Essen & Trinken in Berlin

Willi Schlögl empfiehlt Wein zum Fest

Sommelier Willi Schlögl hat für uns ein paar exemplarische Weintrinker beschert – ­vielleicht haben Sie ja einen davon in Ihrer Verwandtschaft

Für den wertkonservativen Schwiegervater
Ich weigere mich, Menschen einfach nur zu schenken, was sie ohnehin schon mögen. Ein Geschenk darf auch ein bisschen fordernd sein. Dennoch würde ich hier etwas mit Etikette schenken. Wenn ich also davon ausgehe, dass der Mann trockene Grauburgunder schätzt, wähle ich einen restsüßen Riesling von J.J. Prüm von der Mosel. Das wird den alten Herren erstmal verwirren, im Glas wird er es lieben.
über: Wein & Glas, Prinzregentenstr. 2, Wilmersdorf

Für den Neffen, der eigentlich nur RedBull trinkt
Dem würde ich einen funky Wein geben, einen Orange Wine von Pittnauer aus dem Burgeland. Die haben geile, auffällige Etiketten, ich merke ja hier in der Bar, dass das gerade der Jugend wichtig ist. Zudem ist so ein Wein bei aller aromatischen Intensität auch im besten Sinne trinkfreudig, also eine gesellige Sache.
über: www.weinskandal.at

Für die kulturbeflissene Tante
Die trinkt am liebsten kräftige Rotweine, ist ja meistens so bei den gereifteren Frauen. Ein kräftiger Rotwein also, ein Spanier mit Klasse, ein Rioja von López de Heredia. Der ist ein wenig fordernd, aber gibt viel zurück. Und ich hätte die Gewissheit, dass ich zwar einen Rioja verschenkt habe – aber einen richtig guten Wein.
über www.finewineshop.com

Für die vegane Freundin mit dem eigenen Schrebergarten
Wer sich selbst intensiv mit Essen und der Ernährung beschäftigt, der wird auch einen ungefälligeren Wein verstehen, selbst wenn Wein vielleicht nicht ihr Steckenpferd ist. Deshalb ein radikalerer Naturwein, ich habe da gerade was Lustiges aus Saale-Unstruht getrunken: einen Silvaner von Konni & Evi, biodynamisch, ungebändigt, gerade mal 10 Prozent Alkohol.
über: Viniculture, Grolmannstr. 44 – 45, Charlottenburg

Für den hilfsbereiten Nachbarn als kleine Aufmerksamkeit
Ich finde es schwierig, einfach irgendwelche (günstigen) Weine zu verschenken. Wenn ich also so gar nicht weiß, was der andere für einen Weingeschmack hat und es einfach nur eine nette Aufmerksamkeit sein soll: ein Sechser Craft-Beer von BRLO, da ist Bier vielleicht doch das allgemeingültigere Getränk.