässern des Britzer Gartens sogar 30.000.

Man könnte Derk Ehlert stundenlang zuhören: Wenn er von der letzten Waschbärenzählung erzählt, sieben von ihnen hat er allein an der Friedrichstraße in Mitte gefunden. Oder von den Wespen erzählt, die den Borkenkäfer jagen (der in diesem Jahr schon zum Problem zu werden drohte). Und von den Hornissen, die die Wespen jagen. Es gibt in Berlin sogar Wartelisten für Hornissennester, die aus den Gärten von Kitas und Krankenhäusern entfernt werden müssen. Wer sie nimmt, wird schnell das Wespenproblem los. Trotzdem sind Hornissen nicht so leicht vermittelbar – auch nicht für Berlins Wildtierversteher und sein Team beim NABU.

Text: Stefanie Dörre
Fotos: Christian Mentzel

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