Bandporträt

Charly Hübners „Wildes Herz“ porträtiert die linke Punkband Feine Sahne Fischfilet

Für echte Überzeugungen braucht man ein Wildes Herz: Charly Hübner porträtiert die linke Punkband Feine Sahne Fischfilet

Neue Visionen

„In einem Zeckenviertel wie Berlin-Kreuzberg wäre ich wohl der unpolitischste Typ weit und breit gewesen. Aber bei uns zu sagen: ,Ich find Nazis scheiße’, damit ist man schon die absolute Vollzecke. Das sind ganz andere Relationen.“ Markige Worte aus dem Mund von Monchi, dem Sänger von Feine Sahne Fischfilet. Sätze mit viel Wahrheit und einem kleinen Fragezeichen. Wahr ist, dass ein Positionieren gegen Rechts in der mecklenburgischen Heimat der Band viel mehr Mut und Kraft erfordert als in linken Berliner Komfortzonen. Nur das mit dem „unpolitischen Typen“ nimmt niemand mehr ab, der die Entwicklung der Band und besonders die von Monchi als ihrem Frontmann in den letzten Jahren verfolgt hat.

Feine Sahne Fischfilet zählen zu den Aktivposten der Musikszene, wenn es darum geht, Kante zu zeigen gegen rechtsnationale, völkische Stimmungsmacherei, gegen Rassismus und Fremdenfeindlichkeit. Und sie sind inzwischen drauf und dran, mit ihrer „Antifaschistischen Bierzeltmusik“ (Selbstzuschreibung), einer Kraftrock-Punk-Mucke mit unmissverständlichen Texten, erfolgreich im Mainstream anzukommen.

Der Schauspieler Charly Hübner hat mit „Wildes Herz“ seinen ersten langen Dokumentarfilm gedreht – zusammen mit seinem Koregisseur Sebastian Schultz – und das ausgerechnet über Feine Sahne Fischfilet und Monchi, mit dem er seit Jahren gut befreundet ist. Das Timing ist gut, das Ergebnis noch besser. „Wildes Herz“ ist das intime und zugleich energiegeladene Porträt eines jungen Mannes aus der Provinz, der zusammen mit seiner Band für linke Ideale steht: Haltung, Klarheit und Zusammenhalt! Und deren Leidenschaft es ist, mit ihrer Musik, ihren Texten, ihren schweißtreibenden Bühnenshows dies an ihr Publikum weiterzugeben. Hübner besitzt zudem als gebürtiger Mecklenburger ein genaues Gespür für Land und Leute und deren Mentalität, um eine vielschichtige Beschreibung deutscher Gesellschaftszustände zu liefern. Somit ist der Film auch ein deutliches Plädoyer für ein offenes Verständnis von Heimat und Familie.

Wildes Herz D 2017, 90 Min., R: Charly Hübner, Sebastian Schultz, mit Jan “Monchi” Gorkow, Kai Irrgang, Olaf Ney, Christoph Sell, Max Bobzin, Jacobus North, Start: 12.4.

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