Musik & Party in Berlin

William Fitzsimmons

Nebenwirkungen: Der Musiker verknüpft den Blick in eigene Abgründe mit warmen Harmonien.

William Fitzsimmons

Dass sich hinter besonders dichter Gesichtsbehaarung oft besonders zarte Seelen verbergen, zeigen Songschreiber wie Scott Matthews oder Sam Beam. In die Runde sensibler Bartträger passt auch William Fitzsimmons, der mit seinem kahl geschorenen Haupt das Asketische eines Bettelmönchs ausstrahlt. Für sein neues Album hat sich der Mann, der einst als Psychotherapeut gearbeitet hat, tatsächlich in eine Art innere Versenkung begeben. „So lang habe ich noch für kein Album gebraucht. Das liegt daran, dass ich diesmal nicht mit Gitarre oder Klavier angefangen habe, sondern mit Lesen und Lernen, also Recherche. Erst nach und nach kam die Musik hinzu.“ Die Themen für „Gold In The Shadow“ zog der Sohn eines blinden Elternpaares aus Pittsburgh insbesondere aus einem Verzeichnis psychischer Erkrankungen, einem therapeutischen Standardwerk. „Es ist ein sehr technisches Buch, aber ich finde es faszinierend, denn es zeigt alle Richtungen auf, in die sich der Geist drehen kann, wenn etwas nicht in Ordnung ist.“ Nicht nur die Krankheit ist Thema der Songs, sondern auch Heilung – im Falle von Fitzsimmons die persönliche Überwindung von Störungen wie Depressionen oder Magersucht. Gemessen am ernsten Stoff klingen die Songs ungewohnt tröstlich und baden meist in sonnigen Harmonien, Schönklänge von Streichern, Glockenspiel und weiblichem Gesang vermitteln ein leises Glücksgefühl. Therapeutische Heileffekte sind also auch bei den Zuhörern nicht ausgeschlossen.